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Franziska Riekewald (Linke): „Hobby Politik“ für soziale Gerechtigkeit

Kandidatencheck Franziska Riekewald (Linke): „Hobby Politik“ für soziale Gerechtigkeit

Politik hat sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen: Schon frühzeitig haben die Eltern Franziska Riekewald (37) mit zu Veranstaltungen der Linken, die damals noch PDS hieß, mitgenommen.

Franziska Riekewald (Die Linke) kandidiert im Leipziger Norden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Politik hat sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen: Schon frühzeitig haben die Eltern Franziska Riekewald (37) mit zu Veranstaltungen der Linken, die damals noch PDS hieß, mitgenommen. „Seit ich denken kann, war ich mit auf Wahlveranstaltungen, habe Zeitungen gesteckt. Selbst aktiv wurde ich, als es um den Mindestlohn ging. Das wurde damals belächelt, würde die Wirtschaft an den Rande des Ruins bringen“, sagt die Kauffrau im Groß- und Einzelhandel, die in Halle/Saale geboren wurde und ein BWL-Abendstudium absolvierte. 2001 ist sie in die Partei eingetreten. Nach einem USA-Aufenthalt fand Riekewald einen Job in Leipzig, ist seitdem als Mitarbeiterin im Marketing und Vertrieb bei einem kleinen Leipziger Forschungsbetrieb tätig.

Riekewald ist mit einem Bauingenieur verheiratet, hat zwei schulpflichtige Kinder. „Den langjährigen Spagat zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt zu schaffen, war und ist nicht leicht. Aber ich habe einen starken Mann im Hintergrund, außerdem ein Netzwerk mit Omas und Opas. Und ich habe gelernt, diese Herausforderungen zu meistern“, sagt die junge Frau, die für die Linken seit 2014 im Stadtrat sitzt und dort als Vizechefin die Fraktion leitet. „Politik war schon immer mein Hobby. Ich will was bewirken, deshalb kandidiere ich jetzt auch für den Bundestag.“

Vor Kurzem stand sie eher unfreiwillig im Mittelpunkt, als sie für einen MDR-Beitrag über Wohnungsnot als verzweifelte Wohnungssuchende befragt wurde, ohne dass ihre politischen Funktionen und Ambitionen benannt worden waren (die LVZ berichtete). Das hat ihr viel Kritik, aber auch eine gewisse Bekanntheit eingebracht. „Persönlich möchte ich nicht so sehr im Mittelpunkt stehen, ich brenne vielmehr für Themen und Inhalte“, sagt Riekewald, die im Waldstraßenviertel wohnt. Die Verdrängung von jungen Leuten und Familien aus ihren Vierteln nach Luxussanierungen sei so ein Thema für sie. Die Linken fordern den Bau von mehr Wohnungen mit Sozialbindung, zusätzlich 250 000 deutschlandweit pro Jahr. „Das Leben von einem relativ bescheidenen Einkommen ist mir allzu bekannt“, sagt sie und will dafür kämpfen, die „große Schere zwischen Arm und Reich“ zu verringern. Einen Ausweg sieht sie beispielsweise darin, den gesetzlichen Mindestlohn auf 12 Euro die Stunde anzuheben. „Der deutschen Wirtschaft geht es super, bei den meisten Menschen kommt das aber nicht an.“ Die Linken wollen alle, die weniger als 7100 Euro brutto im Monat verdienen, entlasten. Im Gegenzug hohe Einkommen stärker besteuern.

Mobilität und Verkehr sind für die Stadträtin, die als ehrgeizig und strebsam gilt, ein zentrales Feld öffentlicher Daseinsfürsorge. Die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs, für die der Bund viele Weichen stellt, bleibt ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Sie will den Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger) stärken. „Der Bundesverkehrsplan ist zu sehr aufs Auto ausgelegt – wir brauchen mehr Verkehr auf der Schiene.“ Eine Lösung auf kommunaler Ebene bleibt für sie das solidarische Bürgerticket, von dem ihrer Ansicht nach alle profitieren.

Mathias Orbeck

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