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Küf Kaufmann: Drei Dinge wichtig für die Integration

Gemeinde-Vorsitzender Küf Kaufmann: Drei Dinge wichtig für die Integration

„Drei Dinge sind wichtig für die Integration“, sagt Küf Kaufmann, schiebt die Sonnenbrille hoch auf die markante Stirn und blickt seinem Gegenüber fest in die Augen: „Respekt, Respekt und noch einmal Respekt.“

Regisseur, Ex-Kneiper, Buchautor, Kabarettist und heute das Gesicht der Jüdischen Gemeinde in Leipzig: Küf Kaufmann.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Drei Dinge sind wichtig für die Integration“, sagt Küf Kaufmann, schiebt die Sonnenbrille hoch auf die markante Stirn und blickt seinem Gegenüber fest in die Augen: „Respekt, Respekt und noch einmal Respekt.“

Eine schöne rhetorische Wiederholung, und, ja, Recht hat er, der Vorsitzende von Leipzigs Jüdischer Gemeinde. Würden wir alle uns mit gegenseitigem Respekt begegnen, die Welt wäre eine bessere. Aber Küf Kaufmann ist noch nicht fertig: „Dazu brauchen wir Toleranz, Toleranz und Toleranz“, bedeutungsvoll legt er die Stirn in Falten, „und genauso wichtig ist Intoleranz, Intoleranz, Intoleranz!“

Das ist nun eine recht überraschende Wendung aus dem Munde des für Integration zuständigen Präsidiumsmitglieds beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Und um die Wirkung zu steigern, legt er mit ernstem Gesicht noch eine Pause ein: „Sehen Sie“, fährt er schließlich fort, „ich sehe das so: Wenn jemand in eine andere Gesellschaft kommt, muss er darauf hoffen dürfen, dass diese ihm mit Respekt und Toleranz begegnet.  Und umgekehrt. Er sollte aber auch erwarten müssen, dass sein neues Umfeld mit Intoleranz reagiert, wenn er selbst dessen Regeln und Gesetzte nicht mit Respekt bedenkt.  Darum ist Intoleranz gegenüber Gesetzesbrechern und nicht Integrationswilligen für das Gelingen wirklicher Integration ebenso wichtig wie Toleranz gegenüber Gutwilligen.“

Kaufmann, gerade hat der in Russland, in Marx an der Wolga Geborene seinen 70. Geburtstag gefeiert, weiß, wovon er spricht: „Ich erinnere mich noch sehr lebendig an meine Bemühungen um Integration in Leipzig, und ich habe alle Stufen der Integration durchlebt. Von der Restaurant-Gründung bis zur Pleite, von gebrochenem Deutsch über Kabarett-Auftritte bis zur eigenen Buchlesung. Und auch für mich galt: Es ist meine Aufgabe, in dieser Gesellschaft anzukommen. Und wenn ich mit ihr grundsätzliche Probleme habe, muss ich eben woanders hin. Ich kann auch nicht nach Großbritannien einwandern und mich dann darüber aufregen, dass die mit dem Auto auf der falschen Seite der Straße fahren.“

„Ich hab mich in Leipzig verliebt“

Vor knapp 30 Jahren kam Kaufmann nach Deutschland, am Friedrichstadt-Palast in Berlin wollte der Regisseur der Leningrader Music-Hall verabredungsgemäß eine große Revue inszenieren. Aber die DDR lag bereits in den letzten Zügen, der Intendant, mit dem er seine Zusammenarbeit vereinbart hatte, war nicht mehr im Amt, sein Nachfolger nicht übermäßig interessiert an einer Kooperation mit den ehemaligen Freunden aus der ebenfalls taumelnden Sowjetunion. Dennoch blieb Küf, holte seine Familie nach – und es verschlug ihn auf Umwegen nach Leipzig. „Ich landete damals im Waldstraßenviertel. Die Gebäude, die Gradlinigkeit der Straßen sahen aus wie in St. Petersburg. Ich habe mich in Leipzig verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Küf Kaufmann ist angekommen in Leipzig, obschon er nach wie vor in Russland seine Heimat sieht, das Land seiner Familie und seiner Sprache. Er ist angekommen in der Jüdischen Gemeinde der Stadt, die noch eine eingeschworene Schicksals-Gemeinde war, als er in den letzten Tagen der DDR zu ihr stieß: „Sie waren fast alle Überlebende des Holocausts,  teilten diese Erfahrungen und Erlebnisse – aber sie waren auch offen für neue Mitglieder, sie waren tolerant und zeigten Respekt. Auch für einen Neuankömmling aus Russland wie mich, der in  seinem Judentum vor allem die Pflicht sah, Traditionen zu bewahren und weiterzugeben.“

Einen Nachfolger aufbauen

Und sie wählten den Regisseur und Autor, den Kabarettisten und Ex-Kneiper anderthalb Jahrzehnte  später zu ihrem Vorsitzenden: Seit 2009 residiert er im Ariowitsch-Haus, das sich in dieser Zeit als offenes Kulturzentrum im Waldstraßenviertel etablierte.

Einige Jahre will Küf Kaufmann noch das Gesicht der Gemeinde bleiben, sich für deren Funktionieren nach innen und außen einsetzen. „Aber“, sagt er, „eine der wichtigeren Aufgaben der kommenden Jahre wird es sein, einen Nachfolger zu finden und aufzubauen, der sie in die Zukunft führt.“ Der sieht er verhalten positiv entgegen: „Ich bin ein ewiger Optimist. Früher war ich ein optimistischer Träumer, heute bin ich eher ein optimistischer Realist. Aber ich bleibe doch Realist.“     

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