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Schülerbeiträge Begegnung mit einem Musicalstar
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14:13 12.12.2017
Angelika Milster beim Antworten ohne Worte. Quelle: Lisa Lewicki

Ein Musicalstar, der mit dem Musical „Cats“ bekannt wurde. In vielen Filmen hat sie mitgespielt, unzählige Lieder gesungen und Alben verkauft. Momentan spielt sie die Norma Desmond im Musical „Sunset Boulevard“ am Altenburger Theater. Hauptakteurin ist der Stummfilmstar Norma Desmond. Durch die Anfänge des Tonfilms gerät sie in Vergessenheit. Doch sie ist der Meinung, dass sie die Größte ist und alle sie sehen wollen. Sie will nicht wahrhaben, dass ihre Karriere vorbei ist. Dabei verliebt sie sich in einen jungen Journalisten, den sie an sich binden möchte, um sich ein Stück Jugend und Erfolg zurückzuerobern.

In diesem Musical begegnete sie mir erstmals, denn ich besuchte es mit der Klasse 10a und 9b. Wie bei den meisten Schülern hielt sich auch meine Freude in Grenzen. Schließlich war es Freitagabend und das auch noch vor den Herbstferien.

Als die Vorstellung vorbei war, war ich begeistert. Ein tolles Musical mit großartigen Schauspielern und Tänzern! Doch eine von ihnen beeindruckte mich besonders: Angelika Milster. Ihre Stimme konnte ich im ganzen Körper spüren. Sie spielte die Rolle mit einer Emotionalität, die mich überzeugt hat. Wir unterhielten uns auf der Heimfahrt über sie und ich erfuhr, dass sie keine Unbekannte ist. Mit den Melodien des Musicals im Ohr kam mir plötzlich die Idee, dass ein Interview mit ihr echt klasse wäre. So schrieb ich am nächsten Tag eine E-Mail ans Theater prompt kam eine Antwort mit einem vorgeschlagenen Termin. Ich freute mich riesig, doch umso mehr ich im Internet recherchierte, umso mulmiger wurde mir. Erst jetzt wurde mir bewusst, mit wem ich es hier wirklich zu tun hatte.

Unfassbar! Und jetzt sollte ich sie interviewen? Da half nur noch gute Vorbereitung, Augen und Ohren auf und durch. Ich schaute mir Interviews an, damit ich nicht Fragen stelle, die sie schon tausendmal gehört hatte. Dabei merkte ich, dass sie zwar ein Weltstar, aber trotzdem bodenständig und ungemein herzlich ist.

Am 26. Oktober war es dann so weit. Wir warteten im Vorraum und die Pressesprecherin des Theaters erzählte uns, dass die OVZ mit dabei sein würde. Etwas Panik tauchte auf. Jetzt erst mal das Interview führen und dann sehen wir weiter, dachte ich. „Menschen, die Menschen lieben, sind die glücklichsten Menschen der Welt.“

Auf die Frage nach dem Lebensmotto kam von Angelika Milster sofort die Antwort: „Menschen, die Menschen lieben, sind die glücklichsten Menschen der Welt.“ Das Motto passt wie die Faust auf Auge, denn genau so durften wir sie kennenlernen. Es fängt ja schon damit an, dass Deutschlands Musicalstar im kleinen Altenburg am Theater spielt. Doch Frau Milster macht sich da keinen Kopf.

Sie singt für Menschen. Sie benutzt Städte nicht als Aushängeschild. Auch in unserer kleinen Stadt freut man sich, dass sie kommt. „Ja, das ist mir lieber“, so Milster. Das nächste ist, dass sie diesem Interview zugesagt hat. Der Prediger ist nun mal nicht die größte Zeitung. Sie hat also auch einen Blick für das Kleine. Und das schon seit dem Kindesalter. Angelika Milster wollte sich nie in den Vordergrund stellen. Einerseits träumte sie als Kind Sängerin zu werden. Andererseits wollte sie schon immer anderen helfen. „Mein Kindheitstraum war immer Kinder zu haben. Ich wollte immer ganz viel Geld haben. Wisst ihr warum? Ich wollte für arme Menschen etwas machen. Mein Kindheitstraum war immer ein Bauernhof, auf dem alle zusammenleben. Ich wollte für Menschen, die niemanden mehr haben, ein Altersheim … Ein ganz tolles Kinderheim, wo die alles haben und zur Schule gehen können …“ 

Viele der Träume hat sie sich heute schon erfüllt. So engagiert sie sich auch für „Kinder Paradise“ in Ghana. Die Organisation hat ihre Freundin, Silke Rösner, ins Leben gerufen. Die Kinder dürfen dort nicht adoptiert werden, gehen zur Schule und bekommen Essen. Angelika Milster erzählt uns: „Wenn man dort 5 Euro hingibt, kann ein Kind einen ganzen Monat davon leben. Das ist ungeheuer, was ich da alles gesehen hab.“

Hauptsache, den anderen geht es gut, dann geht es auch der Angelika gut: „Das ist so ein Helfersyndrom, was viele Menschen haben. Aber Syndrom würde ich es bei mir nicht nennen. Ich bin so, wie ich bin. Ich denke immer, ich muss die ganze Welt retten.“ Das musste auch ein Mann erfahren, der Angelika Milster beim Spazieren gehen beobachtete und sie darauf ansprach, warum sie sich immer bücke. „Ich sammele die Schnecken mit den Häusern und bringe sie zur Seite, damit keiner drauftritt!“ Der Mann schaute, als hätte er eine Verrückte gesehen und wusste anscheinend auch nicht, mit wem er sich gerade unterhalten hatte. Im Interview ergänzt sie, dass es die Unschuld ist. Das ist die Natur.

Neben dem ständigen Bedürfnis, anderen zu helfen, ist ihr auch der Glaube wichtig. Sie ist evangelisch erzogen worden. Ihr hilft es. Sie findet es wichtig, dass man an etwas glaubt, denn das gibt einem Kraft. So betet sie vor jeden Auftritt: „Lieber Gott, bitte pass auf mich auf. Und ich wünsche, dass die Menschen ganz glücklich nach Hause gehen.“  Das tut ihr gut und sie weiß, dass sie nicht alleine ist. 

Zurück nach Altenburg, zurück zum Musical: Angelika Milster war vor rund drei Jahren schon einmal in Altenburg, zu einem Kirchenkonzert in der Brüderkirche. Als sie dieses Jahr wiederkam, hat sie auch einige Ecken wiedererkannt. Ihr gefällt die Stadt sehr. Vor allem der Markttag ist schön. Aber das Kopfsteinpflaster! Frau Milsters Meinung dazu ist: „Hier musst du ja mit Bergschuhen gehen. Also High Heels kannst du hier nicht tragen. Da bleibst du ja hängen, kommst ja nicht voran.“ Wie wahr!

Wie kam es überhaupt dazu, dass sie die Norma Desmond am Theater spielt? Die Intendanz in Gera hat sich an ihren Manager gewandt und sie sagte: „Jaaa!“ „Es ist eine tolle Rolle und für mein Alter entsprechend. Ich mag das nicht so, wenn Ältere Teenager oder die junge Liebhaberin spielen wollen.“  In einem Interview äußerte sie den Wunsch, Norma Desmond spielen zu dürfen. Sie interessiert sich für deren Lebensgeschichte, ihre Probleme und wie sie sich selbst ihr Glück schafft. Denn sie lebt einen Traum mit Joe. Von dem sie wirklich glaubt, dass er sie liebt. Auch das mit dem Paramount. Wo sie wirklich glaubt, dass der Anruf kam, damit sie wieder eine große Rolle spielen kann. Aber das wollen die Filmproduzenten nicht. Sie wollen nur das Auto … Diese Geschichte beeindruckte auch viele Theaterbesucher und Sunset Boulevard wurde zum Erfolg. Doch das ist nicht alleine Angelika Milster zu verdanken. Das habe mit der Regie zu tun, mit dem Orchester… Man lebe von den Kollegen. „Das ist wie ein Puzzlespiel. Alles muss harmonieren“, sagt sie dazu. „Lebe den Moment.“ ist ihr zweites Lebensmotto.

Angelika Milster erzählt: „Glück gibt dir Kraft. Man muss Erfolg auch annehmen … Das musste ich auch erst lernen … Wenn ihr eine 3 habt: Na und? Ist doch wunderbar. Mit einer 4 kann man heute auch noch weit kommen. Nicht sagen: Uh! Da habe ich einen Kommafehler gemacht, shit! Freu dich und fertig. Macht euch nicht kaputt. So ein bisschen müsst ihr auch eure Fröhlichkeit beibehalten. Wenn ihr begabt seid, und das seid ihr, denn ihr geht aufs Gymnasium, macht einfach weiter! Jeder wird irgendwann schulmüde.“

Da wir gerade bei Momenten sind: Was war wohl ihr unvergesslichster Moment auf der Bühne? Als wir sie das fragten, kam prompt: „Als ich in den Orchestergraben gefallen bin.“ Das war bei ihrem ersten Auftritt. Sie hat sich so geärgert, weil alle Mädchen schöne Kleider bekamen und sie ein Baby-Doll-Kleid mit einer fliederfarbenen Rüschenhose. „Ich sah aus wie eine Kugel.“ Sie tanzte Cancan zur Schönen Helene. Angelika Milster dachte nur noch: „Jetzt lauf du nur los, dass du als erstes an der Rampe bist. Damit dich die Leute wahrnehmen.“ „Ich bin so schnell gerannt und konnte nicht mehr bremsen… und lag im Orchestergraben. In dem Moment checkst du gar nichts mehr. Ich weiß nicht, ich glaube, ich bin auf die Pauke gefallen… Ich bekam eine blaue Nase und am nächsten Tag war Premiere. Ich dachte, ich muss eine Pappnase aufsetzen.“

Noch immer sitzen wir im großen Saal mit einer langen Tafel. Vornehme rote Sessel und ein rotes Sofa. Hinter mir eine Redakteurin der OVZ und ein Fotograf. Das Blatt mit den Interviewfragen nun neben mir und  mein Herz klopft,  aber die Anspannung ist fast schon Entspannung gewichen. Angelika Milster: eine ungemein lebensfrohe, charismatische Frau, lebenserfahren und entspannt, kein bisschen wie ein echter Weltstar.

Die OVZ berichtete über Interview und unsere Idee. Vergessen haben wir, Fotos von uns zu schießen – eben doch die Aufregung, die bis zum Schluss blieb. Aber was sind schon Fotos gegen eine bleibende Erinnerung an eine beeindruckende persönliche Begegnung…

Von Jasmin Bauch

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