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Wie Phönix aus der Asche

Wie Phönix aus der Asche

Sachsens private Schlosseigentümer öffnen wieder ihre Türen für Leser dieser Zeitung. Am kommenden Wochenende gibt es Einblicke im Rittergut Ehrenberg.Am Sonntag begrüßt Gutsherr Pier Giorgio Furlan Gäste auf dem Rittergut Ehrenberg bei Kriebstein.

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Pier Giorgio Furlan und seine Darsteller im Schloss.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. n. Besucher können sich auf italienische Gastfreundschaft freuen, sollten ihrem ersten Eindruck vom Rittergut aber nicht trauen.

"Vor zehn Jahren war das Gelände eine Müllhalde - zugewuchert und mit Unrat übersät", erzählt Pier Furlan von den Anfängen der Restaurierung. "Zwei Jahre lang haben wir nur freigeräumt und saubergemacht." Und dabei ein prachtvolles Gelände mit vier Kerngebäuden des ehemaligen Schlosses Ehrenberg freigelegt. Freilich erwecken die Ruinen des 1563 erbauten Schlosses und der großen Scheune, die beim Betreten des Guts zuerst ins Auge fallen, nicht den Eindruck, dass hier seit der Sprengung nach Kriegsende etwas geschehen sei. Doch schon nach wenigen Schritten auf dem Grundstück, das an einem bewaldeten Hang liegt und von mehreren früheren Gutshäusern umgeben ist, sind die Früchte der Arbeit Furlans zu sehen.

Zur Rechten steht das ehemalige Wirtschaftshaus des Schlosses. Die Fachwerkkonstruktion des Gebäudes hat Furlan wieder herausgearbeitet, Böden und Türen sind erhalten geblieben. "Die Türen steckten senkrecht im Müll, dadurch haben sie nicht viel abbekommen", sagt der studierte Architekt, der die Sanierung selbst beaufsichtigt hat. Mit italienischem Akzent und viel Herzblut erzählt der 57-Jährige vom Umbau und führt durch die Gebäude. "Wie Phönix aus der Asche sind die Häuser wieder erstanden", sagt er stolz. Bis auf einen Raum, in dem eine große Kunstgalerie Platz finden soll, sei das Haus fertig. Eine kleinere Galerie und ein Atelier hat er darin eingerichtet, wo er mit Ein-Euro-Helferinnen wie Martina Heide und Gerlinde Kehmstedt Gipsmasken und reich verzierte Kostüme nach venezianischem Vorbild herstellt und repariert. Und das mit einfachsten Mitteln. Da wird für das Untergestell eines barocken Kleides ein alter Gartenschlauch zweckentfremdet und mit Hilfe der Fingerfertigkeit seiner Näherinnen aus einfachem Gardinenstoff ein Brokat. "Ich habe das zwar nicht gelernt, aber schon früher gern Kostüme und Kleider für den Fasching genäht", sagt Martina Heide.

Für Furlan und den von ihm geführten Verein Centro Arte Monte Onore (CAMO), dem das Rittergut offiziell gehört, sind Auftritte in den prunkvollen Kostümen bei Kongressen, Firmenveranstaltungen und Festen die Haupteinnahmequelle und gute Werbung für sein Kulturzentrum. Nichts anderes bedeutet übrigens der italienische Vereinsname: Kulturzentrum Ehrenberg. "Das klingt aber etwas langweilig und passt nicht zur Kunst", sagt Furlan mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Furlan stammt aus den Dolomiten. Er studierte Kunst und Architektur in Venedig und wurde dort nachhaltig durch Theateraufführungen mit klassischen Masken und Kostümen geprägt. 1986 kam er nach West-Berlin, wo er verschiedene Tanztheaterprojekte umsetzte und als Architekt arbeitete. Seinen Ruhestand möchte er später gern als Künstler in Afrika verbringen.

Vorher sollen jedoch alle Gebäude des Gutshofes zu Prunkstücken werden, wie das ehemalige Kutscherhaus, in dem ein Schlossmuseum eingerichtet ist. Die Ergebnisse von historischen Forschungen, gefördert vom Europäischen Sozialfonds, sind zusammen mit Fundstücken aus dem Schloss ausgestellt. Oben im original restaurierten und pflanzenumrankten Gebäude wohnt Furlan selbst seit fast zehn Jahren. In sein großzügiges, mit altem Mobiliar und großer Küche ausgestattetes, Domizil, lädt er Besucher zu Lesungen und italienischen Kochkursen. Die Terrasse vor dem Haus gewährt einen Blick auf den Hofgarten und über den Hang ins Tal. Den können Gäste am Sonntag ebenfalls genießen. "Bei schönem Wetter serviere ich draußen italienischen Kuchen", verspricht der Gutsherr.

Sebastian Fink

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