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Verschwiegenheitsklauseln und Studiengebühren an der Telekomhochschule

Studenten platzt der Kragen Verschwiegenheitsklauseln und Studiengebühren an der Telekomhochschule

An der Leipziger Hochschule für Telekommunikation (HfTL) brodelt es, der Studentenrat (Stura) begehrt auf. Denn seit vor zwei Jahren die Deutsche Telekom AG ihre Hochschule in eine GmbH ausgelagert hat, die ihr komplett gehört, läuft einiges schief.

Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL)

Quelle: André Kempner

Leipzig. An der Leipziger Hochschule für Telekommunikation (HfTL) brodelt es, der Studentenrat (Stura) begehrt auf. Denn seit vor zwei Jahren die Deutsche Telekom AG ihre Hochschule in eine GmbH ausgelagert hat, die ihr komplett gehört, läuft einiges schief. „Das Problem ist, dass nur eine Hand voll Leute über die Hochschule entscheiden, ohne diejenigen mit einzubeziehen, die direkt von den Entscheidungen betroffen sind“, meint Stura-Mitglied Falk Bommersbach.

Die Kommilitonen kritisieren vor allem die Studiengebühren, die im vergangenen Jahr für Direktstudenten der Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt wurden - immerhin 250 Euro monatlich. Da sich das kaum einer leisten kann, hat die Telekom zeitgleich ein Stipendium in derselben Höhe eingeführt, das sogenannte „MINT-Bonbon“ - wobei MINT nichts mit Pfefferminze zu tun hat, sondern für „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“ steht.

Für die Studenten hat sich dadurch zwar nicht viel geändert, doch der Stura moniert, dass Interessierte, die nach einem gebührenfreien Studium suchen, dadurch abgeschreckt würden. Die Telekom sieht dieses Problem nicht. Einer ihrer Pressesprecher in Bonn, Christian Fischer, teilt auf Anfrage mit: „Das Studium an der HfTL bietet den Studierenden den Zugang zu einem der größten europäischen Telekommunikationsanbieter. Welche potenziellen Interessenten schreckt das ab?“

Nur ein Fünftel Neueinschreibungen

Die Zahlen sagen jedoch anderes. Im Wintersemester 2014/15 wurden lediglich 20 Direktstudenten im Bachelor immatrikuliert. Zwei Jahre zuvor waren es noch 130. Stipendiaten halten den MINT-Bonbon-Vertrag für fragwürdig. So soll es eine Verschwiegenheitsklausel geben, die den Stipendiaten negative Äußerungen über die Hochschule und die Telekom verbietet. Auch der Stura hat seine Zweifel: „Der Vertrag ist nicht öffentlich“, erklärt Robert Weiße, „wir als Stura konnten uns aber kürzlich Einblick verschaffen und halten einige Klauseln für bedenklich. Daher haben wir den Senat um eine Prüfung gebeten.“ Telekom-Sprecher Fischer weist die Vorwürfe zurück: „Selbstverständlich sind die Verträge vorab geprüft worden.“

Für Studieninteressierte scheint das System „MINT-Bonbon“ nicht transparent genug. Auf der Website der HfTL wird weder deutlich, wie viele Stipendien zur Verfügung stehen, noch an welche Bedingungen sie geknüpft sind. Tatsächlich vergibt die Telekom 130 „Bonbons“.

Studenten fragen sich, welches Ziel dahinter steckt. Fischer erklärt nebulös, dass die Gebühren „im Zusammenhang mit dem Bestreben zu sehen sind, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Die HfTL ist bundesweit eine der letzten privaten Hochschulen, die Studiengebühren eingeführt hat.“

Dabei sei sie gerade deshalb attraktiv gewesen, weil sie eine der wenigen privaten Hochschulen ohne Studiengebühren war, kontert der Studentenrat und fordert die Abschaffung. Stura-Vorsitzender Johannes Hamfler fragt sich: „Wenn die Telekom bereit ist, für 130 Studenten Studiengebühren zu übernehmen, warum sind sie dann überhaupt notwendig? Schließlich wurden die Kosten jahrelang auch so von der Telekom getragen.“

Auch außerhalb vom Stura macht sich Unmut breit: „Der Informationsfluss geht ausschließlich über den Buschfunk. Man lebt quasi in ständiger Angst vor weiteren Veränderungen. Wenn einfach von Anfang an eine aufklärende Mail kommen würde, gäbe es keine Spekulationen“, sagt eine Studentin, die ungenannt bleiben möchte. „Im letzten Jahr kam lediglich eine E-Mail von der Geschäfts-führung direkt. In der Regel kann man lediglich mit Stellvertretern sprechen“, beklagt Weiße. Sein Stura-Kollege Carl-Theodor Geilhufe ergänzt: „Mit einer Geschäftsführung in Bonn kann man Gespräche nur lange im Voraus vereinbaren und nicht wie hier über den kurzen Dienstweg.“ Weiße wünscht sich, „dass man mal früher über geplante Vorhaben informiert und nicht wie bisher einfach vor das Ergebnis gestellt wird.“

Nur die akademische Führung stimmt

Seit der Ausgliederung aus dem Telekom-Konzern liegen akademische Entscheidungen nicht mehr nur in der Hand des akademischen Senates. Die meiste Entscheidungsgewalt hat die Geschäftsführung, die aus den Reihen der Telekom gestellt wird. „Wir haben im Konzern Deutsche Telekom mit diesem Vorgehen sehr gute Erfahrungen gesammelt und versprechen uns dadurch auch eine Belebung der Hochschule in Leipzig“, heißt es seitens der Geschäftsführung.

Trotz des Ärgers gibt es auch Lob von den Studenten. „Die HfTL und ihre akademische Leitung sind super, da wird gekämpft, den Studenten vieles ermöglicht und kaum ein Stein in den Weg gelegt. Alle wissen den hohen Praxisbezug zu schätzen. Zwischen Mitarbeitern, Dozenten und Studenten herrscht ein familiäres Vertrauensverhältnis. Negative Einflüsse kommen nur vom großen T“, so der Tenor beim Stura.

Telekom-Pressesprecher Fischer erklärt hingegen: „Wir haben in den letzten Monaten die Kommunikationspolitik an der Hochschule unsererseits aktiv verbessert. Die erfolgt so schnell und umfassend wie möglich. Darüber hinaus stellt die Hochschule sicher, dass die relevanten Informationen allen Studierenden zugänglich sind“.

Jennifer Rauch

Dieser Text erschien zuerst bei LVZ Campus am 2. Juli. CAMPUS Leipzig ist ein Gemeinschaftsprojekt der Leipziger Volkszeitung und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.

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