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Leipziger Forscher: „Es geht AfD-Wählern um Protest und Unmutsäußerungen“

Platz eins im Osten Leipziger Forscher: „Es geht AfD-Wählern um Protest und Unmutsäußerungen“

Im Osten landet die AfD auf Platz zwei hinter der Union. Der Erfolg hat auch mit Wählern zu tun, die gerne mit Extremen liebäugeln, wie ein Leipziger Wissenschaftler sagt.

Der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger.

Quelle: Christian Modla

Berlin - . Der große Erfolg der AfD im Osten geht für den Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger auch auf die geringe Treue der Wähler zu den etablierten Parteien zurück. „Die Wähler sind hier eher zum Wechsel bereit. Starke Parteiloyalitäten, wie wir sie lange aus dem Westen kennen, hat es hier im Osten nach dem Mauerfall nie gegeben“, sagte Träger nach der Bundestagswahl am Sonntag. „In den neuen Ländern sind die Bürger eher bereit, auch mal Extreme zu wählen.“ Somit fielen die politischen Ausschläge deutlicher aus.

Bei der Wahl am Sonntag waren die Rechtskonservativen mit rund 22 Prozent stärkste Kraft im Osten nach der Union geworden. Bundesweit kam die AfD auf Platz drei.

Laut Hochrechnung von Infratest dimap stimmten 21,6 Prozent für die AfD. Die Linke verlor deutlich und ist mit 16,2 Prozent auf Platz drei gerutscht. Noch vor vier Jahren hatte die AfD im Osten 5,9, die Linke lag bei 22,7 Prozent. Die CDU wurde mit rund 27 Prozent stärkste Kraft im Osten, die SPD kam auf knapp 15 Prozent.

Zu den bestimmenden Gründen für das gute Ergebnis der AfD nannte Träger an erster Stelle die Flüchtlingsdebatte. Sie habe der AfD den entscheidenden Auftrieb gegeben und in den neuen Ländern einen Nerv getroffen. „Im Osten herrscht teilweise die Wahrnehmung, dass für die Flüchtlinge alles getan werde, aber die Einheimischen vernachlässigt würden“, sagte Träger.

Zugespitzt laute die Frage dazu bei vielen: „Warum die und nicht wir?“. Zwar fehle diesem verbreiteten Empfinden die reale Grundlage. „Aber Politik hat eben viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu tun“, sagte der Leipziger Politikwissenschaftler.

Bei den AfD-Wählern spiele Ideologie eine nachgeordnete Rolle. „An erster Stelle steht die Unzufriedenheit mit den Regierungsparteien – mit "denen in Berlin".“ Auch die Erwartungen an die AfD an konkreter Arbeit als Oppositionspartei im Bundestag seien eher gering. „Es geht in erster Linie um Protest und Unmutsäußerung.“

Eine neue Diskussion über den Zustand der Einheit werde aber der AfD-Erfolg nicht auslösen. „Die AfD hat in ihrem Wahlprogramm zum Osten keine Position und versteht sich auch nicht als Ostpartei“, sagt der Wissenschaftler der Universität Leipzig.

Von Esteban Engel

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