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Jörg Wendt fertigt in Kleinpösna bei Leipzig Holzkanus nach Maß

17:00 Uhr: Leipziger baut Boote wie die Indianer Jörg Wendt fertigt in Kleinpösna bei Leipzig Holzkanus nach Maß

Jörg Wendt baut Kanus – und zwar so wie die Indianer in Kanada. Der 53-Jährige ist Autodidakt. Alles was er über Kanus und Bootsbau weiß, hat er sich selbst beigebracht. Zur traditionellen Bauweise kommen moderne Materialien – und für seine Boote nur einheimische Hölzer.

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Einer seiner Kunden möchte mit seinem Kanadier segeln: Um mehr Stabilität ins Kanu zu bekommen baut Jörg Wendt zwei hölzerne Ausleger.

Quelle: André Kempner

Der kleine Kachelofen bollert. Immer mal wieder legt Jörg Wendt einen Holzscheit nach. Dann reibt er sich die Hände und tritt wieder an die lange Werkbank. Prüfend schaut er, ob die Mallen, die runden Scheiben, die Wendt die Form des Rumpfes anzeigen, und die Zwingen richtig sitzen. Denn das, woran Wendt gerade arbeitet, ist auch für den erfahrenen Holzkanubauer Neuland –

obwohl er seit mehr als 15 Jahren im Geschäft ist. Einer seiner Kunden möchte mit seinem Kanadier segeln. Um mehr Stabilität in den „Kahn“ zu bekommen, baut Wendt zwei passende Ausleger.

Mit der Badewanne über den Hortteich

Durch das große Fenster in seiner Kleinpösnaer Werkstatt kann er über die Felder auf den ehemaligen Hortteich blicken. Dort hat alles angefangen. „Da sind wir mit der Badewanne drüber geschippert und haben geangelt wie Tom Sawyer.“ Doch es sollten viele Jahre vergehen, bevor Wendt auch beruflich aufs Boot kommt. Der 53-Jährige macht eine landwirtschaftliche Ausbildung, studiert Kunst und Literatur, arbeitet als Bühnenbauer oder fährt Taxi. „Die Nachwendezeit war nicht einfach, ich musste ja meine Familie ernähren.“ Die Gedanken, etwas mit Holz zu machen, wie sein Großvater, der Stellmacher und Wagenbauer war, oder sich gar dem Bootsbau zu widmen, verbannt er aus seinem Kopf.

Aus einer Weinlaune heraus

Das Schlüsselerlebnis kommt mit fast 40 Jahren an der Havel. Sein Kumpel hatte eine Laube geerbt. „Als wir da so am Lagerfeuer mit ein paar Gläsern Wein saßen, sagte ich zu ihm, dass das Grundstück eigentlich ganz toll ist. Was fehlt sei allerdings ein Boot.“ Spontan reifte der Entschluss: „Ich baue dir eins.“ Und er hielt Wort. Seine jüngste Tochter ist gerade ein paar Monate alt und Wendt im Babyjahr – seine Frau Sabine kann mit ihrer Speditionsfirma nun Sicherheit in die Familienkasse bringen und er sich ausprobieren. „Neben dem Geschrei hatte ich Zeit zu gucken, wie das funktioniert.“ Die Werkstatt auf dem Familienhof in der Kleinpösnaer Dorfstraße war bereits eingerichtet. „Und ich hab ein Boot gebaut, ein unsäglich hässliches, schwer und kippelig war es.“ Er taufte es „Die Gute“, die behäbig und gutmütig ist.

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Wendt hat Blut geleckt, den Haken geschluckt, wie er selbst sagt. „Das muss auch anders gehen.“ Zwei Jahre lang kniet er sich richtig rein, wälzt allerhand Fachliteratur und experimentiert. „Hier konnte ich ja niemanden fragen.“ Wendt blickt nach Kanada. Dort, bei den indianischen Ureinwohnern, hat der Kanubau seinen Ursprung. „Die Leistenbauweise habe ich etwas abgewandelt.“ Seine Boote haben die Haptik des Holzes, sind jedoch eingepackt in ein Laminat aus Glasfaser und Epoxidharz. So besitzen sie zugleich die Langlebigkeit von Kunststoffbooten.

Heimisch und bezahlbar muss es sein

Der Kanubauer, der heute in Knauthain lebt, legt Wert auf Holz, das verfügbar und bezahlbar ist. „Tropische Arten kommen für mich nicht in Frage.“ Stattdessen verarbeite er einheimische Gewächse, wie Eiche, Nussbaum, Kiefer oder Esche. Inzwischen hat Wendt schon drei Modelle entworfen: den wendigen und leichten Liholm, den familienfreundlichen Bomkul oder das sportliche Reisekajak Inola. Letzteres gibt es auch als Zweisitzer. Das Paddel kommt ebenso aus seiner Werkstatt.

Wirklich reich wird Wendt nicht vom Kanubau. „Ich brauche fünf bis sechs Wochen für ein Boot. Kostenpunkt 3000 Euro. Davon allein könnte man keine Familie ernähren“, weiß er. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er deshalb im ehemaligen Pförtnerhäuschen der Kammgarn-Spinnerei in Plagwitz einen kleinen Regionalwaren-Laden mit Bistro.

Sein Traum ist es, einmal nach Schweden oder Kanada zu reisen – dort gibt es eine ganz lebhafte Gemeinschaft. Denn in Deutschland ist er reichlich allein mit seiner Handwerkskunst. „Es gibt vielleicht noch fünf andere Holzkanubauer, der nächste sitzt an der Unstrut“, schätzt er. So ist sein Lieferradius entsprechend groß – die Interessenten kommen aus Österreich, der Schweiz, Berlin oder Hamburg.

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