Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Campus Online
Google+ Instagram YouTube
Für mehr Rhetorik an und vor der Wand

Der Absacker Für mehr Rhetorik an und vor der Wand

Die Spezies "D ozentae Ich überlade meine Folien bis nichts mehr drauf passtae" strapaziert die Nerven von Studierenden. Dagegen helfen die Performer unter den Dozenten. An ihren Lippen hängen die Bewohner jedes Seminarraumes.

Quelle: Gisela Gramsch

Leipzig. Die Treppenstufen sind an jenem Morgen besonders leicht zu überwinden. Der in einer Thermoskanne mitgebrachte Wachmacher hat genau die richtige Temperatur und das Verhältnis von Milch zu Kaffee ist optimal. Jemand hat bereits die Fenster geöffnet. Ich rieche frische Luft. Im Innenhof des Seminargebäudes höre ich ein bescheidenes Vogelzwitschern, das gerade so laut ist, um mich nicht zu stören, das ich unbewusst als Vorbote des Frühlings wahrnehme. Die Kommilitonen lächeln sich zu.

Guter/n Morgen!

Die Tür öffnet sich und der Dozent betritt den Raum. Auch heiter. Auch wach. Nach einem Blickkontakt wissend um die gleiche Freude über den schönen Morgen. Die studentische Hilfskraft hat bereits die Technik vorbereitet: also Beamer anschalten und mit dem Laptop verbinden. „Danke Lena! Hat geklappt?“ Hat geklappt. Das Seminar kann beginnen. Erste Folie der Power-Point-Präsentation. Augendrehen. Die Stimmung kippt.

Es gibt ihn und sie: die Männchen und Weibchen der Gattung Dozentae IchüberlademeineFolienbisnichtsmehrdraufpasstae! Das ist der Moment, in dem der noch so schönste Morgen aller Morgen nicht darüber hinwegtäuschen kann, wie viel rhetorische Unfähigkeit sich zuweilen hinter den glatten Fassaden der Universität verbirgt. Das ist der Moment, in dem man sich einen quirlig-enthusiastischen Überflieger wünscht, der das Selbstbewusstsein inhaliert hat und seit der zweiten Klasse weiß, wie man ein Publikum für sich gewinnt. „Das gehört nicht in die Uni, dort ist nüchterne Sachlichkeit gefragt“, könnte man erwidern. Auch richtig. Aber nicht nur. Wir brauchen mehr Performer unter den Dozenten. Seid mal ein bisschen mehr Klassensprecher und weniger Pausenaufsicht. Seid mal ein bisschen mehr Roger Willemsen und weniger Bömmel. Und vor allen Dingen: knallt eure Folien nicht bis zum Rand mit Buchstaben voll. „ Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann.“ Hat er mal wieder recht, der Saint-Exupéry.

Ole Steffen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Absacker
  • So geht Familie
    So geht Familie: Die Serie für Familien in Leipzig

    Die LVZ-Serie mit Tipps und Informationen für Leipziger Familien. Jetzt neu: Anlaufstellen für Familien in Notlagen.  mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Kino, Konzerte, Theater in Leipzig: Mehr als 20.000 Termine im Veranstaltungskalender der Leipziger Volkszeitung. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr