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Technik & Apps Mit Schlapphut durchs Internet
Sonntag Technik & Apps Mit Schlapphut durchs Internet
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20:01 14.10.2016
Nahezu jeder ist jederzeit online und hinterlässt eine gewaltige Datenspur. Das Berliner Technikmuseum will Jugendliche jetzt mit dem Spiel "Data Run" für Datenschutz, sichere Kommunikation und die Möglichkeiten von Überwachung sensibilisieren. Quelle: Montage: RND, Fotos: iStock

Kriminelle attackieren Berlin – und nur eine Gruppe Schüler kann die Stadt retten: Was sich anhört wie das Szenario eines Hollywoodthrillers, spielt sich jede Woche im Technikmuseum in Berlin ab. Dort  soll das Alternate-Reality-Spiel "Data Run" Jugendlichen netzpolitische Themen näherbringen.

Der Museumsbesuch fängt wie ein normaler Vortrag zum Thema Datensicherheit an, doch schnell tauchen die Jugendlichen in eine andere Welt ein: Im Unterrichtsraum klingelt ein Handy, das niemandem zu gehören scheint. Woher kommt das Klingeln? Die Schüler fangen an zu suchen und finden unter der Tischplatte befestigt ein Telefon. Auf dem Display eine Nachricht: "Achte auf deine inneren Werte!" Das Spiel beginnt.

Den Daten auf der Spur

Im Handy finden die Jugendlichen eine Speicherkarte. Darauf eine Videobotschaft. Ein Mann bittet die Jugendlichen um Hilfe. Er berichtet von Codes, Geheimdiensten, Kriminellen und einem Angriff auf einen Atomreaktor. Der Absender: der Hacker Captain Crunch, der gerade von BND-Doppelagenten verfolgt wird.

Sein Auftrag: Die Schüler sollen Kontakt zu seinem Freund Nikita aufnehmen, nur so könne die Katastrophe verhindert werden. "Solltet ihr diese Nachricht hören, bin ich vermutlich tot oder verschleppt. Wer auch immer ihr seid: Ihr habt ab jetzt noch bis 12 Uhr Zeit, die Sache aufzuklären." Die Nachricht bricht ab – das Spiel beginnt.

Doch wozu das Ganze? Jugendliche wie auch Erwachsene benutzen das Internet täglich: um mit Freunden zu kommunizieren, Bilder zu posten oder einfach nur, um Bekannte via soziale Medien über ihr Leben auf dem Laufenden zu halten. Nahezu jeder ist jederzeit online und hinterlässt eine gewaltige Datenspur. Doch wer genau sammelt diese Daten? Welche App hat Zugriff auf Kontakte, Fotos und GPS-Koordinaten? Wie sicher sind die Passwörter und wie einfach ist es, als Unbefugter einen Account zu hacken?

Auf Schurkenjagd: Mit Tablet und Smartphone gehen Schüler im Technikmuseum Berlin auf Spurensuche – und lernen ganz nebenbei etwas über Datenschutz. Quelle: Kirchner

Ohne Schutzmaßnahmen sind persönliche Daten leicht auch für Fremde zugänglich. Nicht nur Geheimdienste und Kriminelle, sondern auch Unternehmen können auf private Informationen zugreifen oder die Interessen des Surfers ausspionieren. Doch die Gefahren zu vermitteln ist schwer, denn Datenschutz scheint abstrakt und anstrengend, das Ausspionieren unabwendbar. "Viele denken: Ich kann das ja eh nicht ändern", sagt Marcel Jahre vom Technikmuseum Berlin. "Wir brauchten also neue Formate, um der Jugend das Gegenteil zu beweisen."

Mit dem Spiel "Data Run" scheint das ideale Format gefunden, ist Jahre überzeugt. Die Schüler lernen spielerisch, was jeder Einzelne dafür tun kann, um sicherer im Netz unterwegs zu sein. Auf ihrer Suche nach Nikita müssen die Schüler ihre digitalen Spuren verwischen oder weitgehend vermeiden. Tarnung mit den Mitteln des Digitalzeitalters. Sie müssen Nachrichten verschlüsseln und entschlüsseln, IP-Adressen verschleiern, Ortungsdienste deaktivieren, einen sicheren Passwortmanager installieren und versuchen, über öffentliche Posts an private Informationen der Absender zu gelangen.

Es sei nicht einfach gewesen, ein Angebot zu entwickeln, das die tatsächlichen Probleme von Überwachung so darstellt, dass sie an die Lebenswelten Jugendlicher anknüpfen und ihnen auch noch Lösungen aufzeigt, heißt es vonseiten des Spieleentwicklers Mediale Pfade. Begeisterung soll vor allem die reißerische Rahmenstory hervorrufen. "Sie knüpft immer wieder an die Realität der Jugendlichen an und vermittelt dennoch Bildung", ist auch Marcel Jahre überzeugt.

Denkanstöße für die eigene Sicherheit

Nach der Rätseljagd werden die gewonnenen Eindrücke reflektiert und Ergebnisse festgehalten. "Unser Ziel ist es, ein Umdenken im Umgang mit persönlichen Daten im Netz zu bewirken", sagt Jahre. Ihm sei bewusst, dass er nicht das komplette Verhalten von Jugendlichen in den sozialen Medien ändern kann, doch das sei auch gar nicht der Anspruch. "Wir geben ihnen Denkanstöße. Zeigen, dass es Dienste gibt, die besser als andere mit dem Thema Verschlüsselung umgehen", sagt Jahre.

Zum Teil lerne auch er dabei immer neue Apps kennen. "Manche Schüler sind schon echte Profis, benutzen Browser wie Tor, mit dem sie anonymisiert ins Netz gehen." Andere hingegen hätten sich über Datensicherheit noch nie Gedanken gemacht.

Ob das Projekt den gewünschten Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. "Wir haben erst im März angefangen und müssen das Projekt erst noch evaluieren", sagt Marcel  Jahre, der daran glaubt, dass das Museum mit "Data Run" den richtigen Weg gewählt hat. "Ich bin ein Freund von Erlebnissen. Wir müssen uns öffnen und neue Dinge ausprobieren." Nur so könne ein Publikum erreicht werden, dass den Museumsbesuch sonst eher vermeidet. "Ich denke durch 'Data Run' zeigen wir auch, dass ein Museum ein offener Raum und eine Begegnungsstätte sein kann."

Donnerstags können Schüler ab der siebten Klasse im Technikmuseum Berlin in die alternative Realität von Data Run eintauchen. Doch auch wer nicht in Berlin wohnt, kann "Data Run" ausprobieren: Bald soll es das Spiel auch an Schulen geben. Weitere Informationen unter data-run.de.

Von Lisa Malecha

Software für sichere Kommunikation

Wie sicher persönliche Daten bei Facebook, Whatsapp und Co. sind, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Bewertet wurde, wie die Dienste es mit Verschlüsselung, Quellcode-Offenlegung, Datenschutz und AGBs halten. Die bekannten Messenger von Whatsapp und Faceboook schnitten im Vergleich am schlechtesten ab.

Wer seine Daten sicherer übertragen möchte, sollte auf andere Anbieter, wie Threema und Hoccer, setzten. Threema beispielsweise generiert anonyme Nutzer-IDs. Die App verlangt bei der Anmeldung also weder einen Namen noch eine Telefonnummer. Wichtig ist auch eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für versendete Inhalte. Die meisten Apps bieten diese Art der Verschlüsselung, durch die der Anbieter nicht mitlesen kann, was die Anwender in seiner App hin- und herschicken.

Welche Apps sind vertrauenswürdig?

Bei E-Mail-Anbietern wird empfohlen, auf deutsche Provider zu vertrauen. Die Mitglieder der "E-Mail made in Germany"-Initiative versprechen beispielsweise eine verschlüsselte Datenübertragung und garantieren zudem, dass Daten nur auf Servern in Deutschland gespeichert werden. Zu der Initiative gehören unter anderem GMX, t-online, Web.de, freenet, 1&1 und Strato.

Bei einer Untersuchung fand der Tüv Rheinland heraus, dass etwa 40 Prozent aller Apps die Daten von mobilen Endgeräten auslesen, ohne dass der User bewusst zustimmt oder es überhaupt erfährt. Betroffen seien zum Beispiel Standortdaten, Passwörter, Kontaktdaten und Bilder. Um allen zu helfen, die sich unsicher sind, welcher App sie vertrauen können, hat der Tüv den kostenlosen Dienst "Check your App" (checkyourapp.de) entwickelt.

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