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Merkel bei Wahlkampfauftritt in Torgau niedergebrüllt

"Volksverräter"-Rufe Merkel bei Wahlkampfauftritt in Torgau niedergebrüllt

Hass und ohrenbetäubende Trillerpfeifen schlugen der Kanzlerin am Mittwoch bei einem Wahlkampfauftritt im nordsächsischen Torgau entgegen. Aber sie zog ihre Rede durch. Mit Brüllerei komme Deutschland nicht voran, sagte Ministerpräsident Tillich, der die Kanzlerin begleitete.

Der Auftritt von Angela Merkel auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU in Torgau (Sachsen) wurde von Protesten begleitet.

Quelle: dpa

Torgau. Schon bevor Angela Merkel auf dem Marktplatz im nordsächsischen Torgau ankommt, grölen Anhänger von NPD und AfD - dann brüllen sie die Kanzlerin während ihrer gesamten Rede nieder. Für die CDU war es am Mittwochabend einer der schlimmsten Auftritte der bisherigen Wahlkampftour. Merkel zog ihre gut 30-minütige Rede unter anderem über Steuerpolitik, Anti-Terrorkampf und Bildungschancen aber unbeirrt durch - trotz „Buh“- und „Volksverräter“-Rufen. Auch „Abwählen“ und „Hau ab“ wurde geschrien.

Gleich zu Beginn richtete sie indirekt das Wort an die wütenden Protestierer: Andere Länder würden sich freuen, „wenn sie unter so demokratischen Bedingungen demonstrieren könnten“. Sie mahnte: „Und deshalb können wir dankbar sein, dass wir heute Demokratie haben in Deutschland und freie Wahlen. Andere Völker träumen davon.“

Der Wahlkampfauftritt von Angela Merkel (CDU) in Torgau wurde am Mittwoch von Protesten begleitet. Rund 1200 Menschen kamen, um die Kanzlerin zu sehen. Während ihrer Rede gab es immer wieder Pfiffe und Buhrufe.

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Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ging ungewöhnlich deutlich und ohne Umschweife auf die Hasstiraden der schreienden Menge ein. Diese Menschen seien nicht in der Lage, sich einer Debatte zu stellen, sondern machten „nur Radau und Krawall“. Tillich: „Diese Republik wird nicht durch Brüllerei vorwärtskommen.“ Auch der örtliche Direktkandidat der CDU, Marian Wendt, wandte sich gegen die „Schreihälse“ unter den nach Polizeiangaben 1200 Menschen auf dem Platz.

Schätzungen zufolge waren mehrere Hundert Merkel-Gegner dort. Sie hupten, pfiffen und schrien rund um den Veranstaltungsplatz - auch in unmittelbarer Nähe zur Bühne. Insgesamt waren drei Gegendemonstrationen angemeldet. Die Alternative für Deutschland kam mit einem Bus in die Stadt an der Elbe, NPD-Anhänger hielten Plakate hoch. Auch die rechtsradikale Thügida aus Thüringen war mit einem Lautsprecherwagen vor Ort.

Merkel warb eindringlich dafür, zur Bundestagswahl zu gehen. „Sie spüren ja hier auf diesem Platz: Es wird am 24. September darauf ankommen.“ Alle müssten sich genau überlegen, mit wem sie „gut und gerne in Deutschland leben können“. Die CDU mache nicht immer alles richtig, aber sie könne Politik für die Menschen machen.

Am Vortag war Merkel im baden-württembergischen Heidelberg mit Tomaten beworfen worden. Bei ihrem ersten Auftritt in Sachsen Mitte August in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge war sie ebenfalls mit massiven Protesten aus dem AfD- und Pegida-Umfeld empfangen worden.

In ihrer Sommer-Pressekonferenz am 29. August hatte die CDU-Vorsitzende erklärt: „Ich finde es besonders wichtig, dass ich deshalb in vielen Städten der neuen Bundesländer auftrete, weil ich gerade auch Menschen ermutigen möchte, dorthin zu kommen und eben auch Flagge gegen das Gebrüll zu zeigen, dass es da ja zum Teil gibt. Damit muss man leben. Das ist Demokratie.“

LVZ

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