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Umschwung in der sächsischen Hochschulpolitik?

Studierendenzahl Umschwung in der sächsischen Hochschulpolitik?

Ein Jahr nach den Koalitionsverhandlungen fordern nun Teile der CDU eine Korrektur der Studierendenzahl bis 2025. Schließlich hängt von der Zahl der Studierenden die Zahl der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter ab.

Studierende an der Uni Leipzig.

Quelle: Marie-Kristin Landes

Leipzig. 105.000 – diese Zahl geistert seit wenigen Wochen durch die sächsische Hochschulpolitik. Der Grund: ein Antrag vom 14. November auf dem Landesparteitag der CDU. Dieser stellt die im Koalitionsvertrag festgelegte Herabsetzung der Studierendenzahl von aktuell fast 113.000 auf 95.000 bis zum Jahr 2025 in Frage. Eine Zielgröße, die langfristig die Qualität der Lehre und Forschung an den sächsischen Hochschulen verbessern soll. Schließlich hängt von der Zahl der Studierenden die Zahl der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter ab. Die bisherige Begründung: Aufgrund des demografischen Wandels würden zukünftig weniger sächsische Abiturienten an die hiesigen Hochschulen strömen. Tatsächlich steigen jedoch seit einigen Jahren die Studierendenzahlen entgegen dieser Prognose an.

Studierten im Jahr 2000 lediglich 84.516 junge Menschen in Sachsen, wuchs ihre Zahl bis 2014 auf 112.574 an. Allein 28.000 von ihnen waren im vergangenen Wintersemester an der Universität Leipzig eingeschrieben. „2011 gab es noch die Sorge, die Bewerberzahlen könnten künftig abfallen. Stattdessen sind sie massiv gestiegen. Dass Prognosen, nach denen ein massiver Rückgang zu erwarten war, nicht eingetreten sind, darauf haben wir immer wieder sehr deutlich hingewiesen“, bestätigt Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann.

Auch die Kultusministerkonferenz 2012 korrigierte die langfristige Prognose der Studienanfängerzahlen bis 2025 sowohl bundesweit als auch für Sachsen, nach oben. Im vergangenen Jahr gaben die sächsischen Studentenwerke in einem Argumentationspapier an, dass mittelfristig mit gleichbleibenden und langfristig steigenden Studierendenzahlen zu rechnen sei. Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig: Die alten Bundesländer stellten von dreizehn auf zwölf Jahre Abitur um, die Wehrpflicht entfiel, mehr Schüler schließen die Schule mit der Hochschulreife ab und die ostdeutschen Universitäten werden für Studienanfänger immer attraktiver.

Fakten, die der Landesregierung nicht unbekannt sind. Trotzdem entschied sie sich im vergangenen Jahr dazu, die Studierendenzahl langfristig niedriger anzusetzen. Ein Kompromiss, auf den sich die SPD mit der CDU einließ: Im Gegenzug „ist die Koalition zum Abschluss einer langfristigen Zuschussvereinbarung mit einer Laufzeit bis 2025 bereit und wird auf den geplanten Stellenabbau

von 754 Stellen ab 2017 verzichten“, wie es im Vertrag heißt. „Wir haben lange, im Rahmen der Koalitionsverhandlungen, über die Zielzahl für das Jahr 2025 gerungen“, sagt Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD). Den Antrag mit der Nummer 17, der nun von der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) auf dem Landesparteitag der CDU auf die Tagesordnung gebracht wurde, nimmt sie deshalb positiv auf.

Initiiert hat ihn jedoch nicht die CDA, sondern der Landesverband des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). In ihrem Antrag weisen Sie auf folgendes hin: Um das Ziel der 95.000 Studierenden in den kommenden zehn Jahren zu erreichen, müssten pro Jahr jeweils 1700 Personen weniger ein Studium in Sachsen aufnehmen– oder ihnen müsse der Zugang eben verwehrt werden. „Dies steht allerdings im Widerspruch zu dem Mangel an Akademikern, der durch den viel beschriebenen demografischen Wandel zu erwarten ist.“. Aus diesem Grund sei es besser, mit einem langsameren Rückgang der Studierendenzahlen um jährlich 800 Personen zu rechnen, was 105.000 Studierenden bis 2025 entspricht.

Eine Zielgröße, die großen Zuspruch findet. „Der Antrag hat uns überrascht. Es ist ein schönes Bekenntnis“, sagt Paul Hösel, Landesvorsitzender der Konferenz der Studierendenschaft Sachsen (KSS), welche ebenfalls eine Korrektur der Zielzahl fordert. Und auch die SPD zeigt sich überrascht, wenn auch verhaltener. „Das ist eine spannende Debatte, die wir mit Interesse beim Koalitionspartner beobachten“, erklärt der Leipziger SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann.

Doch es ist eben nur eine Debatte. Der Antrag, der zwar viele auf eine Korrektur hoffen lässt, wurde bisher nicht angenommen, sondern lediglich an den CDU-Landesvorstand verwiesen. Für SPD-Kreise eher ein Anzeichen dafür, dass der Antrag „sang- und klanglos“ unter den Tisch fallen anstatt tatsächlich diskutiert werden wird. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten will das jedoch verhindern. „Ich glaube zwar nicht, dass die CDU den Antrag in der Form annimmt, wie er eingereicht wurde. Aber das Thema ist zumindest auf der Agenda“, erklärt der Landesvorsitzende Robert Baumgart. Und auch der CDU-Landtagsabgeordnete Wolf-Dietrich Rost sieht die Möglichkeit, dass seine Partei nicht stur an der Zahl aus dem Koalitionsvertrag festhält. Aber für eine mögliche Korrektur, und die damit verbundene Änderung des Koalitionsvertrags muss eben erst ein klares Zeichen aus der CDU kommen. „Wenn die Diskussion ernsthaft geführt wird, dann ist die SPD da gern dabei, ich sowieso“, sagt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. „Denn ich glaube, jede Zahl, die man fix macht, wird der Entwicklung im Hochschulbereich nicht gerecht.“ Denn, wie es der sächsische Fall zeigt, ist auf Prognosen und Hochrechnungen kein hundertprozentiger Verlass.

Von Marie-Kristin-Landes

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