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Staustress ade

Zukunftsvisionen von Wolfgang Hohlbein Staustress ade

Autonome Taxidrohnen könnten uns sehr bald in die Luft entführen. Und selbstfahrende Autos sollen uns schon morgen entspannt über die Straßen gleiten lassen. Wolfgang Hohlbein, Autor für fantastische Literatur, freut sich auf neue Zeiten.

Nicht mehr nur Zukunftsmusik: Die Ehang-Drohne soll schon dieses Jahr in Dubai Menschen befördern.

Quelle: ehang

Hannover. Die Stadt von morgen gibt es schon heute. Sie liegt auf einem wahrhaftig heißen Flecken Erde, und setzt man einen Fuß in sie, könnte man meinen, mit einem Raumschiff auf einem Wüstenplaneten gelandet zu sein. Was dann folgt, passt dazu: Über mein Smartphone bestelle ich ein Taxi. Wenig später ertönt ein Summen wie von tausend Hornissen, und zwischen den bizarren Hochhäusern schwirrt ein eiförmiges Vehikel mit acht Propellern heran. Dass es nur 100 Kilogramm transportieren kann, schreckt mich nicht: Ich bin noch fast so schlank wie vor 40 Jahren, als ich die ersten Science-Fiction-Storys schrieb. Und mindestens genauso neugierig.

Die Drohne ist gelandet, die Seitentüren schwingen nach oben. Mit einem etwas mulmigen Gefühl steige ich in das Fluggerät ein und nehme in einem Schalensitz Platz. Dann geht es auch schon los: Die Propeller schwirren, das “Flugei“ hebt sanft ab. Gesteuert wird es von einem Autopiloten, und was mich beruhigen soll: Es hat wie Flugzeuge ein zweites Steuerungssystem und ist für Notfälle mit einem Kontrollzentrum verbunden.

Rohrpost für Menschen

Ich gebe zu: Noch bin ich nicht wirklich mit einer Ehang-Drohne Typ 184 AAV (Autonomous Aerial Vehicle) geflogen. Doch das soll bereits ab Juli dieses Jahres in Dubai möglich sein. Solch ehrgeizige Pläne gibt es auch für Deutschland: Der Volocopter der Bruchsaler Firma e-volo soll sogar zwei Personen transportieren können. Dank seiner 18 Rotoren kann er senkrecht starten und landen. Sollte bis 2018 die Genehmigung dazu da sein, wollen die Hersteller mit ihrem Produkt dann in Deutschland durchstarten.

Ich wäre dabei. Genauso gerne würde ich das “Rohrpostsystem für Menschen“ ausprobieren, das in der Science-Fiction immer wieder eine Rolle spielte und jetzt unter dem Namen Hyperloop umgesetzt werden soll. Hinter Hyperloop steht der Tesla-Gründer Elon Musk, der mit seinen selbstfahrenden E-Autos bereits eine ganze Branche durchgeschüttelt hat.

In Dubai scheint er die ideale Spielwiese für sein schier unglaubliches Hyperloop-Pilotprojekt gefunden zu haben: Dort könnte ich dann irgendwann in eine durch Solarenergie elektrisch angetriebene Transportkapsel steigen, die anschließend zusammen mit anderen individuellen Transportkapseln auf Luftkissen durch eine stark evakuierte Röhre befördert würde – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Kilometern pro Stunde! Musk rechnet mit einer Fahrzeit von zwölf Minuten zwischen Dubai und Abu Dhabi anstelle von zwei Stunden mit dem Auto.

Erste Gespräche mit der Lufthansa

Pure Science-Fiction, die in Deutschland keine Chance hätte? Wohl kaum. Die Lufthansa führt nach eigenen Angaben bereits erste Gespräche mit den Hyperloop-Pionieren. Denkbar wäre aus Sicht der Airline, die Strecken Berlin-Düsseldorf und München-Hamburg durch Hyperloop-Verbindungen ersetzen zu lassen.

Und wie sieht es mit dem autonomen Autofahren aus? Ich hätte nichts dagegen, mich nach einer Abendlesung bequem nach Hause kutschieren zu lassen. Schlafen darf ich in einem autonom fahrenden Auto allerdings noch nicht: Laut neuem Gesetz zum automatisierten Fahren dürfte ich zwar an einem neuen Roman arbeiten, müsste aber in der Lage sein, notfalls sofort in den Straßenverkehr einzugreifen.

Kleiner Wermutstropfen: Erst um 2030 herum sollen selbstfahrende Autos zum allgemeinen Straßenbild gehören. Bis dahin freue ich mich auf die Weiterentwicklung der Assistenzsysteme: zum Einparken, für Notmanöver (Bremsen und Ausweichen) und für lästige Staufahrerei. Die bringen nicht nur Bequemlichkeit, sondern auch Sicherheit. Immerhin sollen rund 90 Prozent aller Verkehrsunfälle durch menschliches Fehlverhalten verursacht werden.

Durchatmen auf den Straßen

So oft, wie mir Windows schon abgestürzt ist, bin ich zwar etwas skeptisch, ob Kollege Computer das schon bald deutlich besser machen würde. Aber auch sicher, dass der autonomen Fortbewegung letztlich die Zukunft gehören wird – und wir in unseren Städten wieder durchatmen können, weil Fahrzeuge mit Elektroantrieben und Brennstoffzellen deutlich sauberer und leiser sind als Benziner oder Diesel.

Ganz zu schweigen davon, dass der Trend vom Fahrzeugbesitz zum Fahrzeugausleihen geht. Damit dürfte sich der Bedarf an Stellflächen reduzieren, genauso wie durch E-Fahrräder und E-Kleinfahrzeuge. Damit könnten wir Dreck, Lärm und Staustress endlich hinter uns lassen ...

Zur Person: Wolfgang Hohlbein (63) gehört mit Romanen wie “Thor“ und “Märchenmond“ und mehr als 43 Millionen verkauften Werken zu Deutschlands erfolgreichsten fantastischen Autoren.

Von Wolfgang Hohlbein

Hannover 52.3758916 9.7320104
Hannover
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