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09:12 12.06.2017
Mode ist ein großes Geschäft: Models backstage bei der Dakar Fashion Week im Senegal. Quelle: Getty
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Hannover,

Ideen und Design aus Afrika kommen auf den Laufstegen der Modemetropolen an. Wir stellen vier Kreative vor, die mit ihren Entwürfen international auf sich aufmerksam gemacht haben: Amaka Osakwe, David Tlale, Aisha Obuobi und Oumou Sy.

Amaka Osakwe: Aus Nigeria in die Welt

Das Studium hat sie nach Europa verschlagen. Doch nach dem Modedesignabschluss im britischen Bournemouth war für die Nigerianerin Amaka Osakwe klar, dass sie zurück in ihre Heimatstadt Lagos gehen würde, um dort ihr eigenes Label zu gründen. Sieben Jahre ist das her. Seitdem gibt es Maki Oh. International bekannt wurde die Marke vor allem durch Michelle Obama: Bei einer Südafrika-Reise trug Amerikas ehemalige First Lady der USA eine schwarz-weiß gemusterte Chiffonbluse von Maki Oh und begeisterte damit nicht nur Modeblogger. Auch Sängerin Beyoncé ist Fan der Entwürfe. Dabei bestechen die Schöpfungen der 30-jährigen Designerin durch elegantes Understatement. Dennoch ist Maki Oh alles andere als konventionell. Tradition wird groß geschrieben. So werden die Kleider mit den Blättern der Indigo-Pflanze handgefärbt und Osakwe spielt mit den Facetten des nigerianischen Wrapper-Dresses.

Amaka Osakwe Quelle: Getty

David Tlale: Afrikanischer Lagerfeld

Trotz Kriegen und Krisen wächst die afrikanische Mittelschicht. Sie macht nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Kontinents aus. Nigeria und Südafrika sind Spitzenreiter. Dort boomt die Modeindustrie. Südafrika ist denn auch die Heimat des „afrikanischen Karl Lagerfelds“, wie ihn viele nennen: David Tlale, der wie Chanels Chefdesigner ebenfalls gern dunkle Anzüge und Sonnenbrille trägt und einen Hang zu dramatisch inszenierten Shows hat, entwirft sowohl für Frauen als auch Männer. Gekonnt vermischt er Elemente traditioneller afrikanischer Kleidung mit aktuellen und internationalen Modetrends. So bestimmen schmale, in Grautönen gehaltene Kleider mit Ballon- oder Keulenärmeln bei den Damen die diesjährige Herbst- und Winterkollektion.

David Tlale Quelle: dpa

Aisha Obuobi: Neoafrikanisch dezent

Die Großmutter von Aisha Obuobi stand mit ihrem Namen Pate für das von der Ghanaerin 2008 gegründete Label Christie Brown. Brown war Näherin mit Vorliebe für farbenfrohe, aber elegante afrikanische Kleider. Bis heute ist sie Obuobis Vorbild. Ihren eigenen Stil beschreibt die Designerin als „neoafrikanisch“. Neue Einflüsse afrikanischer Streetwear mixt sie mit traditionellen Elementen und internationalen Trends. Damit schaffte sie es bereits sowohl auf internationale Laufstege als auch auf Fotostrecken in Hochglanzmodemagazinen wie „Vogue“. Christie Brown steht für edle Stoffe, kräftige Farben, asymmetrische Schnitte und dezente Muster. Alles fließt und schwingt. Die Kreationen muten exotisch und dennoch alltagstauglich an. Eine eigene Accessoirelinie mit Schmuck aus Holz, Perlen und Federn runden den Look ab.

Aisha Obuobi Quelle: Christie Brown

Oumou Sy: Alles für die Schönheit

Die Senegalesin ist bekennende Analphabetin. Doch das hat sie nicht aufgehalten, eine der berühmtesten, kreativsten und sozial engagiertesten Frauen Afrikas zu werden. Schon als Mädchen schneiderte sie Puppenkleider; mit 13 Jahren eröffnete die Autodidaktin ihre erste eigene Werkstatt, um für die Bewohner aus ihrem Dorf zu nähen.

Mittlerweile besitzt die 65-Jährige ein kleines Modeimperium: In ihrem Atelier in Senegals Hauptstadt Dakar entwirft Oumou Sy nicht nur in aufwendiger Handarbeit gefertigte opulente Haute-Couture-Roben, die auch schon bei Schauen in den USA und Europa für Aufsehen gesorgt haben, sondern unterhält außerdem eine Schule für Modedesigner und Models. Großen Wert legt sie auf regionale Handwerkskunst und unterstützt junge Menschen, die in ihren Dörfern bleiben, um die Werkstätten ihrer Eltern zur Stoffherstellung, Stickerei oder Lederbearbeitung weiterzuführen.

Dakar ist dank Sy heute das Modezentrum Westafrikas. Bereits Mitte der Neunzigerjahre initiierte Sy die jährliche internationale Dakar Fashion Week. Dabei ist Sy vor allem daran gelegen, dass nicht die Kleider im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sollen die Schauen, die für alle offen sind, das Bewusstsein für die Schönheit afrikanischer Mode in den Mittelpunkt rücken.

Oumou Sy Quelle: Getty

Von RND

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