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Städtereise Leipzig Lichtfest Leipzig 2019 setzt auf Erleuchtung durch eine Österreicherin
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07:01 07.03.2019
Raster und Stacheldraht überschreiben die Hofburg in Wien – eins der Lichtprojekte der österreichischen Künstlerin Victoria Coeln aus dem Jahr 2016. Quelle: Hemut Prochart
Leipzig

Die Aussichten waren blendend. Vor der Sitzung am späten Dienstagnachmittag schossen waagerecht Sonnenstrahlen durch die Ritzen der Jalousien im „Huldreich-Groß-Saal. Vorboten für das, was dem Beirat Kuratorium Tag der Friedlichen Revolution 1989“ in der Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz vorgesetzt wurde: das Konzept für das Lichtfest in diesem Jahr. Das formuliert eine Abkehr von der zuletzt harsch kritisierten Eventisierung des Festes und setzt auf künstlerisch modulierte Erleuchtung. Die traf in der Dienstag-Runde nicht jeden, aber die große Mehrheit.

Metapher auf die vor 30 Jahren sukzessive wachsenden Proteste

Unterstützt von Marit Schulz (Lichtfest-Leiterin/Leipzig Tourismus und Marketing GmbH) und Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns präsentierte Künstlerin Victoria Coeln ihren Plan von der Abschaffung des Dunkels. In Bezug auf die 89er-Demos sollen Installationen aus Licht Montag für Montag ein Stück mehr von der Leipziger Innenstadt samt Ring erobern. Eine Metapher auf die vor 30 Jahren sukzessive wachsenden Proteste gegen das DDR-Regime. „Ausdrücklich gewünscht sind diese Lichträume als Impulsorte für Erinnerungen und Begegnungen“, betonte die Österreicherin. Die Bürger sollen mitgestalten und intervenieren können.

Lichträume mit den Losungen der Friedlichen Revolution

Die Bildsprache des Lichts basiert vor allem auf Rastern, Lichtlinien, Farbflächen sowie Licht- und Schattenprojektionen von Leipzigern. Wie das aussehen könnte, dokumentieren Fotos von Coeln-Installationen an der Wiener Hofburg oder im Park von Hannover-Herrenhausen. Das Vorhaben für Leipzig: Raster werden vorab auf für die Ereignisse im Herbst 1989 relevanten Gebäude projiziert, fotografiert, auf Glas übertragen und wieder in den Stadtraum projiziert. Die einzelnen Lichträume sollen mit den Forderungen und Losungen der Friedlichen Revolution verknüpft werden. Beginn wäre der 4. September (ein Mittwoch) im Innenraum der Nikolaikirche, zitiert werden hier „Wir sind das Volk“ und „Offen für alle“.

Lichtweg zum Augustusplatz am 9. Oktober

An den folgenden Montagen illuminiert die 57-Jährige laut Plan den Nikolaikirchhof („Wir wollen raus!“, „Wir bleiben hier!“), den Schwanenteich („Schließt euch an“), die Runde Ecke („Keine Gewalt“), das Goerdeler-Denkmal am Neuen Rathaus („Jetzt oder nie – Demokratie“) sowie den Schillerpark („Für ein offenes Land mit freien Menschen“). Den Abschluss bildet natürlich der als Wendepunkt zum Umsturz geltende 9. Oktober – 30 Jahre später fällt der auf einen Mittwoch. An diesem Tag soll der gesamte Innenstadtring als komplett erleuchteter Lichtweg zum Augustusplatz führen, an dem die traditionelle „89“ aus Kerzen flackern wird, erweitert um den Schriftzug „Leipzig“.

„Das kann nicht funktionieren“

Über der von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geleiteten anschließenden Diskussion baumelte spürbar ein Damoklesschwert: Eine Ablehnung des ohnehin spät präsentierten Konzepts wäre sieben Monate vor den Feierlichkeiten einer Katastrophe gleichgekommen. Die Skepsis von Roman Schulz (Mitglied der Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober“) mit Blick auf den technischen Aufwand konnte Coeln schnell zerbröseln. Hartnäckig bis hin zum Trotz stemmten sich Ansbert Maciejewski (CDU) und Tobias Hollitzer (Gedenkstätte Runde Ecke) gegen das Projekt. Maciejewski wertete das Vorhaben ironisch als „pädagogisch wertvoll“ ab und konstatierte: „Das kann nicht funktionieren.“ Hollitzer gestand „Ratlosigkeit“ ein, „auch wenn ich das Konzept verstehe“. Er und Bürgerrechtler Uwe Schwabe wunderten sich, wie die Erwartungshaltung der Bevölkerung auf einen Höhepunkt für den 9. Oktober bedient werden könne, wenn das Ganze eher so dahinplätschere.

„Kein Weiter-So“

Jung spielte den Ball zurück und verwies auf die Chance der Partizipation: „Das hängt auch von Ihrem Engagement ab.“ Falk Elstermann (Initiative) und Gesine Märtens (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerten an die Debatte um das vergangene Lichtfest, das sich in Thematik und durch Bombast vom Ursprung der Veranstaltung entfernt hatte. „Kein Weiter-So“, lautete zuletzt das Fazit im Beirat. Das flammendste Plädoyer für das Coelner Konzept hielt dann Elstermann, der das Wachsende in dem Projekt als Gleichnis zur Auflehnung von damals ebenso lobte wie die Konzentration auf den Gang um den Ring und die Hinwendung zu einer ruhigen, intensiven Bildsprache. Zustimmendes Nicken der Runde.

In der Abstimmung standen 13 Pro-Stimmen einem Contra (Hollitzer) und drei Enthaltungen gegenüber. Ein Votum für ein Projekt, das auf Distanz zu Konventionellem und Effekthascherei geht. Und das auf die Wirkung der Reduktion setzt, regelrecht anachronistisch also. Aber wie sagte – taktisch geschickt – die österreichische Künstlerin an einer Stelle? „Ich bin hier in einer Stadt, die Mut hat.“ Für diesen Abend traf das jedenfalls zu.

Von Mark Daniel

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