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Retten Sie jetzt die Umwelt, Herr Schwarzenegger?

Interview Retten Sie jetzt die Umwelt, Herr Schwarzenegger?

Er ist Muskelprotz, Actionheld und Politiker: Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag am 30. Juli startet “Terminator“ Arnold Schwarzenegger sein nächstes Projekt – und ist sehr zufrieden mit sich. Mariam Schaghaghi hat ihn getroffen.

Mister Universum und Gouverneur: Selfmade-Man Schwarzenegger lebt den amerikanischen Traum.

Quelle: Maxppp

Hannover.  

Herr Schwarzenegger, Sie haben als Actionheld schon oft die Welt gerettet. Retten Sie in der Ära Trump die Umwelt?

Ich bin jemand, der sich leidenschaftlich für eine Sache begeistert und engagiert. Früher waren das Gewichtheben und Bodybuilding, jetzt ist es schon seit einiger Zeit die Umwelt.

Sie werden an diesem Sonntag 70 Jahre alt. Sorgen Sie sich deshalb stärker um den Planeten?

Gegenfrage: Sehe ich wie jemand aus, der sich Sorgen macht? Anstatt zu jammern, handele ich lieber, sonst ändert sich nichts. Mein Motto ist: Man muss aufstehen und sich die Hände dreckig machen – dann passiert was! Jean-Michel Cousteau ist genau so gestrickt: Er hat die Liebe zum Meer von seinem Vater Jacques geerbt und will es schützen. Also hat er fünf Jahre lang unter Wasser gedreht, um mit seinem Dokumentarfilm “Wonders of the Sea“ etwas in Gang zu bringen.

Cousteau hat Sie als Produzenten und Sprecher und für diesen Film gewonnen. Sie kommentieren in breitestem Arnie-Slang ...

Für mich war der Film eine Botschaft zugunsten der Natur! Die Ozeane versorgen uns mit 50 Prozent unserer Nahrung und unseres Sauerstoffes. Also habe ich Cousteau kontaktiert, wir haben die Erzählertexte geschrieben und aufgenommen, und plötzlich waren wir mit dem Film in Cannes. Vor 40 Jahren habe ich “Pumping Iron“ dort vorgestellt und der Film wurde ein Hit. Daher dachte ich: “Wunderbar, in Cannes bekommt der Film den optimalen Start!“

Haben Sie den Ausstieg Trumps aus dem Klimavertrag von Paris vorhergesehen?

Amerika ist nicht nur Donald Trump. Wir verlassen uns doch nicht nur auf eine Person – sondern auf eine Erdbevölkerung von mehr als sieben Milliarden Menschen. Jede erfolgreiche Initiative ist immer aus Bewegungen innerhalb des Volkes entstanden!

Haben Sie als Politprofi genug für die Umwelt getan? Oder würden Sie heute mehr tun?

Ich habe in Kalifornien die härtesten Umweltschutzgesetze der USA durchgesetzt. Dafür bin ich sogar vor Gericht gezogen und habe meine eigene Partei verklagt, weil sich die Bundesbehörde uns in den Weg gestellt hat. Vor dem Obersten Gerichtshof haben wir dann gewonnen. Darum ist Kalifornien bis heute führend im US-Umweltschutz und hat so viele neue, “grüne“ Arbeitsplätze geschaffen.

Würden Sie heute in einem Amt für die Demokraten antreten?

Warum sollte ich? Ich bin Anhänger anderer Prinzipien als sie. Aber wir atmen alle dieselbe Luft, trinken dasselbe Wasser und leben auf demselben Planeten. Die Parteien tun nur so, als ob das Thema ihnen gehört. Aber das gehört zum Trommeln dazu, nur sollten Bürger auf den Mist nicht hereinfallen: Umwelt geht uns alle an, genauso wie Erziehung, Haushalts- und Außenpolitik. Die Politiker müssen dafür gemeinsam Lösungen finden. Das hat Vorrang vor der Parteipolitik.

Was halten Sie von Donald Trump? Im März sind Sie ja schon aneinandergeraten: Er machte Ihre TV-Moderation von “The Apprentice“ schlecht, Sie konterten, Sie könnten ja die Jobs tauschen, mit Ihnen als Präsident könnten die Amis wieder besser schlafen …

Ich habe ihn zwar nicht gewählt, trotzdem nehme ich mir aber die Freiheit, ihn zu kritisieren, wenn er meines Erachtens nach einen Fehler macht.

Wann war das Ihrer Meinung nach denn der Fall?

Zum Beispiel, als er 1,2 Milliarden Dollar für Nachmittagsbetreuung der Kinder einsparen wollte. Dafür habe ich mich 25 Jahre lang engagiert, da halte ich dann ja nicht still! Jetzt ist der Posten wieder im Etat. Wenn ich an etwas glaube, erhebe ich immer meine Stimme dafür.

Doch in erster Linie wünschen Sie Trump Erfolg?

Ja, weil ich möchte, dass Amerika erfolgreich ist. Es gibt weltweit so viele Probleme, die nur gemeinsam gelöst werden können. Dazu brauchen wir Stärke, aber auch etwas mehr Tiefe. Um unsere Probleme zu verstehen, muss man tief in jede Materie eintauchen. Die Welt ist heute nun mal sehr komplex.

Ist das ein Rat an Trump, sich ernsthafter zu informieren?

Erst, wenn du auf so einem Stuhl sitzt, begreifst du, dass die Dinge viel weitreichendere Auswirkungen haben können. Du musst dich gründlich mit dem Hintergrund, der Geschichte des Themas und seinen religiösen, politischen, sozialen Aspekten befassen. Ich hoffe, dass jemand, der neu ist in der Politik und so ein Amt bekleidet, realisiert, dass er lesen, sich informieren und recherchieren muss. Dass er Berater um sich schart. Ich hatte als Gouverneur immer Leute um mich, die viel klüger waren als ich.

Sind Sie erst im Amt zum Politiker gereift?

Ich habe jeden Tag bis ein Uhr nachts im Wohnzimmer am Kamin gesessen und mich weitergebildet. Im Wahlkampf macht’s noch riesigen Spaß, es allen zeigen zu wollen und sie zu zerquetschen. Was war das für ein Spaß, zu beweisen, dass ein Bodybuilder Gouverneur werden kann! Doch im Amt muss man einen anderen Gang einlegen. Da wird’s ernst. Die Verantwortung ist überwältigend. Aber diesen Lernprozess muss jeder selbst durchlaufen.

Was war Ihre spannendste Zeit: als Bodybuilder, Schauspieler oder Politiker?

Sicher als Staatsbeamter. Ich habe versucht, dem Volk zu dienen. Du kannst Politiker dazu bringen, für das Wohl der Öffentlichkeit Kompromisse einzugehen. Daher war der Job als Gouverneur der beste.

Wie kam der Junge aus der Steiermark darauf, dass die USA das richtige Land für ihn sind?

Ich wollte Weltmeister im Bodybuilding und Schauspieler werden. Hätte ich mich auf klassische Musik spezialisiert, wären Österreich oder Deutschland besser geeignet gewesen. Aber der “Muscle Beach“ liegt nun mal in Kalifornien, Hollywood auch – also ging’s dorthin. Ich habe meine Ziele mit viel Entschlossenheit und harter Arbeit erreicht.

Für wen ist es schwerer zu altern: für den Terminator oder für Schwarzenegger?

Es ist für beide kein Problem. Ich mache jeden Tag Sport, absolviere ein Cardioprogramm mit Radfahren und Schwimmen, im Winter laufe ich Ski. Ein Körper, der in Bewegung ist, bleibt nun mal besser in Form. Du lebst nicht länger, aber kannst das Leben länger genießen. Früher in Österreich habe ich Menschen mit 60 oft im Rollstuhl gesehen. Dank moderner Medizin wird dir ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wie mir oder das Herz operiert, danach bewegst du dich ohne Einschränkungen. Ich kenne Leute über 80, die Ski fahren.

Wenn Sie eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen könnten, welche Fehler würden Sie gern vermeiden, was würden Sie verändern?

Nichts. Ich bin glücklich mit meinem Leben und würde mit niemandem tauschen wollen. Es ist offensichtlich, dass ich einiges falsch gemacht habe, Entscheidungen im Job und auch privat.

Fühlen Sie sich mit 70 Jahren eigentlich noch immer wie die Verkörperung des amerikanischen Traums?

Ja. Ich wollte meine Träume leben, und Amerika erwies sich für mich als Land, in dem das geht, wenn du genug Willenskraft mitbringst. Für meine Wünsche waren die USA perfekt.

Zur Person: Arnold Schwarzenegger

Er mag ein leuchtendes Beispiel für den amerikanischen Traum sein, die Wurzeln Schwarzeneggers aber liegen in der österreichischen Steiermark in Thal bei Graz: Dort wurde Arnold Alois Schwarzenegger am 30. Juli 1947 als zweiter Sohn der Hausfrau Aurelia Schwarzenegger und des Gendarmen Gustav Schwarzenegger geboren. Mit 15 Jahren betrat er zum ersten Mal in seinem Leben ein Bodybuilderstudio, nachdem sein Fußballtrainer Krafttraining für die Beine angeordnet hatte. Schnell schloss sich Schwarzenegger der noch kleinen Gruppe an, die zu dieser Zeit in Europa das noch relativ unbekannte Bodybuilding betrieb.

Mit 19 Jahren wurde er zum jüngsten Mister Universum. Diesen Titel gewann er weitere vier Male, sieben Mal war er Mister Olympia, bevor es ihn schließlich vor die Kamera zog. 1968 war Schwarzenegger schon in die USA ausgewandert. In den Siebzigerjahren erwirtschaftete sich der Steirer als Immobilienmakler ein Millionenvermögen. Er belegte in dieser Zeit Kurse in Wirtschaftswissenschaften und schloss 1979 mit einem Bachelor in internationaler Wirtschaftslehre an der Universität von Wisconsin ab.

Durchbruch als “Conan, der Barbar“

Dank seiner enormen Physis avancierte Schwarzenegger in Hollywood schnell zum Kassenschlager: Mit der Rolle des Schwerthelden in “Conan, der Barbar“ feierte er 1982 seinen großen Durchbruch im Filmgeschäft. In den Achtziger- und Neunzigerjahren avancierte er zu einem der erfolgreichsten Actiondarsteller.

Mit Regisseur James Cameron revolutionierte er das Action- und Science-Fiction-Genre mit den beiden ersten “Terminator“-Filmen, in denen er als computergesteuerte Killermaschine zunehmend Eigenleben entwickelt. Seine komische Seite zeigte Schwarzenegger mit Regisseur Ivan Reitman als Zwillingsbruder des kleinwüchsigen Danny DeVito in “Twins“ und als “Kindergarten Cop“. In “Collateral Damage“ nahm er es mit der kolumbianischen Drogenmafia auf.

Nachdem er schon als Besitzer des Restaurants „Schatzi on Main“ in Santa Monica erfolgreich war, eröffnete Schwarzenegger mit Bruce Willis und Sylvester Stallone 1991 die Restaurantkette “Planet Hollywood“. Parallel engagierte er sich mehr und mehr in der Republikanischen Partei.

Im April 1986 heiratete er die Journalistin Maria Shriver, eine Nichte von John F. Kennedy. Das Paar bekam vier Kinder. Im Jahr 2011 folgte die Trennung, als Schwarzenegger bekannt gab, der Vater des Kindes einer Hausangestellten zu sein.

“Grüner“ Gouverneur

Politisch hatte der Actionheld damals längst Fuß gefasst: Im Jahr 2003 wurde Schwarzenegger zum Gouverneur von Kalifornien gewählt und regierte den größten Bundesstaat der USA bis 2011. Unter seiner Regentschaft entwickelte sich Kalifornien zum Vorbild in Fragen des Umweltschutzes. Tatsächlich hat Schwarzenegger als “grüner“ Gouverneur vieles erreicht: Eine seiner größten Errungenschaften feierte er 2006 mit der Unterzeichnung eines Gesetzes zur strikten Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen.

Bis heute bestürzt ihn, “dass jährlich sieben Millionen Menschen durch Umweltverschmutzung sterben, weil wir nicht von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Die Klimaveränderung ist eine große Gefahr für die Zukunft. Über Amokläufe und Terroranschläge wird viel geredet, doch kaum über die sieben Millionen Toten, die durch Umweltverschmutzung sterben“.

Einen Vorgeschmack auf sein Kinocomeback gab Schwarzenegger 2011 mit einem Kurzauftritt in Sylvester Stallones Actionhelden-Ensemble von “The Expendables“, bei dessen Fortsetzung Schwarzenegger als einstiger Rivale Stallones nach langer Pause wieder an Bord war.

Von Mariam Schaghaghi

Hannover 52.3758916 9.7320104
Hannover
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