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Genuss & Leben Liebe auf Rezept
Sonntag Genuss & Leben Liebe auf Rezept
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20:10 09.02.2018
Versuchung in Schokolade: Brownies, am besten nach einem Rezept der Schauspielerin Katharine Hepburn. Quelle: iStockphoto
Hannover

Dass ein Rezept viel mehr beinhalten kann als die Anleitung für einen Koch- oder Backvorgang, ist eigentlich keine Überraschung. Schon immer haben Rezepte Geschichten erzählt. Da ist etwa die des italienischen Spitzenkochs Massimo Bottura, der das Risotto „Cacio e Pepe“ allein deshalb erfand, um fast 1000 Laibe Parmesankäse verwerten zu können, deren Lager nach dem verheerenden Erdbeben in der Emilia-Romagna zerstört worden war. Oder die der Französin Stéphanie, die bei den Vorbereitungen für eine Abendgesellschaft die Äpfel für das Dessert versehentlich karamellisieren ließ und so die Tarte Tatin erfand. Dass auch in den Kommentaren einer Rezeptrubrik große Gefühle stecken, ist eine Überraschung. Zu mehr als einem wenig originellen „Mmh, sieht lecker aus“ lassen sich die meisten User doch sowieso nicht hinreißen. Später dann, fast pietätlos schnell, werden Verbesserungsvorschläge gepostet – oder an der Garzeit herumgemäkelt.

In der Backrubrik der „New York Times“ jedoch geschah vor zwei Jahren etwas, das größer war als verunglückte Baisers oder zu hart gewordene Ciabattakruste. Unter ein Brownierezept, das die Zeitung viele Jahre zuvor von der Schauspielerin Katharine Hepburn erhalten hatte, schrieb Nutzerin Sydney Newberry folgenden Kommentar: „Mehr als 30 Jahre lang zählte dieses Rezept zu den gebräuchlichsten in meiner Küche. In den Achtzigerjahren fragte mich eine Bekannte in Deutschland, die sich selbst als gute Köchin bezeichnete, danach – es funktionierte bei ihr aber nie. Sie fragte mich immer wieder, was sie falsch machte und ich versuchte, ihr zu helfen. Schließlich zog sie in die USA und spannte mir meinen Ehemann aus.“

Das Rezept – inklusive Post von Newberry – ist mittlerweile berühmt. Immer wieder nehmen Nutzer in der Kommentarspalte Bezug auf den Eintrag. Das sonst eher zurückhaltende Social-Media-Team der „Times“ outete sich, dass der Kommentar einer ihrer liebsten sei. Die Brownies von Katharine Hepburn backt Sydney Newberry übrigens immer noch – mittlerweile für einen neuen Ehemann, mit dem sie nach eigenen Worten sehr glücklich ist. Ob die Deutsche das Rezept mittlerweile beherrscht, ist nicht überliefert.

Übrigens gibt es noch ein zweites Rezept, zu dem die Beziehung der „Times“-Leser besonders innig ist. Es ist ein schlichtes Pflaumenkuchenrezept, das 1983 erstmals veröffentlicht wurde. Ein bisschen Zucker, Butter, ein wenig Mehl und schließlich Steinobst – es sei ein Wunder, dass es solch ein lapidarer Kuchen überhaupt in ihre Kolumne geschafft habe, wunderte sich Kochkolumnistin Marian Burros später, als das Rezept Jahr für Jahr wieder angefordert wurde, selbst, als die Redakteure entnervt mit einem Ende der Wiederabdrucke drohten. Warum es sich niemand ausschneidet und aufbewahrt? Im Karteikasten in der Küche? Bei den anderen Rezepten? Auch das bleibt ein Rätsel.

Möglicherweise haben sich die Leser an die alljährliche Wiederveröffentlichung zum Herbstanfang gewöhnt. Etwa so, wie an das tägliche Kreuzworträtsel. Vielleicht aber ist es mit dem Pflaumenkuchen wie mit so mancher großen Liebe. Erst wenn sie verloren ist, weiß man, wie viel sie einem bedeutet hat.

Von Dany Schrader

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