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Leben ohne Marktwert

Im Transferfenster mit Uwe Janssen Leben ohne Marktwert

Die Bundesligasaison hat zwar schon wieder begonnen, doch noch ist das Transferfenster weit offen – eine schöne Gelegenheit, mal den eigenen Marktwert zu überdenken.

Wo kann man seinen Marktwert errechnen, wenn man kein Fußballer ist, aber andere Sachen gut kann?

Quelle: imago/Team 2

Hannover. Der Fußball rollt, bis Ende des Monats noch bei offenem Fenster. Es heißt im Fußballerdeutsch Transferfenster, durch das Vereine viel Geld rauswerfen, damit Spieler einsteigen. Bis das Transferfenster geschlossen ist, reden alle über Geld, Ablösen und Marktwerte.

Bis dahin werden Stürmer und Verteidiger verkauft, verliehen oder auch mal getauscht. Das klingt ein bisschen nach Viehhandel, aber man hat sich daran gewöhnt. Als Bundesligaspieler ist es ganz normal, sich in Geld aufrechnen zu lassen und als Mittelfeldspieler eines Mittelfeldvereins 2 oder 3 Millionen Euro wert zu sein.

Einparken muss olympisch werden

Aber haben nur Fußballer einen Marktwert? Wo kann man seinen Marktwert errechnen, wenn man kein Fußballer ist, aber andere Sachen gut kann? Alltagstauglichkeiten wie Bügeln, Heckeschneiden, Pferdestriegeln oder Einparken. Ein Internetportal wie transfermarkt.de für Fußballer gibt es für Bügler oder Einparker nicht. Man müsste eine Parkliga gründen, es müssten Sponsoren her, internationale Wettbewerbe, Fernsehverträge, VIP-Logen, Ultras, Bratwürste – was halt so zum Gesamtpaket gehört.

China und ein paar Scheichs müssten mitmachen, um die Preise zu treiben, bis teure Multifunktionsarenen gebaut wären, könnte man das Parkstadion in Gelsenkirchen nehmen oder irgendwas in Südkorea. Einparken müsste Demonstrationssportart bei Olympia werden, mit Cheerleader-Politessen, vielleicht mit Pferdestriegeln zusammen (Park & Ride) oder als Tricksportart (Park die Badehose ein).

Der ganz eigene Marktwert

Dann braucht es noch ein schickes Internetportal, und schon kommt man der Sache mit den Marktwerten näher. Aber das ist wohl doch alles zu kompliziert. Vielleicht kann man als in Fach- und Freundeskreisen anerkannter Rasenmäher seinen eigenen Marktwert bestimmen, ohne dass ein reicher Gartenverein aus Paris anruft und einen für die linke Außenbahn verpflichten will.

Vielleicht muss man auch gar nicht dauernd den Verein wechseln. Als Rasenmäher nicht. Als Buchverkäufer nicht. Als Einparker nicht. Am besten legt man seinen eigenen Marktwert einfach als unbezahlbar fest. Und eine Ablösesumme, die so utopisch ist, dass sie sowieso niemand bezahlt. 222 Millionen oder so.

Von Uwe Janssen

Hannover 52.3758916 9.7320104
Hannover
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