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Uni Leipzig ist jetzt „Fairtrade University“

Zertifikat Uni Leipzig ist jetzt „Fairtrade University“

Nach der Universität des Saarlandes und der Universität Rostock ist die Universität Leipzig die bundesweit dritte Hochschule, die vom Verein Transfair mit dem Gütesiegel ausgezeichnet wurde. Doch was bedeutet das eigentlich?

Im Rahmen des Festakts des 606. Jahrestags der Gründung der Alma Mater nimmt Rektorin Beate Schücking die Urkunde der Entwicklungshilfeorganisation Transfair entgegen.

Quelle: Swen Reichhold / Universität Leipzig

Leipzig. Die Universität Leipzig darf sich seit November „Fairtrade University“ nennen und das feiert sie: Kürzlich nahm sie im Rahmen des Festakts des 606. Jahrestags der Gründung der Alma Mater die Urkunde der Entwicklungshilfeorganisation Transfair entgegen. Man wolle ein sichtbares Zeichen für eine nachhaltige Zukunft setzen, sagte Rektorin Beate Schücking: „Fairer Handel ist unverzichtbar, wenn es um soziale Verantwortung und Armutsbekämpfung in der globalisierten Welt geht. Es ist auch eine Aufgabe der Hochschulen, das Bewusstsein für fairen Handel zu stärken und den umweltbewussten Konsum auf dem Campus zu fördern."

Aber was bedeutet das Zertifikat konkret? Vielen dürfte das „Fairtrade“-Logo vor allem von Produktverpackungen etwa bei Kaffee und Schokolade bekannt sein. Es zeigt dem Käufer an, dass bei der Herstellung bestimmte soziale und ökologische Kriterien eingehalten wurden, kontrolliert durch den Kölner Verein Transfair. Seit ein paar Jahren können sich nun auch Städte, Schulen oder Hochschulen zertifizieren lassen, wenn sie bestimmte Kriterien einhalten.

Die Universität Leipzig musste für das Zertifikat einen Hochschulbeschluss fassen und eine Steuerungsgruppe gründen. Darüber hinaus muss mindestens einmal im Vierteljahr eine Veranstaltung zum Thema fairtrade stattfinden, bei Sitzungen und offiziellen Veranstaltungen müssen mindestens zwei „Fairtrade“-Produkte angeboten werden, und die Hälfte aller Läden auf dem Campus muss mindestens zwei „Fairtrade“-Produkte verkaufen.

Nicola Klöß, Beauftragte der Uni für Umweltfragen, erklärt: „Die Kriterien mögen überschaubar erscheinen. Aber es steckt viel Engagement dahinter, auch seitens der Studierenden. Wir wollen uns auch nicht auf dem Siegel ausruhen, sondern uns weiter vortasten und schauen, in welche Bereiche wir das Prinzip des fairen Handels noch integrieren können.“

Zum Beispiel stehe die Mensa am Peterssteinweg seit November unter dem Motto Nachhaltigkeit: Obst und Gemüse würden hier, soweit möglich, regional bezogen, es gebe zunehmend vegane Gerichte und Fleisch aus artgerechter Haltung. Auch im Verkaufsshop im Botanischen Garten würden „Fairtrade“-Souvenirs verkauft. „Und im Rahmen des Studiums Universale sollen Studierende im nächsten Semester eine Veranstaltung zum Thema fair gehandelter Kaffee belegen können“, so Nicola Klöß.

Doch es gibt auch Kritik am „Fairtrade“-Siegel: Einer Studie der Universitäten Berkeley und San Diego aus dem Jahr 2010 zufolge sind die Zertifizierungskosten so hoch, dass sie die wirtschaftlichen Vorteile für Produzenten beinahe wieder zunichtemachen. Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (GEPA) – der größte europäische Importeur von fair gehandelten Produkten  – verzichtet zunehmend auf das Fairtrade-Siegel. Stattdessen verpasst GEPA seinen Produkten nun das Siegel „fair+“, das fairen Handel zu 100 Prozent garantieren soll, während das „Fairtrade“-Siegel sich nur auf den Anbau und Verkauf der Rohware bezieht. Ein weiterer Kritikpunkt am Siegel ist, dass seit 2011 bei Mischprodukten wie Keksen oder Eis nur ein Fünftel der Inhaltsstoffe fair gehandelt sein muss, um das begehrte „Fairtrade“-Etikett tragen zu dürfen. Da kann man sich schon fragen: Wie effektiv ist es, wenn die Universität Leipzig in der Hälfte ihrer Läden jeweils zwei „Fairtrade“-Produkte vertreibt, die unter Umständen jeweils nur zu 20 Prozent fair gehandelt sind? Begeht man als Käufer von „Fairtrade“-Produkten oder als Universität mit einer „Fairtrade“-Zertifizierung wirklich eine so gute Tat, wie man glaubt?

Benno Fuchs, Referent für Ökologie im Student_innenrat und ebenso wie Nicola Klöß Mitglied der Steuerungsgruppe, kennt die Kritik am Siegel. Notwendig ist ihm zufolge, dass zusätzlich zum fairen Handel gefördert wird, dass die südlichen Länder ihre Produkte nicht nur als Rohware verkaufen, sondern sie selbst weiterverarbeiten.

Trotzdem ist Benno Fuchs davon überzeugt, dass die Kooperation mit Transfair ein Schritt in die richtige Richtung ist: „An den Mängeln muss Transfair definitiv arbeiten. Dennoch garantiert das Zertifikat zum Beispiel, dass keine Kinderarbeit im Spiel ist und die Produzenten konstante Löhne erhalten. Außerdem erreichen wir, dass sich die Studierenden an der Uni Leipzig überhaupt mit dem Thema auseinandersetzen.“

Das sieht Jana Rüger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement, ähnlich: „In einigen Bereichen wie Vergabekriterien, Verfahrenstransparenz sowie Evaluation besteht beim „Fairtrade“-Siegel sicherlich noch Verbesserungsbedarf – und übrigens auch bei anderen Siegeln. Ich halte Siegel aber grundsätzlich für ein geeignetes Mittel, um etwas zur Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern, beizutragen.“

Von Ines Eisele

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