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Mal wieder Fake News

Fake-Fur im Trend Mal wieder Fake News

Ausgerechnet vor dem womöglich wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sind sich alle Modelabels und Designer einig: Diese Saison geht nichts ohne Fake-Fur und Teddyfell.

Eine kunsthaarige Angelegenheit: Schaffelljacke, zum Beispiel von Acne Studios.

Quelle: Hersteller

Hannover. In der Mode ist es üblich, auf Phänomene der Zeit mit Gegensätzlichem zu reagieren. Krisen begegnet die Haute Couture mit Glamour, Kälteeinbrüchen mit kurzen Ärmeln. Gerade erst lief ein Model in Radlerhose über den Laufsteg in Paris. Sie gehörte zur Kollektion von Dolce & Gabbana für die Saison 2018. Kleidung mag zwar in erster Linie dazu erfunden worden sein, den Körper vor unangenehmen Wettereinflüssen zu schützen, die Mode aber ist zum Glück nichts für Pragmatiker, sondern immer auch eine Flucht vor der Realität.

Deshalb ist es eigentlich nicht mal eine Überraschung, dass ausgerechnet im Winter eines Jahres, das möglicherweise als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen wird, dicke, fast unförmige Jacken und Mäntel aus Teddyfell getragen werden. So, als hätte es das Wort Klimawandel und die dazugehörigen Umstände nie gegeben.

Die französische Ausgabe der “Vogue“ ist ganz vorn mit dabei: Das Modemagazin präsentierte vor Kurzem eine Art Jumpsuit aus Kuschelpelz, der wie ein Faschingskostüm gewirkt hätte – wäre das Bild nicht ein “Vogue“-Titel und die Trägerin nicht Topmodel Gisele Bündchen. Auch weiter hinten im Heft gab es Teddyassoziationen in Serie. Die Redaktion weiß, was sie da tut. Miu Miu, Burberry, Prada – und natürlich auch die Filialisten auf den High-Streets: Sie alle machen mit. Fake-Fur (Kunstfell) ist in diesem Winter ganz sicher ein Trend.

Vom Innenfutter auf den Laufsteg

In den Schaufenstern hängen bereits jetzt Jacken, deren beigfarbenes, leicht knotiges Teddyfell bis vor Kurzem nur als Innenfutter geduldet wurde. Nun wird es kurzerhand nach Außen gekehrt. Auch die haarigeren Modelle aus Pelzimitat hängen in überwiegend gedeckten Tönen an den Bügeln: Naturnahe Farbnuancen wie Braun, Beige, Camel oder Schwarz dominieren, pastelliges Türkis oder Pink sind eindeutig Ausnahmen.

Während Luxuslabels wie Prada allen Anti-Echtpelz-Kampagnen zum Trotz wieder zu Mänteln aus Lammfell zurückkehren, setzen andere Designer bewusst ihre Fellimitate in Szene. Mit ein wenig Fantasie lässt sich darin sogar ein ironisches Zitat der globalen Fake-News-Krise sehen: Nicht nur falsche Pelze sind zurzeit angesagt, auch Perlen dürfen in diesem Herbst alles andere, nur bitte nicht echt sein.

Selbstverständlich ist die Pelzfrage seit einigen Jahren ähnlich kompliziert wie der Rest der Welt: Immer wieder kommt es vor, dass echtes Fell als falsches verkauft wird. Das passiert nicht nur, weil es dann eher gekauft wird, sondern auch, weil es leichter und kostengünstiger zu bekommen ist als industriell gefertigtes Imitat.

Sehnsucht nach Geborgenheit

Bleibt die Frage, warum wir uns in immer milderen Wintern nach immer wärmeren Jacken sehnen. Experten geben dieser Tage eine ganz klare Antwort darauf: Die Sehnsucht nach Geborgenheit und innerer Wärme drückt sich auch in der Art sich zu kleiden aus. So gesehen sind die Teddyfellmäntel und Jacken dieses Herbstes die passende Kleidung zur schon viel zu viel gepriesenen dänischen Gemütlichkeit Hygge.

Für das kommende Weihnachten rechnet niemand ernsthaft mit Schnee. Dafür werden wir in unserer Winterkleidung wirken, wie in den Weihnachtsbilderbüchern unserer Kindheit, in denen die Landschaft ausnahmslos malerisch in glitzernden Schnee getaucht ist und die Menschen warm eingemummelt sind. Wir werden gut aussehen. Und schön schwitzen.

Von Dany Schrader

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