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Sören Pellmann (Die Linke): Ein Lehrer kämpft bärenstark gegen Armut

Kandidatencheck Sören Pellmann (Die Linke): Ein Lehrer kämpft bärenstark gegen Armut

Zu Berlin passt ein Bär. Als Maskottchen hat Sören Pellmann (39) freilich einen „Roten Bären“ gewählt. Vorher befragte er beim Schönauer Parkfest Kinder, welches Kuscheltier sie besonders toll finden.

Sören Pellmann (Die Linke)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Zu Berlin passt ein Bär. Als Maskottchen hat Sören Pellmann (39) freilich einen „Roten Bären“ gewählt. Vorher befragte er beim Schönauer Parkfest Kinder, welches Kuscheltier sie besonders toll finden.

Die Entscheidung fiel auf den Bären als Sympathieträger, den Schwes-ter Kaja als Prototypen häkelte und der Pellmann nun begleitet. „Das passt, zumal wir auch mit bärenstarken Themen in den Wahlkampf ziehen“, sagt der Grundschullehrer, der in Mockau an der „66.“ unterrichtet und dort soziale Ungerechtigkeiten hautnah miterlebt.

Deshalb rückt der Linke, der seine Partei als Fraktionschef im Stadtrat führt, Soziales und Bildung ins Zentrum seines Wahlkampfes. „Leipzig ist nach wie vor bei Kindern und Älteren die Armutshauptstadt in Sachsen, besonders Altersarmut nimmt zu“, betont Pellmann, der verheiratet ist, selbst keine Kinder hat. „Es kann nicht sein, dass Menschen 40 Jahre lang arbeiten und mit 500 bis 600 Euro ihren Lebensabend gestalten müssen. Da wollen wir eine Mindestrente von 1050 Euro gegensetzen, von der man leben kann.“ Eine Forderung der Linken heißt daher: „Renten rauf statt Absturz im Alter.“

Es gebe aber auch viele Stadtteile in Leipzig, in denen die Armutsquote bei Kindern über 50 Prozent liegt. „In Mockau, wo ich arbeite, lebt mehr als jedes zweite Kind von Sozialhilfe. Beim Frühstück, bei den Schulmaterialien, an der Kleidung merke ich das. Selbst wenn Eltern wollen, können sie sich viele Ausgaben nicht leisten. Da geht die Schere weit auseinander – und die Politik muss hier was gegensetzen.“ Einen Ausweg sieht er in einer Kindergrundsicherung, die unabhängig vom Einkommen der Eltern ist. Derzeit werde jeder Euro, der beim Kindergeld draufgelegt wird, bei den Sozialleistungen wieder abgezogen. Das müsse sich ändern. Gute Bildung von der Kita bis ins hohe Alter, kostenfrei für alle, sei für ihn ohnehin selbstverständlich.

Was kann er im Bund für Leipzig tun? „Leipzig ist nicht unbekannt, wird im Augenblick in Berlin aber eher durch Hinterbänkler vertreten.“ Derzeit gebe es viele Negativschlagzeilen aus Leipzig – neben Armut zähle auch die Sicherheitslage dazu. Da wolle er als Politiker gegensteuern, die vielen Leuchtürme bei Kultur, Wissenschaft, Bildung besser nach außen tragen. Wichtig sei ihm die Eigenständigkeit der Kommunen. So wolle er sich stark dafür machen, dass die Fördermittel vom Bund direkt an die Kommunen ausgezahlt werden.

Politisch geprägt wurde Pellmann vom Großvater, der in Nazizeiten im Widerstand war, sowie von seinem Vater, dem kürzlich verstorbenen Ex-Landtagsabgeordneten Dietmar Pellmann. Seit 2009 sitzt Sören Pellmann im Stadtrat „Bevor ich in die Politik ging, wollte ich meine Ausbildung abgeschlossen haben.“ Vor dem Lehrerberuf hat er drei Jahre Jura studiert. „Das ist für meine jetzige Tätigkeit hilfreich, da ich gelernt habe, Gesetze zu lesen und zu verstehen.“ Aber er wollte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, studierte Geistig- und Lernbehindertenpädagogik, um an einer Förderschule zu unterrichten. Seinen Job als Lehrer will er, falls er gewählt wird, lediglich aussetzen. „Ich werde für ein, höchstens zwei Wahlperioden pausieren. Danach kehre ich in meinen Beruf zurück.“

Mathias Orbeck

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