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Expertin: Nichtnennung von Frauen führt zu einseitigen Bildern im Kopf

Untersuchung Expertin: Nichtnennung von Frauen führt zu einseitigen Bildern im Kopf

Elke Heise ist Psychologie-Professorin an der TU Braunschweig. Im Jahr 2000 hat sie die Studie „Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen“ durchgeführt. Ihre Ergebnisse sind eindeutig.

(Symbolfoto)

Quelle: Pixabay

Leipzig. Frau Professorin Heise, ist geschlechtsneutrale Sprache wirklich so wichtig?

Sprache beeinflusst mentale Repräsentation. Wenn Frauen in der Sprache nicht vorkommen, werden sie auch mental unterrepräsentiert.

Wie haben Sie das in Ihrer Untersuchung denn herausgefunden?

Wir haben unter dem Vorwand einer Studie zur Kreativität 150 Studierenden schriftlich Sätze vorgegeben, die als Satzsubjekt eine Personenbezeichnung im Plural entweder in maskuliner Form – also: Zwei Besucher eines Museums lösen einen Alarm aus –, in der Binnen-I-Form, also BesucherInnen oder in der Schrägstrich-Schreibweise, also Besucher/innen, enthielten. Die Aufgabe der Studierenden war es, jeweils eine kurze, interessante Geschichte zu den vorgegebenen Sätzen zu schreiben und dabei die Personen vorgeblich um der größeren Anschaulichkeit willen auch namentlich zu benennen.

Aus den gewählten Namen wird die Geschlechtszugehörigkeit der mental repräsentierten Personen deutlich. Die Ergebnisse zeigen, dass die maskuline Sprachform zu signifikant mehr männlichen Repräsentationen führt als die Binnen-I-Form und die Schrägstrich-Form. Die maskuline Form führt auch zu signifikant mehr männlichen Repräsentationen, als unter der Annahme einer Gleichverteilung zu erwarten gewesen wäre, die Binnen-I-Variante dagegen zu mehr weiblichen Repräsentationen. Lediglich die Schrägstrich-Form führt zu gleich vielen männlichen wie weiblichen Repräsentationen.

Welche Formulierung empfehlen Sie?

Ich empfehle die Beidnennung, also Besucherinnen und Besucher. Auch die Schrägstrich-Form, also Besucher/innen, hat sich in unserer Studie als geschlechtergerecht erwiesen.

Leipzig war 2013 in den Medien, weil es die Fußnoten-Methode umgedreht hat: In der Grundordnung heißt es nun "Professorinnen" und "Doktorandinnen". Eine Fußnote erklärt, dass Männer mitgemeint seien. Was halten Sie davon?

Das ist nun auch nicht geschlechtergerecht. Es erscheint mir aber ganz nützlich, um auf das Phänomen aufmerksam zu machen und auch Männer erfahren zu lassen, wie sich sprachliche Diskriminierung anfühlt. Die teilweise heftigen Reaktionen auf die Maßnahme zeigen, dass dies gelungen ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Theresa Hellwig 

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