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Das Debakel um die Souvenirs der Uni Leipzig

Merchandising-Artikel Das Debakel um die Souvenirs der Uni Leipzig

Der Merchandising-Shop auf dem Campus Augustusplatz hat seit Monaten geschlossen. Während die Uni an einem neuen Konzept bastelt, wirft ihr der Ex-Betreiber des Leibnizladens Desinteresse und Bruch des Lizenzrechts vor.

So sieht die Website des Leibnizladens zurzeit aus: Werbung für nachproduzierte Uhren aufgrund der hohen Nachfrage Ende 2010, ein Fotokalender 2013 und neue Beutel vom 13.12.2012.

Quelle: Natalie Montag

Leipzig. Weinrote Kapuzenpullover, CDs mit Jubiläumsmusik, giftgrüne Schlüsselanhänger: Solche Souvenirs, mit dem Siegel der Universität Leipzig bedruckt, konnte man früher im Leibnizladen auf dem Campus Augustusplatz kaufen. Seit April aber ist der Unishop zu. Im Juni hat die Hochschule einen Zettel an der Tür angebracht, auf dem sie um Geduld bittet. Die Souvenirs können zurzeit im Internet und in der benachbarten Buchhandlung Lehmanns erstanden werden – allerdings wird darüber offline wie online nicht informiert.

Aktuell die einzige Kundenkommunikation der Uni Leipzig: Ein Zettel an der Tür des Leibnizladens.

Quelle: Natalie Montag

Auf der Website der Universität ist die Homepage des Leibnizladens noch verlinkt. Und die ist hoffnungslos veraltet: Die Öffnungszeiten sind weiter mit „Mo-Fr 11.00-16.00 Uhr, Sa gelegentlich“ angegeben, Einträge von Ende 2012 informieren über den Fotokalender 2013 und andere nicht mehr ganz aktuelle Produkte, die nun bald im Uni-Shop erhältlich seien. Um den Facebook-Auftritt ist es nicht besser bestellt: Im letzten Eintrag vom Januar werden frühlingshafte weiße Tassen angepriesen. Die letzte Google-Bewertung des Ladens ist eine Beschwerde eines Kunden über bezahlte, aber monatelang nicht gelieferte Ware.

Was ist da los? Eigentlich sind Merchandising-Produkte und deren Verkauf Bestandteil der universitären Öffentlichkeitsarbeit. Auf Nachfrage erklärt Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann, der Kooperationsvertrag mit dem Lizenznehmer Roman Kandler sei zum 30. September gekündigt worden, derzeit werde an einem neuen Konzept gearbeitet.

„Desinteresse und Ahnungslosigkeit“

Der Lizenznehmer ist sehr viel gesprächiger – und wütend. Roman Kandler, ehemaliger Betreiber des Humboldt-Ladens an der HU Berlin, wo er einst auch Student gewesen war, hatte den Leibnizladen im Jahr 2010 eröffnet und damit den seit 2006 laufenden Merchandising-Verkauf der Leipziger Alma Mater übernommen. „Während des Betriebs ist es zu keiner Unterstützung gekommen, höchstens zu sporadischen Besprechungen“, erzählt der 41-Jährige. Er wirft der Uni Desinteresse und auch Ahnungslosigkeit vor: „Die Uni hatte nie einen Fokus auf ihren eigenen Merchandising-Artikeln.“ Er meint, die Uni hätte ihre vorhandenen Kontakte und Netzwerke nutzen sollen, um nach neuen Werbeplattformen für die Artikel zu schauen.

Sogar von gebrochenem Lizenzrecht spricht Kandler: „In mindestens zwei Fällen hat die Uni Designelemente auf gleichwertige Artikel kopiert und sie ohne mein Wissen zum Kauf anbieten lassen. Ein Parallelverkauf ist aber niemandem gestattet.“ So wurden die Produkte laut Kandler bei einem Alumni-Treffen im Juni 2016 verkauft. Da aktuell aber noch er die Lizenz zum Verkauf besitzt und die Universität keine eigenen Einnahmen erwirtschaften darf, hätte die Öffentlichkeitsabteilung das mit ihm abklären müssen. Als Indiz dafür gibt es zumindest einen mit Merchandising-Artikeln bebilderten Xing-Aufruf der Hochschule vom 14. Juni, bei dem ein „Alumni-Kiosk“ angekündigt wird.

Außerdem habe die Universität 2013 die Konferenzmappe des Leibnizladens nach eigenem Gutdünken nachproduzieren lassen. Kandler habe die Öffentlichkeitsabteilung per E-Mail im November 2013 damit konfrontiert und habe zur Antwort bekommen, dass man in Eile gewesen war. Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann möchte sich zu dem Vorwurf des Rechtsbruchs nicht äußern. Er streitet ihn aber auch nicht ab und fragt stattdessen, warum Kandler denn dann keine rechtlichen Schritte einleite. Im Übrigen würde die Uni nicht öffentlich über Geschäftspartner reden und erst recht „keine schmutzige Wäsche waschen“.

Nach der Euphorie: die Kündigung

Roman Kandler erzählt, wie es zum Konflikt zwischen ihm und der Universität kam. Dabei räumt Kandler zu Beginn auch eigene Fehler ein. Zwischenzeitlich sei das Geschäft aufgrund privater Probleme nicht gut gelaufen. „Als meine Frau ein drittes Kind bekam, konnte ich als Alleinverdiener den Lebensunterhalt durch den Laden nicht mehr aufbringen, die Einnahmen schwankten stark. Deshalb habe ich für ein gesichertes Einkommen einen zweiten Job angenommen.“ Als Konsequenz hatte der Laden zeitweise nur zwei Tage die Woche auf und war teils nicht ausreichend befüllt.

Der seit April geschlossene Unishop - Gegenstand des Konflikts.

Quelle: Natalie Montag

Dann sei es im November 2015 zu einem ermutigenden Gespräch mit der neuen Stabstelle für Universitätskommunikation gekommen. Kandler erzählt von tollen Ideen. Euphorisch seien die Beteiligten gewesen und offen zueinander. Anschließend seien er und sein Team sehr motiviert gewesen und hätten das Konzept neu ausgerichtet. Doch Ende Januar kündigte ihm plötzlich die Universität den Vertrag. „Ich schlug vor, trotz der Kündigung zum 31. März den Laden für die Übergangszeit bis Ende September weiterzuführen. So hätte ich letzte Ware verkaufen können und es hätte keinen Leerstand gegeben.“ Das habe die Uni abgelehnt und ihm nur eine sehr geringe Summe zugunsten eines Aufhebungsvertrags angeboten, was er nicht annehmen konnte. Seitdem herrscht Funkstille und das Uni-Merchandising liegt brach.

Heckmann erklärt zu dem konstruktiven Treffen im November 2015, es gebe unterschiedliche Sichtweisen auf Gespräche. Auch stellt er die Frage, wie engagiert Kandler selbst eigentlich bei der Vermarktung seiner Produkte gewesen sei, und erklärt: „Manche Geschäftsbeziehungen setzt man fort, wenn es gut läuft, sonst eben nicht.“ Die Uni habe sich aus guten Gründen für eine Neuausrichtung entschieden. Der lange Leerstand des Ladens sei bedauerlich, aber darauf zurückzuführen, dass es für den Mietvertrag des Ladens und die Lizenzvereinbarung unterschiedliche Kündigungsfristen gebe. „Dass der Leibnizladen vorerst geschlossen werden musste, bedauern wir, ebenso die Irritationen, die bei möglichen Kunden gewiss aufgetreten sind.“

Natalie Montag

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