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20:00 06.10.2017
Mehr Nuss, kein Palmöl: Eine neue Nudossi-Variante soll den westdeutschen Markt aufrollen. Quelle: Nudossi
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Hannover

Kennen sie die Nougatgrenze? Die trennt Ost und West bis heute, mehr als 25 Jahre nach der Wende. Denn wenn es um den süßesten, leckersten Brotaufstrich zum Frühstück geht, dann hat man in den neuen Bundesländern seinen ganz eigenen Geschmack. Die Welt liebt Nutella – der Osten liebt Nudossi.

Eine Nuss-Nougat-Creme, die schon zu Zeiten der DDR hergestellt wurde, damals als heiß begehrte “Bückware“ unter dem Ladentisch lagerte und als Marke bis heute überdauert hat. Nudossi, liebevoll auch das “Nutella des Ostens“ genannt, wird in Radebeul vor den Toren Dresdens produziert. Bis zu fünf Millionen Becher im Jahr. Das Besondere dieser Creme ist, zumindest wenn man ihren treuesten Fans Glauben schenken mag, offenbar ihr sehr nussiger Geschmack. Das können Kenner sogar in Zahlen ausdrücken: Denn im Gegensatz zur Nutella, deren Haselnussanteil gerade mal bei 13 Prozent liegt, stecken in Nudossi satte 36 Prozent.

Was schon in der DDR vielen gut schmeckte, war eigentlich eine aus der Not geborene Innovation: Wegen der knappen Devisen des sozialistischen Staates waren Haselnüsse – beispielsweise in Georgien – viel leichter zu besorgen als künstliche Aromen. Heute ist der Hersteller von Nudossi, die Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG, froh über die vielen Nüsse, die das Produkt enthält. Kann es doch geschmacklich eine wirkliche Alternative zum allgegenwärtigen Nutella anbieten.

Verzicht auf billiges Palmfett

Trotzdem ist es bislang nicht wirklich gelungen, auch in den westdeutschen Bundesländern mit Nudossi Fuß zu fassen. In den dortigen Supermärkten sucht man die Nuss-Nougat-Creme aus Sachsen meistens vergebens. Mit einer neuen Rezeptur wollen die Radebeuler das jetzt ändern.

Die Nudossi, die den anspruchsvollen Westmarkt erobern soll, wird ganz ohne Palmöl hergestellt. Denn dieses steht wegen der Rodung von Regenwäldern für die riesigen Ölpalmen-Plantagen weltweit in der Kritik, auch gesundheitliche Risiken spielen eine Rolle. Als billiges Fett steckt Palmöl in vielen Lebensmitteln – in Fertiggerichten, Keksen und Babynahrung. Nicht nur Nutella verleiht das Öl eine streichfeste, cremige Konsistenz. Es ist auch zu finden in Schokoriegeln oder Fertigtomatensoßen. Die Umweltorganisation Greenpeace hat erst vor wenigen Tagen erneut vor möglichen Gesundheitsschäden gewarnt. Palmöl steht unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Erstmals im Glas statt im Plastikbecher

In der Nudossi-Zentrale hofft man deshalb nun, mit dem neuen Produkt neue Kundengruppen anzusprechen, denen das Thema Nachhaltigkeit wichtiger ist als ein vertrauter Kindheitsgeschmack. Statt Palmöl enthält der Aufstrich außer Sonnenblumenöl auch etwas Öl der indischen Salnuss. Der Weg zur neuen Cremigkeit war gar nicht so einfach. Die Lebensmitteltechnologin bei Nudossi musste unzählige Proben anrühren, damit ein neues Fett für den Brotaufstrich entsteht, das nicht anders schmeckt als das bisherige. Ein Versuch mit Rapsöl beispielsweise scheiterte, weil dieses der Nuss-Nougat-Creme eine Geschmacksnote von mediterranem Salat verlieh.

Die neue Nudossi wird allerdings nur zusätzlich zur klassischen Variante mit Palmöl produziert, denn bei den Ost-Kunden wagt man noch keine Experimente. Die Sachsen sprechen daher von ihrem “Luxusprodukt“. Erstmals wird Nudossi dann auch nicht in einem Plastikbecher verkauft, sondern in einem richtigen Glas. Und was ist der nächste Schritt, um die deutsch-deutsche Nougatgrenze aufzubrechen? Gerüchten zufolge eine zuckerfreie Nudossi  ...

Von Christoph Stephan

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