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Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
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Karsten Kietz (Freie Wähler): „Kommunen brauchen mehr Einfluss im Land“

Kandidantencheck Karsten Kietz (Freie Wähler): „Kommunen brauchen mehr Einfluss im Land“

Zur Politik kam er, sagt Karsten Kietz, „wie die Jungfrau zum Kinde“. Das war 2005/06 in der Zeit des Oberbürgermeister-Wahlkampfes.

Karsten Kietz (Freie Wähler)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Zur Politik kam er, sagt Karsten Kietz, „wie die Jungfrau zum Kinde“. Das war 2005/06 in der Zeit des Oberbürgermeister-Wahlkampfes. Der damalige Kandidat der Wählervereinigung, Benedict Rehbein, habe zu jener Zeit im gleichen Haus wie er gewohnt und ihn eines Tages gefragt, ob er Lust hätte, bei der Kampagne mitzumachen. Kietz sagte zu.

Mittlerweile ist er seit zehn Jahren der Vorsitzende der Leipziger Wählervereinigung (WVL), die mit einem Mandat auch im Stadtrat vertreten ist. „Wir verstehen uns als Plattform, die mit sehr vielen Vereinen und Initiativen zusammenarbeitet“, sagt der 51-Jährige. So unter anderem mit Fluglärmgegnern, der IG Fortuna zur Rettung des „Kinos der Jugend“ oder der Lo(c)k-Meile, einer Interessengemeinschaft zur Verbesserung der Attraktivität der Eisenbahnstraße. Zusammen mit mehr als 960 Wählervereinigungen hat sich auch die WVL mit den Freien Wählern Sachsen verbündet, für die Kietz nun als Bundestagsdirektkandidat im Leipziger Süd-Wahlkreis 153 antritt.

Die Freien Wähler wollen lokale Interessen stärker dort vertreten, wo die Rahmenbedingungen für Städte und Landkreise gesetzt werden. „Kommunalpolitik braucht mehr Einfluss im Land“, ist Kietz überzeugt. Den Einzug in den sächsischen Landtag haben die Freien Wähler 2014 nicht geschafft, aber in den Kommunen sind sie mit ihrem Leitgedanken, überparteiliche Sachpolitik für die Bürger zu betreiben, überaus erfolgreich. Im Freistaat stellen sie mehr als ein Drittel der Gemeinderäte, rund 70 Bürgermeister kommen aus ihren Reihen. „In Sachsen sind die Freien Wähler zweitstärkste Kraft nach der CDU“, betont Kietz. Diesen Schwung wollen sie bei der Bundestagswahl am 24. September nutzen.

Kietz ist in Leipzig geboren. Er wuchs in Sellerhausen auf, studierte an der Technischen Hochschule – heute HTWK – Elektrotechnik, später sattelte er noch ein Wirtschaftsingenieursstudium an der Fernuniversität Hagen drauf. Er ist geschieden und Vater zweier Kinder.

Sich selbst verortet der ehrenamtliche Politiker „eher links“. Er tritt gegen eine Privatisierung von Unternehmen der Daseinsvorsorge ein, für kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr, für den Schutz der Menschen vor Lärm. Er sieht es als „unsere ethische Pflicht“ an, Menschen in Not, die vor den Kriegen in Syrien oder im Irak fliehen, zu helfen. „Wir können sie nicht im Mittelmeer absaufen lassen“, sagt er. Er ist gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und gegen Rüstungsexporte, auch gegen die Lieferung deutscher U-Boote an Israel.

Als Erstes würde er im Bundestag jedoch eine Initiative gegen die Russland-Sanktionen einbringen, denn diese, sagt er, schadeten der deutschen Wirtschaft, insbesondere dem Mittelstand. Die Abspaltung der Krim von der Ukraine betrachtet er nicht als völkerrechtswidrigen Akt. Kietz: „Die Krim ist durch eine Volksabstimmung Russland beigetreten. Das ist voll demokratisch.“ Eine Wiederannäherung an Russland hält er für dringend nötig. „Wenn wir Vasallen von Amerika bleiben“, erklärt Kietz, „dann gehen wir mit Amerika unter.“

In diesen Wochen wird man allerdings vergebens Plakate mit ihm in der Stadt suchen. „Ich mache keine Straßenwahlwerbung“, erklärt Kietz. Warum? „Na, die Wahl wird doch sowieso in Russland entschieden“, erwidert er mit ironischem Unterton und spielt damit auf die ständigen Vorwürfe an, Russland würde die Wahlen in den westlichen Demokratien manipulieren. Kietz’ wichtigste Botschaft an die Leipziger lautet: „Gehen Sie wählen. Der Tag der Wahl ist für die Demokratie der wichtigste Tag.“

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