Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
Google+ Instagram YouTube
Kretschmer: „Ich suche die Fehler zuerst bei mir selbst“

CDU-General Kretschmer: „Ich suche die Fehler zuerst bei mir selbst“

Michael Kretschmer wurde vom Ausgang der Bundestagswahl überrascht. Der CDU-General verliert nach 15 Jahren den Wahlkreis Görlitz an die AfD.

Michael Kretschmer sitz ab sofort nicht mehr im Bundestag.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er ist das prominenteste Gesicht des CDU-Debakels in Sachsen – Generalsekretär Michael Kretschmer (42). Seit 15 Jahren sitzt der Görlitzer für seinen Oberlausitzer Wahlkreis im Bundestag, war mit 27 politisch spektakulär gestartet und musste in der Nacht zum Montag seine erste große Niederlage verkraften. Der in Dresden liierte Familienvater (zwei Söhne) ist einer von drei CDU-Spitzenleuten, die das direkte Duell mit AfD-Kandidaten verloren. Für Kretschmer, der im Ausschuss für Bildung und Wissenschaft viele Millionen Euro an Fördergeldern in Sachsens Hochschulen lotste, zieht jetzt AfD-Gewinner Tino Chrupalla (41) nach Berlin.

„Ich bin noch frohen Mutes in den Wahltag gegangen, weil ich wusste, was wir als CDU für die Oberlausitz erreicht haben“, sagte Kretschmer am Montag am Telefon. Doch die langsam eintrudelnden Wahlergebnisse hätten ihn schockiert. „Ich konnte das zunächst nicht glauben, aber musste dann die Realität anerkennen.“ Es sei aber noch zu früh für eine detaillierte Fehleraufarbeitung, er habe noch keine schlüssige Erklärung für sein Scheitern. „Ich suche die Fehler zuerst bei mir und nicht bei anderen.“ Persönlich fühle er sich zwar getroffen, aber man habe eben kein Abonnement auf ein Mandat. „Wenn die Dinge so laufen wie in meinem Wahlkreis, muss man das demokratisch akzeptieren.“

Trotz der Enttäuschung über sein Aus will Kretschmer in der Landespolitik weiter mitmischen. Der Görlitzer, der in Dresdner Hinterzimmern immer mal wieder als Nachfolger von Ministerpräsident Tillich gehandelt wird, will das Amt als CDU-Generalsekretär (seit 2005) weiter ausüben. „Ich mache die Arbeit sehr gern, aber das letzte Wort dazu hat die Partei“, sagte er.

Nächste Gelegenheit dazu ist beim Landesparteitag am 8. Dezember mit der Neuwahl des Landesvorstandes. „Wenn ich gewünscht und gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung.“ Für die nächsten Wochen hat er sich Zeit mit viel Nachdenken verordnet, und er kann sich auf seinen familiären Rückhalt verlassen. Sein kleiner Sohn sehe im Bundestags-Scheitern des Vaters auch eine Chance. „Er hofft jetzt, dass ich ihn in der Kita nun auch als Mittagskind mal abhole.“

André Böhmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wahl in Leipzig und Umgebung
Wahl-O-Mat

Vergleichen Sie Ihre eigenen Standpunkte mit den Antworten der Parteien auf die wichtigsten aktuellen Fragen. mehr

Welche Koalition soll nach der Bundestagswahl 2017 regieren?