Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nach Karli-Umbau droht Anwohnern noch mehr Lärm – Leipzig muss Entschädigungen zahlen

Nach Karli-Umbau droht Anwohnern noch mehr Lärm – Leipzig muss Entschädigungen zahlen

Neuer Zündstoff bei den Umbauplänen für die Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig: Nach der Sanierung der Südmeile wird für Anwohner die Lärmbelästigung weiter ansteigen.

Voriger Artikel
Umbau der Karli in der Leipziger Südvorstadt: Landesdirektion gibt grünes Licht
Nächster Artikel
Burger King öffnet größtes Fastfood-Restaurant Leipzigs auf der Karl-Liebknecht-Straße

Autokolonnen auf der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig: Für Anwohner wird es nach dem Umbau noch lauter.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das hat die Landesdirektion jetzt in einem Schallgutachten ermittelt. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück – sie muss die betroffenen Hauseigentümer aber nun entschädigen.

Trams fahren im Schritttempo über marode Gleise, Autos brettern über eine Schlaglochpiste: Spätestens Ende 2015 soll das auf der „Karli“ der Vergangenheit angehören. Für rund 16,5 Millionen Euro sanieren die Stadt, die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sowie die Kommunalen Wasserwerke (KWL) ab Januar den rund einen Kilometer langen Abschnitt zwischen Wilhelm-Leuschner-Platz und Körnerstraße. Sie erneuern Gleise und Versorgungsleitungen. Fahrbahnen, Rad- und Gehwege werden neu angeordnet.

php2f99d88622201310241918.jpg

Leipzig. Neuer Zündstoff bei den Umbauplänen für die Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig: Nach der Sanierung der Südmeile wird für Anwohner die Lärmbelästigung weiter ansteigen. Das hat die Landesdirektion jetzt in einem Schallgutachten ermittelt. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück – sie muss die betroffenen Hauseigentümer aber nun entschädigen.

Zur Bildergalerie

Rasenmäher-Lautstärke im Wohnzimmer

Bei der Umgestaltung erhalten die Straßenbahnen zwischen Hoher Straße und Shakespearestraße in der Südvorstadt ein separates Gleisbett in der Mitte der Fahrbahn. Und genau hier liegt das Problem: „Die Kfz-Fahrbahnen rücken näher an die Häuser heran, weil die Bürgersteige schmaler werden. Dadurch steigt der Lärmpegel für die Anwohner“, erklärt Stefan Barton, Sprecher der Landesdirektion, gegenüber LVZ-Online.

Auch durch die Erneuerung des Asphalts und moderne Gleise für die Straßenbahn würde der zusätzliche Lärm nicht ausreichend reduziert. Tagsüber könnten laut des Schallgutachtens, so Barton, künftig mehr als 70 Dezibel erreicht werden, was der Lautstärke eines Rasenmähers entspricht. Nachts steige der Pegel auf teils über 60 Dezibel an. Bei diesen Grenzwerten schreibe der Gesetzgeber vor, dass Anwohner besonders geschützt werden müssen. Das gilt auch, wenn durch Umbau einer Straße der Lärm um mindestens drei Dezibel steigt. „All dies ist bei der Neugestaltung der Karl-Liebknecht-Straße der Fall“, erläutert der Sprecher.

22 Häuser mit weit über 100 Haushalten betroffen

phpymqqwU20131024190529.jpg

Die Gehwege, wie hier am Volkshaus, werden künftig deutlich schmaler. Autos fahren dann deutlich näher an den Häusern entlang.

Quelle: André Kempner

Akut betroffen sind laut Landesdirektion insgesamt 18 Häuser zwischen Hoher Straße und Shakespearestraße mit weit mehr als 100 Haushalten. „Dort stehen die Gebäude schon jetzt besonders dicht an der Straße“, erläutert Barton. Für weitere vier Häuser am Petersteinweg, nördlich der Riemannstraße, entstehe zwar kein gesetzlicher Anspruch auf Entschädigung, sie sind aber ebenfalls von einer Lärmerhöhung betroffen und sollen besser geschützt werden.

Die Stadt muss laut Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) für Entschädigungen aufkommen – so legt es die Aufsichtsbehörde in ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichten Planfeststellungsbeschluss fest. Hauseigentümer hätten Ansprüche auf die Übernahme der Kosten für Lärmschutzmaßnahmen durch die Kommune, so Barton. Dazu zählten beispielsweise Spezialfenster oder Wanddämmungen. Welche Maßnahmen nötig seien, müsse durch Begutachtungen der einzelnen Gebäude festgestellt werden.

Stadt sieht durch Lärmzunahme auch Vorteile

Auf Anfrage von LVZ-Online bestätigt das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt, dass zusätzliche „passive Lärmschutzmaßnahmen“ für die Anwohner notwendig seien. Die Kosten hierfür habe man bereits bei der Planung mit einkalkuliert, so Amtsleiterin Edeltraut Höfer. Zur Höhe kann sie jedoch keine genauen Angaben machen.

phpjw5HfB20100330233207.jpg

Auch Radfahrer bekommen auf der Karl-Liebknecht-Straße künftig eine eigene Spur.

Quelle: André Kempner

Der Argumentation der Landesdirektion, dass der Lärm grundsätzlich zunehme, widerspricht Höfer allerdings. So sei die Erneuerung der Fahrbahn nicht ausreichend in der Berechnung berücksichtigt worden. Die Amtsleiterin verweist zudem darauf, dass die Entstehung von Lärmschutzansprüchen auch Vorteile mit sich bringe. Durch neue Fenster werde die Lautstärke innerhalb der Wohnung reduziert. Höfer spricht von einer „Besserstellung im Sinne der Lärmvorsorge“. Die Frage, warum bei den Umbauplänen für die Karl-Liebknecht-Straße nicht erreicht werden konnte, dass der Lärmpegel grundsätzlich sinkt, bleibt unbeantwortet.

Für Diskussionen dürfte das Thema spätestens in der kommenden Woche sorgen. Am Montag lädt die Stadt ins Neue Rathaus, um über die bevorstehenden Bauarbeiten zu informieren. Bereits ab Oktober sollen die Vorbereitungen, wie Baumfällarbeiten, die Entfernung von Fahrradbügeln oder die Einrichtung eines Bauplatzes an der Shakespearestraße, starten.

Die Informationsveranstaltung findet am Montag, 28. Oktober, 19 Uhr, im Sitzungssaal des Neuen Rathauses (Raum 258) statt. Zu Gast sind Edeltraut Höfer (Verkehrs- und Tiefbauamt), Matthias Hasberg (Stadtsprecher), Ronald Juhrs (LVB-Technikchef) und Mathias Wiemann (KWL).

Robert Nößler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Achtung Baustelle
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr