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Herzschmerz trifft Hippocampus

David Wozniak Herzschmerz trifft Hippocampus

Zwischen Forensik-Kursen und seiner Promotion in Psychiatrie schreibt David Wozniak Geschichten – über Lola, Franka oder Luisa. Die Texte handeln von der Liebe und vom Erwachsenwerden. 13 Stück hat der Leipziger nun in einem Erzählband veröffentlicht.

Schreibt über Herzensangelegenheiten: Medizinstudent David Wozniak.

Quelle: Christine Reißing

Leipzig. „Alles, was ich in mir habe, ist das große Bedürfnis, mich zu betrinken, nicht unter Menschen zu gehen und meine Lunge mit Qualm zu füllen, bis meine Finger gelb geworden sind vom Rauch trauriger Tage.“ Das sind die Anfangszeilen aus David Wozniaks erstem Buch „Juleika Lippenrot“. In der zugehörigen Kurzgeschichte geht es um einen jungen Mann, dessen Freundin ihn verlassen hat. Statt einer Beziehung will sie sich auf ihr Studium konzentrieren und reisen. Der Leipziger Medizinstudent David Wozniak schreibt über Frauen namens Lola, Franka oder Luisa. Die 13 Erzählungen handeln von der Liebe und vom Erwachsenwerden.

Gezielt autobiografisch sei David Wozniaks Buch zwar nicht. Trotzdem lassen sich Parallelen zum seinem Leben wohl nicht abstreiten. Selbstfindung, Ehrgeiz, Unbeständigkeit: Der Autor beschreibt die vieldiskutierte Generation Y. Forscher attestieren diesen zwischen 1980 und 1999 Geborenen eine nie enden wollende Sinnsuche. „Gerade im universitären Kreis besteht tatsächlich viel Unsicherheit, was Zukunftsperspektiven, Werdegang und Lebensfinanzierung angeht. Das kann natürlich Angst und nervös machen“, erzählt David Wozniak.

David Wozniak im Videoporträt:

von Stefanie Delfs und Tatina Trakis, Musik: "Ocean's Sixteen"/Cillheimer/www.terrasound.de

Er wurde 1990 in Berlin geboren und wuchs in Bayern auf. Für sein Medizinstudium zog David Wozniak nach Leipzig. Als Teenager begann er, in Netzforen und für Blogs zu schreiben. Bevor der Autor Anfang Januar seinen Geschichtenband veröffentlicht hat, war er mit einzelnen Texten auf Lesereisen unterwegs. Momentan promoviert er zum Thema Depressionen.

Indirekt habe diese Arbeit auch etwas mit dem Schreiben zu tun, sagt er: „Beim akademischen Auseinandersetzen mit psychologischen Themen erfahre ich von Phänomenen, die so spannend sind, dass ich sie gerne literarisch umsetzen möchte.“ Dazu baut David Wozniak sein medizinisches Fachwissen gezielt in seine Geschichten ein. In „Oh, Lola“ zum Beispiel beschreibt er haarklein, wie das Gedächtnis funktioniert. Tragischerweise kann der Ich-Erzähler inmitten der naturwissenschaftlich untersuchbaren Amygdala, Hippocampus, Fornix und Corpora mamillaria besagte Lola einfach nicht vergessen. Im Gegensatz zur Anatomie des Hirns steht er seinen Gefühlen ratlos gegenüber.

David Wozniaks Sprache ist das Gegenteil von schlicht. So heißt es in der letzten Geschichte: „Diese Hoffnung klingt so weit hergeholt und pathetisch, aber auch wenn sie es wäre, verpasst sie mir ein angenehmeres Gefühl als die Wirklichkeit der Distanz. Sie wirkt erstrebenswerter als der Punkt, an dem wir uns befinden. Sie ist ein furchtbar kitschiger Gedanke, doch so unglaublich hoffnungsvoll und warm. Ich möchte zumindest an sie glauben.“

David Wozniaks Erzählband ist schwärmerisch, schwulstig und zuweilen übertrieben. Seine Reaktion auf diese Kritik aber ist angenehm uneitel: „Wenn jemand sagt, über Liebe zu schreiben sei Kitsch, dann sage ich herzlich Danke. Und Ja. Denn die Liebesthematik ist immer kitschig.“

David Wozniak: „Juleika Lippenrot“, Chili-Verlag, Verl 2016, 108 Seiten, 7,90 Euro.

Von Christine Reißing

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