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„Davidstern und Weihnachtsbaum“ – Bernd-Lutz Lange spricht mit Überlebenden

Auf den Spuren der Leipziger Juden „Davidstern und Weihnachtsbaum“ – Bernd-Lutz Lange spricht mit Überlebenden

Leipzig und Bernd-Lutz Lange – eine Beziehung, die in der Erinnerung zahlreicher Messestädter bis heute vor allem durch Humor geprägt ist. Doch der Kabarettist widmete sich auch anderen Themen.

Bereits vor der Wende begann Kabarettist und Autor Bernd-Lutz Lange damit, die Geschichte Leipziger Juden zu recherchieren

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Leipzig und Bernd-Lutz Lange – eine Beziehung, die in der Erinnerung zahlreicher Messestädter bis heute vor allem durch Humor geprägt ist. Als Gründungsmitglied hob er die Academixer mit aus der Taufe und tourte 16 Jahre zusammen mit seinem Kollegen Gunter Böhnke durch Kabarett-Deutschland. Doch auch Themen, bei denen es nichts zu lachen gibt, finden sich im Repertoire des heute 72-Jährigen wieder. So dokumentierte er im 1993 erschienenen Buch „Davidstern und Weihnachtsbaum“ die Schicksale der in Leipzig lebenden Juden und wie das menschenverachtende Nazi-Regime ihnen gegenüber systematisch Misstrauen streute, diskriminierte, internierte, quälte, mordete, Familien und Leben zerstörte.

Ein Thema, das bereits früh in Langes Kindheit Wurzeln schlug. Im Vorwort berichtet der Kabarettist und Autor von seinem Vater, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Polen das traurige Schicksal der Juden nur erahnen konnte: „Er sah dort vermutlich noch Schlimmeres, denn meine Mutter erzählte mir, dass er geweint und ihr gesagt habe: ,Wenn sich das rächt, was da im Osten mit den Juden geschieht, dann wird es furchtbar für Deutschland.‘“ Der Vater starb, bevor Lange in das Alter kam, Fragen zu stellen. Doch das Interesse blieb.

Reise nach Auschwitz

1967 – mehr als zwei Jahrzehnte nach Kriegsende – begleitete er eine westdeutsche Reisegruppe zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. „Es gibt einige, die nichts zu dem Kranz geben wollen“, verriet damals der Gruppenleiter verlegen. Eine Schleife mit der Aufschrift „Versöhnung“ zierte das Gesteck. Ein Beispiel, das damals wie heute eindrücklich beweist, dass dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte keineswegs abgeschlossen ist.

„Und wie war es hier in Leipzig? Gibt es noch Zeugen?“, fragte sich Lange über Jahre hinweg und begann, Nachforschungen anzustellen. Die Ergebnisse füllen „Davidstern und Weihnachtsbaum“ – persönliche Gespräche, Briefe, Erinnerungen und Erzählungen Leipziger Juden, wie sie aufwuchsen und erlebten, wie der Nationalsozialismus ihr Leben aus der Verankerung riss und in Trümmern zurückließ.

„Erinnerung bringt die Erlösung“

Überlebende Zeitzeugen wie Rolf Kralovitz (2015 gestorben) berichten aus ihrer Kindheit im Waldstraßenvier-
tel und anderen Straßen­zügen, der Zwangsarbeit, der würde­losen Einpferchung in den so­genannten Judenhäusern und vom volkswutgetriebenen Novemberpogrom. „Als ich vor der brennenden Synagoge
in der Gottschedstraße stand, bekam ich eine fürchterliche Wut. Ich begriff nicht, was das alles sollte“, erinnerte Kralovitz. Unbegreifliches widerfuhr ihm ab Oktober 1943.

Die Gestapo verhaftete den damals gerade 18-Jährigen zusammen mit seiner Familie. „[...]und als sich meine Mutter von mir verabschieden wollte, riss die Beamtin sie an den Haaren und stieß sie die Treppe herunter. Das war das letzte Bild, das ich von meiner Mutter und Schwester in Erinnerung habe.“ Beide wurden im Holocaust ermordet. Rolf Kralovitz überlebte die KZ-Hölle und kehrte nach der Befreiung durch die Amerikaner zurück nach Leipzig. Allein.

Alle Niederschriften erzählen in erschreckender Klarheit vom gleichen Grauen, bewegen jedoch zugleich auf ihre ganz eigene Art und Weise – scheinbar zu jeder Zeit mit einer alten jüdischen Weisheit im Blick: „Erinnerung bringt die Erlösung, Ver­gessen hält sie auf.“

Von André Pitz

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