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Madeleine Fellauer (BüSo): Vorkämpferin auf der „Neuen Seidenstraße“

Kandidatencheck Madeleine Fellauer (BüSo): Vorkämpferin auf der „Neuen Seidenstraße“

Es gab eine Zeit in ihrem Leben, als sie noch nach politischer Orientierung suchte, da fand Madeleine Fellauer die Grünen ganz interessant. Eine Politik, die den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellt, das traf den Nerv der jungen Frau.

Madeleine Fellauer (BüSo)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es gab eine Zeit in ihrem Leben, als sie noch nach politischer Orientierung suchte, da fand Madeleine Fellauer die Grünen ganz interessant. Eine Politik, die den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellt, das traf den Nerv der jungen Frau. „Und ich dachte auch, die wären gegen den Krieg“, erzählt die 28-Jährige. Sie wurde in Torgau geboren, der Stadt, in der sich Russen und Amerikaner im Zweiten Weltkrieg die Hand reichten und der Frieden näher rückte.

Doch Fellauers Interesse an der Öko-Partei schwand, als die Grünen erst dem Kosovo-Krieg und später auch dem Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan zustimmten. Sie beteiligte sich 2003 an Demos gegen den Irak-Krieg. Sie verurteilte die Sparpolitik im Gesundheitswesen und die Hartz-IV-Gesetze. Mit den etablierten Parteien verband die gelernte Ergotherapeutin immer weniger. Eine politische Heimat fand sie in der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo), für die sie mittlerweile in der Landesgeschäftsstelle in Dresden arbeitet.

BüSo hatte sich 1992 gegründet, warnt seitdem immer wieder vor dem Kollaps des Weltwirtschaftssystems. Nach ihrem Selbstverständnis handelt es sich um eine internationale Bürgerrechtsbewegung. „Solidarität mit den Nachbarn im eigenen Land, aber auch in anderen Ländern, vor allem in Afrika“ ist ihr Markenkern. Fellauer brennt für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, in der nicht einige wenige Länder ihren Wohlstand auf Kosten des Rests der Welt erlangen. „Es werden Milliarden ausgegeben, um bankrotte Banken zu retten und imperiale Kriege zu führen, aber für die Modernisierung von Infrastruktur fehlt das Geld“, kritisiert sie die Politik der Schwarzen Null. Beispielhaft nennt sie sieben grenzüberschreitende Bahnprojekte Deutschlands mit Polen, Frankreich, Dänemark, Österreich und der Schweiz, bei denen Deutschland Jahrzehnte hinterherhinke.

Fellauer fordert einen Paradigmenwechsel. BüSo engagiere sich deshalb für die Idee der Neuen Seidenstraße. Es handele sich um das größte Infrastrukturprojekt in der Menschheitsgeschichte. Damit könne auch Deutschland gemeinsam mit Russland und China den Nahen Osten und Afrika wirtschaftlich aufbauen und die Flüchtlingskrise auf humane Weise lösen. Seit China 2013 die Seidenstraßeninitiative angekündigt hat, hätten sich 110 Nationen mit dem Reich der Mitte zur „Win-Win-Kooperation“ zusammengeschlossen, so Fellauer. Deutschland müsse mit ins Boot und dafür die Sanktionen gegen Russland beenden, für die es aus Fellauers Sicht keinen Grund gibt. „Wenn sich die Krim abspaltet, ist das doch kein Bruch des Völkerrechts“, sagt sie und zieht einen bizarren Vergleich: „Wenn sich Bayern von der Bundesrepublik abspalten würde, wäre das ein Verstoß gegen das Grundgesetz, nicht aber gegen das Völkerrecht.“

Die Seidenstraßeninitiative umfasse sechs Hauptkorridore, unter anderem die Eurasische Landbrücke. Sie gebe den Menschen in den angeschlossenen Ländern eine Perspektive, „eine Zukunft ohne Armut und Neokolonialismus“. Eine Entwicklung, die Deutschland letztlich zugute komme. Denn Menschen verließen nicht nur wegen Krieg und Verfolgung ihre Heimat. „Wenn jemand von Hunger bedroht ist“, steht für Fellauer fest, „dann ist er auch ein Flüchtling“.

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