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Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
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Ralf Kohl (Wir sind Leipziger): „Ich bin die Alternative zur Alternative“

Kandidatencheck Ralf Kohl (Wir sind Leipziger): „Ich bin die Alternative zur Alternative“

Schon zweimal hat Ralf Kohl Anlauf genommen, um in der großen Politik mitzuspielen: Bei der Landtagswahl 2010 hat der Leipziger kandidiert und rund 250 Stimmen erhalten; bei der folgenden Landtagswahl 2014 waren es reichlich 50 Stimmen.

Ralf Kohl (Wir sind Leipziger)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Schon zweimal hat Ralf Kohl Anlauf genommen, um in der großen Politik mitzuspielen: Bei der Landtagswahl 2010 hat der Leipziger kandidiert und rund 250 Stimmen erhalten; bei der folgenden Landtagswahl 2014 waren es reichlich 50 Stimmen. Bremsen konnten ihn diese Misserfolge nicht: Der 51-Jährige gebürtige Leipziger will es in diesem Jahr noch einmal wissen und kandidiert für den Deutschen Bundestag – im Wahlkreis Leipzig-Nord.

Damit er auf die offizielle Wahlliste kommt, hat der gelernte Funkmechaniker 213 Stimmen für seine Kandidatur gesammelt – 13 mehr als notwendig waren. „Ich hätte auch noch mehr bekommen“, sagt er – und es klingt, als ob er seinen Rekord von 250 Stimmen locker überboten hätte. Warum ihm die Stimmen-Akquisition so leicht fiel? „Ich bin die Alternative zur Alternative“, antwortet Kohl, der unter der Bezeichnung „Wir sind Leipziger“ auf Listenplatz 19 kandidiert.

Dabei macht es der Schönefelder seinen Fans nicht gerade einfach. Er gibt nur wenig über sich preis; eigentlich nur, dass er nach der Wende 14 Jahre lang Taxiunternehmer war und inzwischen berufsunfähig ist. Als Beruf gibt er „Ideenbegleiter“ an. „Ich helfe Leuten bei der Umsetzung ihrer Ideen – sowohl logistisch als auch finanziell“, sagt er. Zwei, drei Ideen habe er schon begleitet. „Unter anderem den Bauhütten-Rad-Schnellweg, der über das Sellerhäuser Viadukt nach Schönefeld führen wird. Dafür bekommt Leipzig vom Bund 3,2 Millionen Euro Fördermittel.“

Um bei der Bundestagswahl im September seinen 250-Stimmen-Rekord zu toppen, hat Kohl eine besondere Idee entwickelt: Er will im Bundestag nur so abstimmen, wie die Bürger in seinem Wahlkreis es wollen. „Das kann mir jeder aus meinem Wahlkreis per Internet mitteilen oder auch per Liste“, sagt er und verspricht, dass er in Berlin nur so abstimmen wird, wie die Mehrheit es will. Dabei beruft sich der Schönefelder auf Artikel 20 des Grundgesetzes. Dort ist festgelegt, dass alle Staatsgewalt von den Bürgern auszugehen hat. „Viele Leute sagen mir, sie könnten mit ihrer Stimme bei der Wahl ohnehin nichts verändern“, erläutert der Ideenbegleiter. „Denn die Parteien würden nach der Wahl immer machen, was sie wollen. Mit mir können meine Wähler selber abstimmen.“

Um seine Fans nicht mit Abstimmungen zu überfordern, will Kohl im Bundestag seine Stimme nur bei Beschlüssen in die Waagschale werfen, die seinen Wahlkreis betreffen. „Bei allen anderen Themen werde ich mich enthalten.“ Außer bei der Bildung – bei ihr will er dafür eintreten, dass sie von den Ländern auf Bundesebene übertragen wird.

Und wie denkt er selber über Dinge, die Deutschland und Europa bewegen? Zum Beispiel über die Flüchtlingsfrage? „Ich würde jede Straße in meinem Wahlkreis abfahren und die Leute fragen, ob sie Flüchtlinge wollen – und so im Bundestag abstimmen“, meint er. Und wie denkt er selbst über Flüchtlinge, den Euro oder die Europäische Union? Kohl zupft an seinem Bart und grübelt. „Ich verstehe auch nicht, wo auf einmal das viele Geld für die Flüchtlinge herkommt“, gesteht er dann. „Bis die Flüchtlinge kamen, fehlte es immer an Geld für Schulen, Straßen und Brücken. Als Bundestagsabgeordneter würde ich herausfinden, woher das viele Geld auf einmal kommt, und es den Leuten sagen.“

Klaus Staeubert

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