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Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
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Die AfD ist im Osten zweitstärkste Partei, Petry holt Direktmandant

Bundestagswahl Die AfD ist im Osten zweitstärkste Partei, Petry holt Direktmandant

Die AfD ist im Osten Deutschlands bei der Bundestagswahl am Sonntag zweistärkste Partei - AfD-Chefin Frauke Petry hat in ihrem Wahlkreis das erste Direktmandat für ihre Partei im Bundestag erobert. Die CDU gewinnt die Wahl im Osten, gefolgt von den Linken und der SPD.

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD) beim Urnengang.

Quelle: dpa

Leipzig/Dresden.  Insgesamt erreichte die AfD in den Ost-Ländern und dem Osten Berlins 21,5 Prozent der Stimmen, wie der MDR nach Infratest dimap berichtet. Demnach machten insgesamt 26 Prozent der ostdeutschen Männer ihr Kreuzchen bei der AfD, bei den Frauen waren es 17 Prozent. Zum Vergleich: Im Westen votierten 13 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen für die AfD.

Union ist Wahlsieger

Wahlsieger ist auch im Osten die Union mit 26,5 Prozent, die Linke bekommt demnach 16,5 Prozent und die SPD 14,5 Prozent der Stimmen. Die FDP erreicht 8 Prozent der Stimmen, die Grünen 6 Prozent.

Die AfD fährt nach ersten Zwischenergebnissen bei der Bundestagswahl in Sachsen ein überraschend starkes Ergebnis ein. AfD-Chefin Frauke Petry hat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das erste Direktmandat für ihre Partei im Bundestag erobert. Die Landes- und Bundesvorsitzende setzte sich klar mit 37,4 Prozent der Erststimmen gegen den langjährigen CDU-Abgeordneten Klaus Brähmig (28,8) durch, wie die Landeswahlleitung am Sonntag in Kamenz mitteilte. Auch bei den Zweitstimmen lag die AfD in dem Wahlkreis mit 35,5 Prozent fast zehn Prozentpunkte vor der Union.

Ein weiteres Direktmandat für die AfD gab es in den Wahlkreisen Görlitz und Bautzen I. In Görlitz verlor der sächsische CDU-Generalsekretär und Vizevorsitzenden der Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, mit 31,4 Prozent der Stimmen sein Mandat gegen den AfD-Konkurrenten Tino Chrupalla, der auf 32,4 Prozent kam. In Bautzen I setzte sich der AfD-Kandidat Karsten Hilse mit 33,2 Prozent der Erststimmen gegen den bisherigen Inhaber des Direktmandates, Roland Ermer von der CDU (30,6), durch.

Im Wahlkreis Dresden II/Bautzen II drohte dem langjährigen Dresdner CDU-Abgeordneten Arnold Vaatz ebenfalls der Verlust seines Mandates.

Der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer wird nicht mehr dem neuen Bundestag angehören. Der 42-Jährige verlor bei der Bundestagswahl am Sonntag sein Direktmandat an den AfD-Politiker Tino Chrupalla (41), teilte die Landeswahlleitung am Sonntag mit. Da sich Kretmscher nicht über die Landesliste der Union absichern ließ, ist er nun draußen.

Der Wirtschaftsingenieur zog erstmals 2002 in den Bundestag ein und amtierte seit der Bundestagswahl 2009 als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Bildung, Forschung, Kunst, Kultur und Medien. In der vergangenen Legislatur leitete er zudem die sächsische Landesgruppe der Unionsabgeordneten. Kretschmer wird in Sachsen auch immer wieder als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Stanislaw Tillich gehandelt.

Nach Auszählung von einem Viertel der 424 Gemeinden im Freistaat lag sie mit 32,3 Prozent sogar 2,4 Punkte vor der CDU (29,9), wie die Landeswahlleitung am Sonntagabend in Kamenz mitteilte. Auf das drittbeste Ergebnis kommt demnach die Linke mit 12,4 Prozent vor SPD (9,0), FDP (7,8) und Grüne (2,4). Da das Zwischenergebnis vor allem Gemeinden im ländlichen Raum beinhaltet, ist es nur bedingt aussagekräftig. Aus den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz gab es zunächst noch keine Meldungen.

AfD in mehreren Wahlkreisen vorn

Auch bei den Erststimmen lag die AfD den Zwischenergebnissen zufolge in mehreren Wahlkreisen in Führung. Hoffnungen auf ein Direktmandat konnten sich demnach ihre Kandidaten in den Kreisen Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge machen, in letzterem stand AfD-Chefin Frauke Petry zur Wahl.

Die AfD bei der Auszählung der Stimmen im Neuen Rathaus in Leipzig

Die AfD bei der Auszählung der Stimmen im Neuen Rathaus in Leipzig.

Quelle: Christian Modla

Nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF fällt die Union auf ihr schwächstes Ergebnis seit 1949, bleibt aber mit 32,7 bis 33,3 Prozent stärkste Kraft. Die einstige Volkspartei SPD stürzt auf ein Rekordtief von 20,2 bis 20,8 Prozent (25,7). Die AfD, 2013 noch knapp gescheitert, legt mit 13,2 bis 13,4 Prozent auf knapp das Dreifache zu (4,7).

Die Grünen verbessern sich auf 9,2 bis 9,4 Prozent, die Linken verharren leicht über ihrem alten Niveau bei 8,9 Prozent (8,6). Die FDP überspringt mit 10,1 bis 10,5 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde und zieht wieder in den Bundestag ein. Zahlen aus Sachsen lagen zunächst noch nicht vor. Es zeichnete sich jedoch eine höhere Wahlbeteiligung ab als vor vier Jahren.

Was haben wir falsch gemacht?

Sollten sich die Hochrechnungen bestätigen, könne die Union weiter die Bundesregierung unter einer Kanzlerin Angela Merkel (CDU) anführen, sagte Tillich im MDR-Fernsehen. Zugleich gebe das Ergebnis der Union und dem bisherigen Koalitionspartner SPD aber die Frage auf, „was haben wir falsch gemacht“.

CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer erwartet, dass die kommenden vier Jahre stark „von der Auseinandersetzung mit den populistischen Positionen der AfD“ geprägt sein werden. „Dabei ist argumentieren nötig und nicht agitieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Martin Dulig nennt AfD „Postfaschisten“

Angesichts des AfD-Ergebnisses könne „sich kein Demokrat freuen“, meinte Sachsens Verkehrsminister Dulig (SPD). Es würden nun Abgeordnete im Bundestag sitzen, die man als „Post-Faschisten“ bezeichnen müsse. Das sei für die Sozialdemokraten mit ihrer Geschichte besonder bitter. Dulig forderte die SPD-Mitglieder aber auf, jetzt den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Es gebe viel zu tun.

Martin Dulig bezeichnet die AfD als „postfaschistisch“

Martin Dulig bezeichnet die AfD als „postfaschistisch“.

Quelle: Daniel Förster

„Mit der AfD ziehen Nazis im Anzug in den Bundestag ein“, meinte Linken-Chef Rico Gebhardt. Ihr Ergebnis sei nicht nur mit Protestwahl zu erklären. „Es geht um grassierende Fremdenfeindlichkeit und einen herrschenden Rechtstrend in diesem Land.“

Die Grünen-Ko-Vorsitzende Christin Melcher sprach von einem erschreckenden Ergebnis. „Alle Demokratinnen und Demokraten müssen nun zusammenstehen und sich zur Aufgabe machen, einer Spaltung der Gesellschaft entgegen zu treten und gemeinsam unsere demokratischen Grundwerte zu verteidigen.“

Petry sieht im Wahlerfolg ihrer AfD den Ansporn, in den kommenden vier Jahren den „Regierungswechsel für 2021“ vorzubereiten. Im Bundestag werde die AfD die Ideen zur Sprache bringen, „die wir außerparlamentarisch auch schon präsentiert haben (...). Aber sie müssen mehrheitsfähig werden in Deutschland.“ Am Ende müsse die AfD Mehrheiten für eine Koalition „mindestens auf Augenhöhe, besser aber als führender Kopf“ erlangen.

Hier erscheinen nach der Auszählung alle Ergebnisse aller Wahlkreise in der Bundesrepublik.

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