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Ausschabung: Gynäkologische OP fast immer ambulant möglich

LVZ-Medizinserie Ausschabung: Gynäkologische OP fast immer ambulant möglich

Viele Frauen fürchten sich vor einer Ausschabung, bei der auch die Gebärmutter gespiegelt und Gewebe untersucht wird. Doch Frauenärzte raten durchaus zu dem Eingriff. Chefarzt Gunnar Fischer vom Krankenhaus Mittweida erklärt im neuen Teil der LVZ-Patientenserie, was zu beachten ist.

Die Ausschabung dauert zehn bis 15 Minuten, knapp 5200 gesetzlich versicherte Frauen ließen sich 2014 in Sachsen ausschaben.

Quelle: Colourbox.com

Leipzig. Wenn die Regelblutung sehr stark oder unregelmäßig ist, müssen sich Frauen nicht damit abfinden. Frauenärzte raten zur Ausschabung der Schleimhaut. Zuvor erfolgt die Spiegelung der Gebärmutter, weil sich so Erkrankungen erkennen lassen, die dafür die Ursache sein können. Eine Ausschabung ist für den Körper nicht ungewohnt. Denn die Schleimhaut wird auch natürlicherweise jeden Monat mit der Regelblutung abgestoßen. Sie baut sich danach wieder neu auf. Große Erfahrung mit der Behandlung von Blutungsstörungen haben Gunnar Fischer und sein OP-Team. Er ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Mittweida. Hier wurden im vergangenen Jahr 819 Ausschabungen ambulant durchgeführt – so viele wie nirgends in Sachsen. Der Frauenarzt erklärt, was bei diesem Eingriff zu beachten ist.

Sind Blutungsstörungen gefährlich?
Nicht immer. In jungen Jahren können nach Meinung des Mittweidaer Arztes Schwankungen durch Veränderungen im Hormonhaushalt auftreten. Infekte oder Stress sind dafür oft verantwortlich. Die meisten Frauen, die der Gynäkologe mit einer Ausschabung behandelt, bluten entweder unregelmäßig oder zu stark, sodass die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist. „Bei Frauen um die 40 sind Blutungsstörungen häufig auch durch Myome – das sind Muskelknoten – oder Polypen – Ausstülpungen – bedingt. Diese werden operativ entfernt“, sagt der Chefarzt. „Gefährlich sind Myome im Grunde nicht. Es sei denn, sie nehmen solche Dimensionen an, dass andere Organfunktionen gestört werden.“ Man entfernt sie trotzdem, da auch Myome entarten können.

Und bei älteren Patientinnen?
„Bei vielen kommt es nach dem 50. Lebensjahr wieder zu Blutungen, obwohl vorher längere Zeit Pause war. Das ist nicht normal und ein Grund für eine Spiegelung, um die Ursache dafür zu finden. Mit einer nachfolgenden Ausschabung lassen sich diese Blutungsstörungen  behandeln, so der Chefarzt. Postmenopausale Blutungen könnten ein Hinweis auf Zellveränderungen der Gebärmutterschleimhaut oder auf Gebärmutterkrebs sein, sagt Gunnar Fischer.

Erfolgt eine Ausschabung immer nur bei Blutungsstörungen?
„Eine Ausschabung wird auch nach Fehlgeburten in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten empfohlen“, sagt Gunnar  Fischer.

Kann eine Ausschabung immer ambulant erfolgen?
„Bis auf wenige Ausnahmen ja“, so der Chefarzt. Bei Patientinnen mit schweren Herz- und Lungenerkrankungen sei eine engmaschige Überwachung nach dem Eingriff nötig. Sie würden deshalb vorzugsweise stationär behandelt.

Ärzte am Telefon

Zur Diagnostik und Behandlung von Blutungsstörungen empfehlen Frauenärzte meist eine Gebärmutterspiegelung und eine Ausschabung. Gibt es auch andere, nicht-operative Verfahren? Wann sind Blutungsstörungen behandlungsbedürftig? Wie oft kann eine Ausschabung erfolgen, ohne dass die Gebärmutter Schaden nimmt? Auf welche Beschwerden nach der Behandlung muss ich mich einrichten? Fragen zu gynäkologischen Erkrankungen, zur Gebärmutterspiegelung und Ausschabung beantworten Frauenärzte aus Sachsen am Donnerstag (05.11.2015) von 14 bis 16 Uhr.

Gunnar Fischer, Chefarzt, Gyn., Krankenhaus Mittweida, (0371) 656 88 385

Dr. Rasul Lalee, gynäkologische Praxis/Tagesklinik, Dresden, (0371) 656 88 386

Dr. Hans-Jürgen Wolf, gynäkologische Praxis, Markkleeberg, (0371) 656 88 387

Wie erfolgt die Narkose und kann es dabei  Risiken geben?
Die Patientin bekommt eine kurze Vollnarkose. Sie schläft für die wenigen Minuten, die dieser Eingriff dauert. Der Anästhesist klärt die Patientin mindestens einen Tag vorher umfassend auf. Zum Beispiel werden bei diesem Vorgespräch Risikofaktoren wie Allergien oder Kreislaufprobleme  abgefragt.

Wird das entnommene Gewebe in jedem Fall untersucht?
„Ja. Noch am Operationstag wird eine Gewebeprobe zu einem Facharzt für Pathologie zur mikroskopischen Untersuchung eingeschickt“, so Fischer. Das Ergebnis liegt nach zwei bis drei Tagen vor und wird sofort dem behandelnden Frauenarzt oder der Patientin selbst mitgeteilt.

Können bei dem Eingriff Komplikationen auftreten?
Laut Bundesverband Ambulantes Operieren ist eine Ausschabung ein risikoarmer Routineeingriff. Sehr selten seien Verletzungen der Gebärmutter, Thrombosen oder Infektionen. Darüber muss der Arzt vorher umfassend aufklären. Um Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen, soll die Patientin mindestens sechs Stunden vor der OP nichts essen und trinken, nicht rauchen und keinen Kaugummi kauen. Sind regelmäßig Medikamente nötig, können diese nach Absprache mit dem Arzt auch vor dem Eingriff genommen werden.

Wie geht es nach der operation für die Patientin weiter?
Die Patientin wird morgens operiert und am Nachmittag wieder nach Hause entlassen. Sie muss von Angehörigen oder Bekannten abgeholt werden, denn sie darf aufgrund der Narkose 24 Stunden nicht selbst Auto fahren oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Erschöpfung und Schläfrigkeit können noch mehrere Stunden nach der OP anhalten. Deshalb hinlegen, sich ausruhen, aber auch ein paar Schritte in der Wohnung laufen, um den Kreislauf anzuregen, empfehlen die Ärzte. Die ersten Tage nach dem Eingriff kommt es zu einer leichten Wundblutung, auch ziehende Schmerzen sind möglich. Ein paar Tage nach der OP ist der erste Kontrolltermin beim Arzt. Bis zu drei Wochen nach der Ausschabung sollte sich die Patientin vor Infektionen schützen.

Bei welchen Komplikationen sollte die Patientin zum Arzt gehen?
„Komplikationen sind sehr selten“, sagt Gunnar Fischer. Da man sie nicht hundertprozentig ausschließen kann, sollte die Patientin in der ersten Nacht nach der OP möglichst nicht allein zu Hause sein. Ist das der Fall, wäre zur stationären Aufnahme zu raten. Bei folgenden Symptomen, die auf eine Infektion oder Gefäßverletzung hindeuten, ist der Hausarzt oder gleich das Krankenhaus aufzusuchen: Luftnot, Herzbeschwerden, Schwellung der Beine, Anstieg der Körpertemperatur, Schmerzen im OP-Gebiet oder in Armen und Beinen, erneute und stärkere Blutungen sowie Übelkeit und Erbrechen.

Was rechnen Sie für die ambulante Operation ab, was kostet sie für Patientinnen?
Der ambulante Eingriff kostet zwischen 300 und 400 Euro. Für eine stationäre Behandlung gibt es laut AOK Plus keine Kalkulation, da eine Ausschabung nur im begründeten Einzelfall im Krankenhaus erfolgt. „Den Patientinnen entstehen keine zuätzlichen Kosten, denn der Eingriff ist eine komplette Kassenleistung – vom Vorgespräch bis zur Nachkontrolle“, so Gunnar Fischer.

Von Stephanie Wesely

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