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Beflaggung stört Symmetrie - der fertige Bahnhof in Leipzig

100 Jahre Leipziger Hauptbahnhof Beflaggung stört Symmetrie - der fertige Bahnhof in Leipzig

Leipzigs imposanter Hauptbahnhof feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das bekannte Bauwerk hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In einer Serie blickt die LVZ zurück – heute: Der fertige Bahnhof.

Die Preußische Längsbahnsteighalle III im Jahr 1920.

Quelle: Stadtgeschichtliches Museum

Leipzig. Nach der Einweihung am 4. Dezember 1915 verfügt Leipzig mit dem fertigen Hauptbahnhof über „ein gigantisches Bauwerk, um das uns alle Großstädte beneiden“, wie es ein zeitgenössischer Journalist formuliert. Das Gesamtbild der Bauten, bei dem vor allem die großen Eingangshallen die „Aura einer römischen Therme verstrahlen“, macht einen nicht zu übersehenden Dualismus deutlich. Obwohl es sich eigentlich um zwei zusammengefügte Bahnhöfe handelt, die eine peinlichst respektierte Eigentumslinie Mitte Gepäckbahnsteig 13/14 trennt, gelingt es den Architekten und Bauingenieuren, ein betriebsfähiges und baukünstlerisch einheitlich wirkendes Riesenwerk zu schaffen, das mit seinen Ausmaßen der letzte Großbahnhof des 19. Jahrhunderts und der erste des 20. Jahrhunderts genannt wird.

Der Dualismus wird nach der Eröffnung in vielfältiger Hinsicht deutlich. So gibt es zwei verschiedene Betriebs-, Verkehrs- und Dienstkomplexe, zwei Dienstvorsteher, zwei Beschilderungsordnungen, zwei Uhrensysteme, zwei betriebs- und zwei verkehrstechnische Systeme. Im Inneren macht sich dies beispielsweise mit je einer Auswanderer-Registrierstation, Wartesälen, Fürstenzimmern und vielen anderen Details bemerkbar.

Einziger großer Unterschied: Die Westseite wird gemäß den preußischen Farben schwarz-weiß-rot beflaggt, die östliche, sächsische Seite grün-weiß. Und zwei kleinere: Die sächsische Staatseisenbahn setzt in Sachen Stellwerke auf das Modernste, das damals verfügbar ist, die Preußen hingegen passen lediglich die vorhandenen Anlagen an. Außerdem befindet sich – entgegen der sonstigen Symmetrie des Baus – im östlichen Eckflügel ein überdachter Vorbau, der der An- und Abfahrt der Fürsten dient. Das Portal führt zu jenen Räumlichkeiten, die für den Aufenthalt der Hochwohlgeborenen und deren Begleitung sowie der Dienerschaft vorgesehen sind.

Auch im Vorfeld des Hauptbahnhofs setzt sich dieser Dualismus fort. Die Werkstätten, Wagenreinigungsanlagen, Elektrizitätswerke, Lokschuppen und Freiladeanlagen sind für jede Eisenbahnverwaltung getrennt angelegt worden. Diese Trennung wirft für Reisende, aber besonders für die Eisenbahner immer wieder Probleme auf, die teils noch bis Ende der 1980er-Jahre reichen. Womit nicht die kleine Schmonzette gemeint ist, dass sich – so kolportieren es Zeitzeugen zumindest – über viele Jahre Punkt 9 Uhr morgens die beiden Bahnhofsvorsteher an besagter Grenzlinie zum Uhrenvergleich getroffen haben sollen.

Bis zum 30. September 1934 geht dies so, erst dann wird die ursprüngliche Trennung der Aufgaben und Besitzrecht durch die Sächsische respektive Preußische Staatsbahn sowie durch die spätere sächsische Reichsbahndirektion Dresden und die preußische Reichsbahndirektion Halle aufgehoben. Unverständlicherweise legt man nach der Gründung der einheitlichen Deutschen Reichsbahn im April 1920 die Verwaltung im Hauptbahnhof nicht in eine, sondern in zwei Hände. Erst ab Oktober 1934 wird der gesamte Bereich des Hauptbahnhofs mit all seinen verkehrlichen, betrieblichen und technischen Anlagen allein der Reichsbahndirektion (RBD) im nahen Halle unterstellt.

Die hallesche RBD ist nun Hausherrin des Hauptbahnhofs, dessen mächtige Sandsteinfassade durch den geräumigen Bahnhofsvorplatz so richtig zur Geltung kommt. Auch hier haben die Architekten Weitblick bewiesen und den innerstädtischen Verkehr der Zukunft gut eingeschätzt. Der üppige Figurenschmuck der Empfangsgebäude wird oft übersehen. Die überlebensgroßen Plastiken an den Fenstergeschäften der westlichen Eingangshalle stellen Bauberufe – Architekt, Ingenieur, Steinmetz, Zimmermann, Eisenarbeiter und Erdarbeiter – dar, die an der östlichen Halle symbolisieren die Wissenschaft und Kunst sowie den Handel mit ihren typischen Vertretern – Professor, Musiker, Student, Kaufmann, Buchdrucker und Pelzarbeiter. Männliche und weibliche Figuren an den Außenwänden der Ausgangshallen verkörpern in ihren Volkstrachten die Bewohner Sachsens und anderer Gebiete.

Für alle Schauseiten des Empfangsgebäudes wird übrigens der wetterharte Sandstein aus Schöna an der Elbe verwendet, die Seiten zu den Bahnsteigen sowie die Innenwände der Ein- und Ausgangshallen ziert der weichere, ockerfarbene Sandstein aus Cotta. Zudem benutzen die Erbauer Beuchaer Diorit.

lvz

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