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Karsten Werner (BüSo): „Ich will nicht nur reden, sondern etwas tun“

Kandidatencheck Karsten Werner (BüSo): „Ich will nicht nur reden, sondern etwas tun“

Mit 14 Jahren begann er, sich für Politik zu interessieren. „Mich beschäftigten so Fragen wie: Warum gibt es Armut auf der Welt? Und warum ist gerade Afrika so arm?“, erzählt Karsten Werner.

Karsten Werner (BüSo):

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mit 14 Jahren begann er, sich für Politik zu interessieren. „Mich beschäftigten so Fragen wie: Warum gibt es Armut auf der Welt? Und warum ist gerade Afrika so arm?“, erzählt Karsten Werner. Es war eine Zeit, in der er allmählich begriff, dass sein Leben in einem reichen Industrieland etwas mit den sozialen Verwerfungen in anderen Teilen des Globus zu tun hat. Seine Erkenntnis: „Man muss sich selbst ändern, um die Welt zu ändern.“ Eine typisch linksalternative Einstellung. Dennoch fand er keinen Zugang zur Linken. Die seien in ihren Strukturen verfangen, so der heute 33-Jährige, beschäftigten sich zu oft mit sich selbst. „Doch ich wollte nicht nur reden, sondern etwas tun“, sagt er und entwickelte Sympathien für die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo).

Werner wurde in Gohlis geboren. Er wuchs in Grünau auf, ging ans Gymnasium, studierte Förderpädagogik an der Leipziger Universität. Er organisierte mit BüSo in Leipzig die ersten Montagsproteste gegen Hartz IV mit. Anfangs kamen „zehn Hanseln“, dann Hunderte. Er sah, dass er tatsächlich etwas bewegen konnte. Seit 2003 ist Werner Mitglied bei BüSo, mittlerweile deren Landesvorsitzender in Sachsen, trat in Leipzig mehrfach bei Wahlen an. Er arbeitet auch hauptberuflich für die Partei, ist ledig und lebt jetzt in Dresden.

Er vermisst in Deutschland große Visionen. Das Land müsse wieder eine moderne Industrie- und Kulturnation werden, seine Technologieskepsis ablegen, sein Potenzial als „Nation der Dichter, Denker und Erfinder“ für die Zukunft der Menschheit einsetzen und an die Epoche der deutschen Klassik anknüpfen, in der Fortschritt die Menschheit auch tatsächlich voranbrachte. Von diesen Idealen sei Deutschland heute weit entfernt. „Merkel sorgt für politischen Passivismus“, beklagt Werner. Es brauche wieder das Bewusstsein, dass der Mensch als Problemlöser agieren soll.

„Wenn eine Gesellschaft nur nach Kosten-Nutzen-Rechnungen funktioniert, dann ist sie auf einem absteigenden Ast“, sagt Werner. Er will über Grundwerte debattieren, etwa darüber, dass die Ökonomie das Gesundheitssystem nicht dominieren darf. Zum diesem Thema hat er eine ganz eigene Beziehung. Nach dem Gymnasium absolvierte Werner seinen Zivildienst in einem Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche und erlebte hautnah, wie Sparpolitik die Menschen trifft, die Fürsorge und Solidarität am meisten brauchen. BüSo will das ändern, tritt für deutlich mehr öffentliche Investitionen in das Gesundheits- und Sozialsystem ein, ebenso in Bildung und Wissenschaft und für einen neuen Spirit in der internationalen Zusammenarbeit, ganz besonders mit China.

Das vom Reich der Mitte betriebene Infrastrukturprojekt „Neue Seidenstraße“ biete die einmalige Chance, „uns aus dem Korsett veralteten geopolitischen Denkens, der Gefahr thermonuklearer Konfrontation und dem Diktat der Finanzmärkte zu befreien und das globale Flüchtlingsproblem auf humanitäre Weise zu lösen“. Werners Vorbilder sind die Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Er ist schwer beeindruckt vom deutschen Astronauten Alexander Gerst. „Denn die Raumfahrt“, sagt er, „ist ein gutes Beispiel für neue Paradigmen. Wir wollen, dass die Menschheit in ein neues Zeitalter eintritt.“

Klaus Staeubert

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