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Wenn der Ur-Ossi lacht

Ostrfriesenwitze Wenn der Ur-Ossi lacht

Es ist schön, Ostfriese zu sein. Wo Ostfriesen auch sind auf dieser Welt, erkennen sie sich. Zum Beispiel am Autokennzeichen, den ganz seltenen Wittmund-T-Shirts, dem öffentlichen Verzehr von Thiele-Tee. Oder am Modem.

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Menschen im Wattenmeer zwischen Neßmersiel und der ostfriesischen Insel Baltrum.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Sie sprechen sich dann auf Plattdeutsch an, checken kurz gemeinsame Bekannte oder Verwandte und fahren weiter. Ganz moderne Menschen. Das Besondere an ihnen: Sie können über Ostfriesenwitze lachen. Wenn die Witze gut sind. Sie lachen eher selten.

Ostfriesenwitze hatten ihre Blütezeit in etwa zwischen den Herren- und den Mantawitzen und parallel zu den Häschenwitzen, was nicht gerade eine hochkulturelle Humorumgebung ist, aber zumindest eine, in der man aufwandsfrei erstrahlen kann.

In Ostfriesland hatte man ein ungezwungenes Verhältnis zum Ostfriesenwitz, obwohl man seinen Pointenquell wusste. Schließlich ging es um scherzspendende Charaktereigenschaften wie Langsamkeit, Begriffsstutzigkeit, gelebtes Hinterwäldlertum und die Doofheitsarten Treudoofheit, Situationsdoofheit und allgemeine Doofheit.

Der Ostfriese wusste immer, dass das böse Vorurteile sind. Fast alle. Gut, einige. Also jedenfalls wusste er, dass es nicht fünf seiner Art sind, die es braucht, um eine Glühbirne einzuschrauben – einen, der die Birne hält, und vier, die den Tisch drehen, auf dem er steht.

Der Ostfriese hat sich trotzdem nie beschwert. Er wusste, dass es auch schon die Schotten getroffen hatte, er wusste früh, dass die Grenzöffnung kommen, dass Licht auf andere indigene Völker fallen und neue Humorlandschaften erblühen lassen würde. Ohnehin hat er, der Ur-Ossi, die Witzkultur immer als Marketing gesehen. Oder als das, was Marketing war, bevor es in Ostfriesland angekommen ist.

Denn der Ostfriese wusste: Die Menschen kommen. Weil er Wasser hatte. Und gute Luft. Und so kam es, dass Jahr für Jahr, immer zu Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen, der Ostfriese sein Mathematikstudium unterbrach. Er stellte den Abakus beiseite, zog das Fischerhemd an, setzte die Mütze auf, hockte sich mit einer Tasse Tee auf die Bank vor sein Haus und grüßte freundlich, aber wortkarg zurück, wenn die Kleinfamilie aus Solingen-Ohligs vorbeimarschierte und ihren unbändigen Assimilationswillen mit einem geübten, fast akzentfreien „Moin, Moin“ untermauerte und für einen Moment mit ihrer Ferienregion verschmolz.

Und manchmal lachte der Ostfriese sogar: Hubschrauberabsturz über ostfriesischem Friedhof. Die Feuerwehr barg 358 Tote.

Uwe Janssen

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