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13:44 12.12.2017

Schafft es dieser jemand, dass sein Name in 500 Jahren immer noch so laut nachhallen wird, wie einst die mächtigen Hammerschläge des damals der Welt noch unbekannten Mönchs? Oder haben wir das Pech – vielleicht auch Glück -, in einer Zeit ohne Lichtgestalten und Legenden zu leben?

Platz für Reformen bietet das Christentum trotz oder gerade wegen Luther auch heute noch genug. Es ist schwer zu verstehen, dass in der katholischen Kirche ausschließlich Männer Priester werden können und zu einem Leben im Zölibat verpflichtet sind. Ob eine Trennung der Kirchen vor dem Hintergrund der jedenfalls in Deutschland schwindenden Zahlen von Kirchengängern überhaupt noch gerechtfertigt und sinnvoll ist, darf bezweifelt werden. Die durch Luther letztlich erreichte Teilung der Religion aufgrund von ein paar längst überholten Meinungsverschiedenheiten ist nicht mehr zeitgemäß.

Der Blick ruht nun auf dem aktuell mächtigsten Mann der Kirche. An der Gestalt des Papstes hat sich einst Luthers Zorn entzündet. Vielleicht ist der fromme Mann aus Argentinien unser Luther, ein Mann, dessen Name noch in 500 Jahren präsent ist. Papst Franziskus unterscheidet sich durchaus von seinen Vorgängern. Er ist der erste Papst, der die humanistischen Ideale des Christentums an erste Stelle stellt und auch danach lebt. Nur wenige Monate nach der Wahl zum Kirchenoberhaupt wagte er sich beispielsweise nach Lampedusa, die Insel der Gestrandeten, besser bekannt als das „tödliche Tor zur Festung Europa“ (ntv) und lenkte somit schonungslos den Blick auf einen Ort, der von Qual, Hilflosigkeit und Elend geprägt ist. Der Spiegel bezeichnet schon im Sommer 2013 den Besuch Franziskus' auf Lampedusa als “ein wichtiges Signal“ und trifft damit ins Schwarze.

Mit seinem Besuch gibt er der restlichen Welt einen Weckruf, dass die Leben der angeschwemmten Leichen auf den Schultern aller liegen. Reden kann er, und als Stellvertreter Gottes auf Erden vertritt er menschenfreundliche Standpunkte und Ansichten. Doch werden den vielversprechenden, aufrüttelnden Reden je Taten folgen? Im Moment kann man dies für die Zukunft nur erahnen. „Teufelsdiener, Lästerer, Chef der Hurenkirche“- verheimlicht hat Luther seine Meinung zum geistlichen Oberhaupt der Kirche nie. Papst Franziskus indes denkt an Ökumene, die alten Fehden hält er für längst überholt. Können die Christen als eine geeinte Glaubensgemeinschaft durch ihn wieder zueinander finden? Sein Bild einer ungeteilten christlichen Gemeinde erscheint zwingend, da dies eine Religion letztlich so stark und einflussreich erscheinen lässt. Damit würde es Papst Franziskus schaffen, Luthers Werk nicht nur zu widerlegen, sondern in gewisser Weise gleichzeitig auch zu vollenden.

500 Jahre - das ist doch eine verdammt lange Zeit. Eine Zeit, in der sich viel verändert hat, wo Krieg zwischen Protestanten und Katholiken längst von Frieden und Diplomatie überholt wurde.  500 Jahre erinnern nicht nur an den Mann, der sich einst in der Nacht zur Schlosskirche Wittenbergs schlich, um seine Meinung kund zu tun, sie signalisieren vor allem die Zeit, die seitdem vergangen ist, sie stehen für den Fortschritt, der seitdem nie anhielt und zeigen uns, wie lange doch der Mut eines Einzelnen durch Nachhaltigkeit belohnt wird.

Wie lange also noch warten? Der Papst erkennt Problem und Sachverhalt. Es kostet viel Überzeugung und Selbstbewusstsein, sich gegen die eigenen katholischen Glaubensbrüder durchzusetzen. Eine „Reformation von oben“ ist das - ein seltenes Gut in der Geschichte. Nach 500 Jahren tritt Luthers einst so gehasster Erzfeind in seine Fußstapfen. Vielleicht wird er die geeinte Kirche wieder auferstehen lassen - vorausgesetzt natürlich, er ist auch wirklich überzeugt von seinen Äußerungen und zeigt keine Angst vor der Umsetzung. Ein erster Schritt lag bereits in der in den eigenen Reihen umstrittenen Veröffentlichung seiner „Amoris Laetitia“ (Freude der Liebe). Bereits diese führte bei den Gegnern des Reformpapstes dazu, dass diese ihn als Häretiker anprangerten und sogar bei der Glaubenskongregation anzeigten. Eine Ironie der Geschichte. Dieser Maximalvorwurf der Häresie wurde bereits vor 500 Jahren gegen einen gewissen Martin Luther erhoben, wie in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 2.11.2017 dargelegt wird.

Eine umfassende Reform wäre das Ende für den Thesenanschlag und der Anfang für ein geeintes Christentum unter Papst Franziskus. Den Anlass und die nötigen Voraussetzungen für einen ewig widerhallenden Namen sind allemal gegeben.

Gewartet haben wir genug. 500 Jahre lang.

Von Teresa Lötschert

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