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Diagnose Krampfadern – Fragen und Fakten zur Venenkrankheit

Große LVZ-Serie zum ambulanten Operieren Diagnose Krampfadern – Fragen und Fakten zur Venenkrankheit

Erweiterte Venen werden oft nicht mehr entfernt, sondern mit Radiowellen oder Laser behandelt. Das zahlen nicht alle Kassen. Die Leipziger Volkszeitung hat mit dem Chemnitzer Arzt Matthias Schwalbe über Folgen und Behandlungswege von Krampfadern gesprochen und die wichtigsten Fakten gesammelt.

Das Bild zeigt die von Krampfadern betroffenen Körperteile.

Quelle: www.mauritius-images.com

Leipzig. In Sachsen haben sich letztes Jahr knapp 2400 gesetzlich Versicherte die Krampfadern operativ entfernen lassen. Dieses sogenannte Venenstripping steht an der siebenten Stelle der häufigsten ambulanten Operationen bei Erwachsenen. Geschwollene und schmerzende Beine sind erste Anzeichen für eine Funktionsstörung der Venen. Das Blut wird nicht mehr vollständig zum Herzen zurückgepumpt und versackt in den Beinen. „Das ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Denn durch Krampfadern können Unterschenkelgeschwüre entstehen“, sagt Dr. Matthias Schwalbe. Der Chemnitzer Chirurg erklärt alles Wichtige über Krampfadern.

Was sind Krampfadern?

Krampfadern (Varizen) sind erweiterte und in ihrer Funktion gestörte Venen. Sie kommen vor allem in den Beinen vor. „Die Varikosis ist kein reines Frauenproblem, wie oft vermutet wird. Frauen gehen aber eher damit zum Arzt“, sagt er.

Wann müssen Varizen behandelt werden?

„Wenn sie Beschwerden verursachen“, so Dr. Schwalbe, „in erster Linie bei einer Stammveneninsuffizienz.“ Das ist eine Funktionsstörung der Venenklappen in der Stammvene. Sie schließen nicht mehr optimal, dadurch staut sich das Blut aufgrund der Schwerkraft nach unten in Richtung Füße zurück.

Wie wird eine Venenerkrankung diagnostiziert?

Es gibt Verfahren, bei denen mittels Sensoren an den Unterschenkeln ermittelt wird, wie schnell sich das Venensystem nach einem Blutrückfluss wieder füllt. Die Doppler-Ultraschalluntersuchung ist heute das Verfahren der Wahl. Mit dieser Methode lassen sich der Zustand des Venensystems und der Venenklappen, Veränderungen im tiefen Venensystem und Thrombosen bildlich darstellen.

Ist eine Operation immer nötig?

„Nein. Der erste Behandlungsschritt ist die Kompressionstherapie. Spezielle Strümpfe drücken von außen die Venen zusammen. Dadurch schließen die Venenklappen wieder besser. Die Patienten sollten sich viel bewegen“, sagt der Gefäßchirurg. Ist der Patient dadurch nicht beschwerdefrei, sollte operiert ¬werden. „Das herkömmliche Venen¬stripping, bei dem die kranke Vene oder der Abschnitt entfernt wird, gerät aber immer mehr in den Hintergrund. Zurzeit werden bevorzugt die sogenannten endoluminalen Verschlussmethoden angewendet. Hier wird mit Laser oder Radiowellen das Blutgefäß verschlossen“, so Dr. Schwalbe.

Für welche OP-Verfahren übernehmen die Kassen die Kosten?

„Das Venenstripping ist eine generelle Kassenleistung“, sagt Dr. Schwalbe. Die AOK Plus erstattet die Kosten für die Laserbehandlung auf Einzelantrag. IKK Classic, TK und verschiedene Betriebskrankenkassen übernehmen im Rahmen integrierter Versorgungsverträge auch die Behandlung mit Radiowellen und Laser, allerdings nur in ausgewählten Praxiskliniken. Welche Kliniken diese Behandlungen vornehmen, erfahren Versicherte bei ihrer Krankenkasse. Die Übersicht über behandelnde Ärzte und Kliniken berücksichtigt nur das Venenstripping.

Kann die Operation immer ambulant erfolgen?

In den meisten Fällen. Eine stationäre Aufnahme erfolgt nur im Ausnahmefall. Den muss die Klinik auch genau begründen. So gibt es Patienten, die aufgrund von Begleiterkrankungen nicht ambulant operiert werden können. Wer alleine lebt und niemanden hat, der sich nach der OP um ihn kümmert, könnte auch so ein Sonderfall sein.

Wie erfolgt die Narkose, und welche Risiken gibt es?

„Das Bein wird örtlich betäubt, dazu wird das OP-Gebiet unterspritzt. Auch Beruhigungsmittel werden über eine Armvene mit gegeben. Auf Wunsch ist auch eine Vollnarkose möglich“, so Schwalbe.

So urteilen Patienten über die OPs

Obwohl mehr Krankenhäuser als Praxen das Venenstripping anbieten, entscheiden sich Patienten überwiegend für die Behandlung bei niedergelassenen Gefäßchirurgen. Diese nutzen eigene OP-Räume oder mieten sich in Krankenhäuser ein. Auffällig sind die oft langen Wartezeiten auf die OP. In der Leipziger Praxisklinik von Dr. Daniel Hausmann zum Beispiel muss sich mehr als jeder zweite Patient länger als ein Vierteljahr gedulden, bis er einen Termin bekommt. „Das liegt daran, dass wir oft nur einen OP-Tag pro Woche haben“, sagt eine Sprecherin der Klinik. „Die Mundpropaganda ist gut.“

Auch in Freiberg gibt es Wartelisten, sowohl für das Medizinische Versorgungszentrum als auch für das Krankenhaus, das ambulante Operationen durchführt. Obwohl das Venenstripping eine Kassenleistung ist, werden bei drei Praxiskliniken besonders häufig kostenpflichtige Zusatzleistungen angeboten, zeigt die Umfrage. Meist handelt es sich dabei um die Verödung von Besenreisern nach der OP. Das ist medizinisch nicht notwendig, sondern rein kosmetisch begründet und damit keine Kassenleistung. Viele Patientinnen wollen aber wieder makellose Beine haben.

Mehr als 80 Prozent der Befragten waren mit der Behandlung zufrieden. Die beste Bewertung – Note 1,3 – erhielt die Gefäßpraxis von Dr. Matthias Jany aus Leipzig. 96,1 Prozent seiner Patienten würden die Praxis wieder wählen. Fast ebenso weit vorn in der Gunst der Patienten sind die Praxen Dr. Kinscher aus Markersdorf/Holtendorf in der Lausitz und das MVZ in Freiberg. Ins Dresdner Krankenhaus Friedrichstadt würden dagegen nur knapp zwei Drittel der Patienten wieder gehen, ins Helios Vogtland-Klinikum Plauen nicht einmal jeder Zweite. In beiden Häusern lag auch die Rate der unerwarteten Beschwerden nach der Entlassung viel höher.

Fazit von Gesundheitswissenschaftler Prof. Joachim Kugler, TU Dresden: „Als sehr positiven Trend bewerte ich, dass sich immer mehr Patienten eine Zweitmeinung eingeholt haben. Früher grenzte das an Majestätsbeleidigung. In einigen Praxiskliniken sind die Wartezeiten viel zu lang. Das sollten Patienten nicht so hinnehmen.“ stewe

Wie geht es nach der OP weiter?

„Bei der Laserbehandlung kann der Patient nach ein bis zwei Stunden wieder nach Hause, beim Stripping nach drei bis vier Stunden. Sie dürfen am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen.“ Besondere Vorsichtsregeln für zu Hause gibt es nicht. Der Patient kann aufstehen, umherlaufen, sollte sich aber noch nicht so stark belasten. In der ersten Woche muss sich der Patient täglich selbst ein Mittel gegen Thrombose spritzen. Nachuntersuchungen und Verbandswechsel erfolgen am zweiten Tag und eine Woche nach der OP. Eine Abschlusskontrolle ist nach drei bis vier Monaten vorgesehen.

Welche Risiken hat die OP?

Sie führt nur sehr selten zu Komplikationen, die sich aber wie bei jedem operativen Eingriff nicht hundertprozentig vermeiden lassen. Möglich sind zum Beispiel Blutergüsse oder Wundheilungsstörungen. Selten kommt es zu Lymphstau oder Infektionen. Verhärtungen sind meist durch kleinere Blutergüsse bedingt und bilden sich in der Regel nach ein bis drei Monaten zurück. Das Gleiche gilt auch für Empfindungsstörungen der Haut, die durch Beschädigungen kleinster Hautnerven bedingt sein können.

Wie erfolgreich ist die OP?

Bei der Stripping-OP und den anderen Verfahren sind die Langzeitergebnisse gut. Eine erneute Bildung von Krampfadern wird bei 15 bis 20 Prozent der Patienten beobachtet.

Wie viel zahlen die Kassen?

Für die stationäre Behandlung, das heißt OP und zwei Tage Nachsorge, zahlen Kassen rund 2100 Euro, sagt Wolfgang Karger von der AOK Plus. Doch die infrage kommenden Patienten sind auch kränker als beim ambulanten Eingriff. Die ambulante OP kostet laut Kassenärztlicher Vereinigung je nach Methode und Aufwand zwischen 1279 und 300 Euro.

Stephanie Wesely

Die Übersicht berücksichtigt nur das Venenstripping.

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