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Frank Roeder (Der Auserwählte): Russland-Versteher will in den Bundestag

Kandidatencheck Frank Roeder (Der Auserwählte): Russland-Versteher will in den Bundestag

Er findet Donald Trump – bis auf dessen verbale Ausraster – im Grunde ganz gut. Er tritt für den sofortigen Stopp aller Russland-Sanktionen ein, plädiert dafür, den „Pleitestaaten“ in der EU den Geldhahn zuzudrehen.

Frank Roeder (Der Auserwählte)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er findet Donald Trump – bis auf dessen verbale Ausraster – im Grunde ganz gut. Er tritt für den sofortigen Stopp aller Russland-Sanktionen ein, plädiert dafür, den „Pleitestaaten“ in der Europäischen Union den Geldhahn zuzudrehen, und hält Protektionismus nicht für Teufelszeug: Frank Roeder (44) will in den Bundestag. Ohne Partei im Rücken. Er kandidiert für die Wahl am 24. September auf eigenes Ticket, im Süd-Wahlkreis 153.

Roeder tritt unter dem Kennwort „Der Auserwählte“ an. Er entschied sich für diese Bezeichnung, sagt er, weil die Internetadresse noch frei war. Aber irgendwie sagt sie auch etwas über den Kandidaten aus. Roeder glaubt nicht daran, dass die – wie er sie nennt – Altparteien Politik für die Bürger machen, auch die neue AfD nicht. Er gehe dagegen mit einer klaren Botschaft in den Wahlkampf: „Ich will das Volk vertreten“, sagt er. Und „basierend auf Fakten, Lebenserfahrungen und gesundem Menschenverstand“ glaubt er zu wissen, was die Menschen im Lande so umtreibt. Zum Beispiel die Angst, dass das Bargeld verschwindet. Roeder ist ein Gegner solcher Ambitionen, hinter denen nach seiner Ansicht der große Plan stecke, Negativzinsen flächendeckend zu erheben. Bislang sind davon nur hohe Vermögen betroffen. Roeder: „Wenn das Bargeld aber erst mal abgeschafft ist, wird es auch den Normalsparer treffen, der 10 000 Euro auf dem Konto hat. Denn die kann er dann nicht mehr abheben.“

Der gebürtige Neubrandenburger – ledig, Vater einer Tochter – lebt seit 1995 in Leipzig. Damals war er zum Studium an der Telekomhochschule in die Stadt gezogen. Jeden Tag fährt er mit seinem Porsche Cayenne nach Chemnitz zur Arbeit, wo er 1999 bei Siemens anheuerte. Seit drei Jahren ist der Ingenieur und Betriebsrat in die Entwicklung von Elektromotoren für Autos involviert. In diesem Job hatte er sein Schlüsselerlebnis, das ihn 2015 politisch aktiv werden ließ. Von einem Tag auf den nächsten bekamen er und seine Kollegen zu spüren, was die wegen der Krim-Annektierung gegen Russland verhängten EU-Sanktionen bedeuten: Arbeitsstundenreduzierung, Lohnkürzung, ein Jahr Untätigkeit. „Die schlechten Beziehungen zu Russland belasten die deutsche und insbesondere die sächsische Wirtschaft“, so Roeder, „die Sanktionen müssen enden.“ Den Konflikt mit der Ukraine, die in seinen Augen von einer korrupten Elite regiert wird, akzeptiert er nicht als Sanktionsgrund.

In einem ist er sich mit dem US-Präsidenten übrigens völlig einig. „Ein bisschen Protektionismus“, sagt Roeder, „kann nicht schaden.“ Es sollte seiner Meinung nach sogar Gesetze geben, „damit Arbeitsplätze in Deutschland nicht nach China verlagert werden“. Die Photovoltaik liege in Deutschland am Boden, weil die Politik die Wirtschaft nicht mit Zöllen vor den Billigprodukten aus Fernost schützte. „Deutschland“, findet Roeder, „sollte an sich selbst denken.“

Klaus Staeubert

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