Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Ökolöwe-Sprecher Supplies: „Der Flair der Karl-Liebknecht-Straße muss erhalten werden“

Ökolöwe-Sprecher Supplies: „Der Flair der Karl-Liebknecht-Straße muss erhalten werden“

Am Donnerstag stellt die Stadt gemeinsam mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) drei neue Entwürfe zum Umbau der Karl-Liebknecht-Straße vor. Tino Supplies, der verkehrspolitische Sprecher des Leipziger Umweltvereins Ökolöwe, setzt sich im LVZ-Online-Interview dafür ein, dass am Ende alle drei Vorschläge dem Stadtrat präsentiert werden.

Voriger Artikel
Sanierung Karl-Liebknecht-Straße: Entwurfsplan stößt bei Leipziger Vereinen auf Kritik
Nächster Artikel
Gleise in der Karl-Liebknecht-Straße werden repariert – Umleitung in Leipziger Südvorstadt

Tino Supplies verkehrspolitischer Sprecher vom Leipziger Ökolöwen stellte sich den Fragen unserer Redakteurin.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Nur so könne die Entscheidung mit „ruhigem Gewissen“ gefällt werden.

Frage:

Am Donnerstag stellen die Stadt Leipzig und die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) drei neue Entwürfe zur Sanierung der Karl-Liebknecht-Straße vor. Als 2011 der erste Plan präsentiert wurde, hat es massive Kritik vom Ökolöwen und weiteren Umweltverbänden gegeben. Wurden Sie über die neuen Entwürfe, die zu einem Kompromiss führen sollen, bereits informiert?

Tino Supplies:

Nein, wir wissen nicht, was am Donnerstag präsentiert wird. Es ist daher alles möglich. Ob die Entwürfe zu einem ernsthaften Kompromiss beitragen werden ist ungewiss, ebenso wie die Frage, was mit den drei Plänen weiter passiert. 

Bei der Vorstellung der Pläne im November 2011 hat es zahlreiche Hinweise zu den Entwürfen der Planer gegeben. Auch der Ökolöwe hat sich an den Protesten beteiligt. Was sind die Hauptkritikpunkte des Umweltverbandes?

Für uns ist es wichtig, dass sich in der Grundsatzfrage etwas tut und die lautet: „Separierte Bahngleise, ja oder nein“. Wir möchten nicht, dass die Karl-Liebknecht-Straße den Charakter einer Durchfahrtsstraße erhält. Wir haben daher einen Entwurf entwickelt, der eine zeitliche Trennung von Straßenbahn und KfZ-Verkehr vorsieht. Daher bin ich gespannt welche Varianten am Donnerstag vorgestellt werden. Der Boulevard-Charakter der Straße darf einfach nicht zerstört werden. Genau das würde aber passieren, wenn die Gleise separiert gebaut werden, denn das bedeutet, dass die Gehwege halbiert werden und das ist in diesem Fall indiskutabel. Außerdem müssten die Hauseigentümer ihre privaten Grundstücke vor den Geschäften an die Stadt verkaufen, ob sie wollen oder nicht.

phpDXtVh120111121140320.jpg

Blick vom Peterssteinweg in die Karl-Liebknecht-Straße. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Die LVB argumentieren damit, dass die Straßenbahnen schneller und sicherer vorankommen würden, wenn die Gleise separiert werden. Wie sehen Sie das?

Laut dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz müssten die separierten Gleise zu einer bedeutenden Beschleunigung führen, damit die Stadt die finanziellen Förderungen vom Bund erhält. Und das wird nicht passieren. Denn selbst wenn die Gleise ohne Separierung saniert werden, wird sich die Fahrzeit der Straßenbahnen bereits um zwei Minuten beschleunigen, wenn die Gleise getrennt ausgebaut werden, wie die LVB es möchten, dann würden zu den zwei Minuten lediglich zehn weitere Sekunden hinzukommen.

Laut der Stadt Leipzig und den LVB soll ein Interessensbeirat gegründet werden, damit alle betroffenen Gruppen zu Wort kommen und sich über diese Kritikpunkte unterhalten können. Der Beirat soll  am 7. März seine erste Sitzung abhalten. Werden Sie als Interessensvertreter des Ökolöwen teilnehmen?

Ich werde da sein, ja. Ich frage mich nur, wie der Beirat tagen soll, wenn noch nicht einmal die Vertreter aller Interessensgruppen feststehen. Ich habe vor ein paar Tagen mit Händlern gesprochen und dabei in Erfahrung gebracht, dass sie bisher noch nicht aufgefordert worden sind, einen Vertreter zu wählen. Ebenso stellt sich die Frage wie beispielsweise ein Anwohner für alle Anwohner sprechen soll. Und selbst wenn alle Beiratsvertreter gewählt werden und sich diese für einen Entwurf entscheiden, bleibt noch offen, wie viel Macht die Stimme des Beirates hat und ob es überhaupt legitim ist, dass er diese Macht hat. Die letztendliche Entscheidung trifft der von den Bürgern gewählte Stadtrat und das finde ich auch gut so. Die Stadträte müssen aber von der Verwaltung über alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten vollumfänglich in Kenntnis gesetzt werden, damit sie ruhigen Gewissens eine Entscheidung fällen können.

Ist der Beirat also überflüssig?

Nein, das finde ich nicht. Stadt und LVB  hatten den Beirat ursprünglich als Möglichkeit für die Händler und Gastronomen vorgesehen, um in der Bauphase mitzureden. Das bedeutet, wenn ein Bagger vor einem bestimmten Geschäft gerade störend ist, dann kann man einen Kompromiss finden. Das ist ja wirklich ein guter Ansatz, wenn sich dieser Beirat um die kleinen und großen Probleme während der Bauzeit kümmert. 

 

Noch ist die Bauphase nicht gestartet und die Straßenbahnen fahren im gewohnten Schritttempo Tag für Tag die Karl-Liebknecht-Straße entlang. Woran liegt das?

Die Gleise sind schon sehr alt. Sie wurden das letzte Mal 1974 saniert. Das ist jetzt rund 40 Jahre her. In den 1990ern hätten die Bahnwege bereits erneuert werden sollen, aber diese Phase wurde übersprungen, weil kein Geld da war. Jetzt fallen die Gleise fast schon auseinander, deshalb muss es nun schnell gehen. Aber was wir jetzt dort hin bauen, hat weitere 40 Jahre Bestand und ist daher prägend für die zukünftige Nutzung der Karl-Liebknecht-Straße.

 

Was ist Ihrer Meinung nach so besonders am Charakter der Straße?

In dieser „KarLi“ haben wir noch eine Händlerstruktur, die ohne Zutun der Stadt von alleine gewachsen ist. Hier ist das Flair Leipzigs vorhanden, das in die Welt transportiert wird. Diese Qualität muss man ausbauen, selbst, wenn man dafür etwas mehr Geld in die Hand nimmt. Auch die Verkehrsbetriebe profitieren vom Getümmel auf der Straße, direkt vor den Haltestellen.

Das Flair und die Menschen sollen also weiterhin im Mittelpunkt stehen?

Genau. Die Karl-Liebknecht-Straße ist laut Richtlinie eine Hauptgeschäftsstraße. Das bedeutet, dass die so genannte Aufenthaltsfunktion, also die Bewegung von Fußgängern, an erster Stelle steht. Danach kommt die Erschließungsfunktion, hier geht es darum dass die Händler problemlos beliefert werden können. Erst an dritter und letzter Stelle steht die Verbindungsfunktion, die den Durchgangsverkehr in den Mittelpunkt stellt. Bei einem Autobahnzubringer steht ein schneller Durchgangsverkehr an erster Stelle, aber nicht bei einer Geschäftsstraße, die noch dazu einen so einzigartigen Charakter hat.

Manuela Tomic

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Achtung Baustelle
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Zeitungsküken 2017 gekürt

    Zum elften Mal suchte die Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung das Zeitungsküken. Mit der Aktion steht der Nachwuchs der Region im Fokus. Sehen Sie h... mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr