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Leonie frisst sich doppelt durch

100 Jahre Leipziger Hauptbahnhof Leonie frisst sich doppelt durch

Leipzigs imposanter Hauptbahnhof feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das bekannte Bauwerk hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In einer Serie blickt die LVZ zurück – heute: der City-Tunnel.

Die neuen S-Bahnen werden begeistert empfangen.

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, da geht ein Traum in Erfüllung, den schon die Väter des Leipziger Hauptbahnhofs vor gut 100 Jahren hegten. Mitte Dezember 2013 verliert das Geburtstagskind mit der Eröffnung des Jahrhundertprojekts City-Tunnel seinen Status als reiner Kopfbahnhof.

In einer Chronik der Deutschen Bahn ist zu lesen, dass „die sächsische Verwaltung einen Untergrundbahntunnel von 710 Metern Länge für eine geplante Schnellverbindung nach dem Bayerischen Bahnhof“ besitzt, „dessen Sohle sich 10 Meter unter dem Personenbahnsteig 22/23 und sieben Meter unter dem Straßenniveau befand. Er senkte sich 480 Meter westlich der Brandenburger Brücke nach einem Voreinschnitt von 180 Metern Länge unter die Erde und führt bis zehn Meter vor die Vorderfront des Empfangsgebäudes.“ Der vor der Ostseite liegende U-Bahn-Tunnel ist bereits durch die Kriegseinwirkungen verschüttet , der große Rest beim Umbau des Hauptbahnhofs in den 1990er-Jahren beseitigt worden. Es gibt aber im Parkhaus noch eine geheime Tür, hinter der noch ein Stück der historischen Tunnelanlage zu sehen ist – ohne Funktion.

Vorgesehen ist ursprünglich, den Bayerischen Bahnhof mittels einer Unterpflasterbahn, die elektrisch per Stromschiene betrieben werden sollte, über die Station Augustusplatz zu erreichen.

Das Tunnelprojekt bleibt letztlich in den beiden Weltkriegswirren stecken, weitere Anläufe scheitern ebenso. Erst die fünfte Initiative nach der Wende bringt letztlich die Verwirklichung – jedoch auf der den ursprünglichen Plänen entgegengesetzten Seite, der Westseite. So wird eine direkte Anbindung der Innenstadt ermöglicht. Nicht realisiert wird hingegen die opulentere Variante mit je zwei Fern- und Nahverkehrsgleisen – die (sich letztlich fast verdoppelnden) Kosten sind den Erbauern zu viel.

Der symbolische Baubeginn erfolgt 2003, zwei Jahre später hat Leipzig vier große Löcher, da die Tunnelstationen in offener Bauweise gebaut werden. Auf die eigentliche Röhre muss man noch einmal zwei Jahre warten: Von Januar 2007 bis Oktober 2008 bohrt sich die gefräßige Leonie – die 65 Meter lange Schildvortriebsmaschine – vom Bayerischen Bahnhof zum Hauptbahnhof. Und dies gleich doppelt, die beiden Röhren werden nacheinander – zuerst die östlich, dann die westliche – unter der Stadt hindurch getrieben. Dabei werden Teile der unterirdischen Baustelle mit flüssigem Stickstoff tiefgefroren, damit die Arbeiten keine oberirdischen Schäden anrichten. Außerdem wird mittels Ammoniak-Kompressionskälteanlage der Boden in einigen Bereichen so gekühlt, dass das Grundwasser gefriert.

Den Namen Leonie erhält die Tunnelbohrmaschine übrigens nach einer Ted-Umfrage durch die Leser der Leipziger Volkszeitung. Knapp 40 Prozent der Anrufer stimmen dafür. Die beiden anderen Vorschläge Lene (wegen der Mundartdichterin Lene Voigt) und Gretchen (als Fausts Geliebte) landen auf den Plätzen.

Leonies Riesenmaul hinterlässt letztlich zwei knapp 1500 Meter lange Röhren, die einen „Fress-Durchmesser“ von neun Metern, nach der Betonierung einen Innendurchmesser von 7,90 Metern haben. Sie liegen bis zu 22 Meter unter der Erde. Leonie ist eine Sonderanfertigung, wird von fünf Mitarbeitern bewegt.

Die zum Ende der Bauphase hin organisierten Tage des offenen Tunnels sind ein riesiger Erfolg. Zehntausende Leipziger sowie Gäste aus Nah und Fern nutzen die Gelegenheit, durch die beiden Röhren zu wandern und die einzelnen Stationen in Augenschein zu nehmen.

Die Kosten von 960 Millionen Euro werden übrigens – gerundet – vom Freistaat Sachsen (500 Millionen Euro), vom Bund (200), der Deutschen Bahn (18), der Stadt Leipzig (7), dem Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (4) sowie der Europäischen Union (230) getragen.

Von LVZ

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Leipzig Hauptbahnhof
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