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Ein Jahr danach: Mit dem Buddy zum „Sommerflimmern“

Geflüchtetenprogramm der HTWK Ein Jahr danach: Mit dem Buddy zum „Sommerflimmern“

Als im September letzten Jahres immer mehr Flüchtlinge auch in Leipzig ankamen, gründete die HTWK Leipzig die AG Geflüchtete. Studenten können seither über ein Buddy-Programm Ankommende unterstützen. Doch wie steht es knapp ein Jahr später um das Projekt?

v.l.n.r.: Linda Neubauer, Mohamad Daloul, Tara Bonyad

Quelle: Michael Oerte

Leipzig. „Es geht auch darum, die Geflüchteten mit kleinen Dingen abzulenken, damit sie mal aus dem Heim herauskommen und ein anderes sprachliches Umfeld haben. Allein damit kann man schon viel helfen“, sagt Katharina Roeber. Die 32-Jährige ist eigentlich Beraterin für die Medien-Fakultät der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Gleichzeitig ist sie aber eine der Koordinatorinnen der AG Geflüchtete der Fachhochschule. Schon zuvor gab es Anlaufstellen für alle ausländischen Studierenden; Geflüchtete wurden dabei aber nicht anders behandelt.

Angesichts des besonderen Bedarfs wurde dann im Spätsommer 2015 die AG gegründet. Sie versuchte, in dieser speziellen Situation ihren Studenten eine Struktur zu geben, in der sie sich leichter engagieren können. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die AG von April bis Dezember dieses Jahres mit 30.000 Euro. Seit Anfang 2016 können Studenten über das „Buddy-Programm für Geflüchtete“ in Tandems mit Geflüchteten Zeit verbringen. Ob die in ihrem Heimatland auch studiert haben oder nicht, spielt keine Rolle. Um unter den Geflüchteten bekannter zu werden, hingen anfangs auch Plakate des Programms in Flüchtlingsheimen. Interessierte können sich über die Homepage der AG melden. Ein wöchentlicher E-Mail-Newsletter informiert dann die Studenten, wobei und für wen gerade Unterstützung gesucht wird.

Rund 100 Studenten hatten sich anfangs gemeldet, um zu helfen. Mittlerweile engagieren sich davon noch etwa 30 der damaligen Anwärter. Die Buddys unterstützen die Geflüchteten in ihrem Alltag oder helfen beim Umzug. In der Erstaufnahme an der Bernhard-Göring-Straße helfen zurzeit viele bei der Kinderbetreuung. Katharina Roeber erzählt auch von einer geflüchteten Frau mit körperlicher Behinderung. Ein Buddy wurde ihr vermittelt und zusammen gingen sie in Vorbereitung einer Operation zu Ärzten, er half bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen.

Aber es geht eben auch darum, auf neue Gedanken zu kommen. Unternommen wird, was Spaß macht. Mal schrauben Buddys und Tandem-Partner an einem Fahrrad, oder eine größere Gruppe wird in den Boxclub mitgenommen. Studierende der HTWK haben in ihrem Praxisobjekt außerdem mit Geflüchteten Stadtführungen unternommen, um ihnen Leipzig näherzubringen. „Sommerflimmern“ war ein weiteres Event - ein Sommerfest speziell für minderjährige Geflüchtete. Mit Malfarben, Leinwand und Pinsel konnten sie kreativ werden. Zusammen Musik machen und einfach herumtoben. Auch solche kleinen Projekte werden von der AG Geflüchtete finanziell unterstützt. „Unsere Studierenden sind es, die sich engagieren, wir bieten nur die organisatorische Plattform an“, erklärt Professor Jochen Merker, ebenfalls ein Koordinator des Programms.

Soziale Probleme gab es dabei bisher noch nie. Eher ein Problem kann da die Sprachbarriere sein. Wenn in der Gruppe etwas unternommen wird, kann aber meistens einer der Geflüchteten ein bisschen Englisch. Manchmal haben auch die Buddys etwa ein bisschen Arabisch gelernt und probieren sich dann aus. Es gibt noch eine Möglichkeit, die Sprachen auszutricksen: An einem Tag hatten sie sich getroffen, um in einer Jam-Session Musik zu machen, für die unterschiedliche Instrumente angemietet wurden.

Die Aktion sei ganz im Sinne von "Beim Musizieren gibt es keine Sprachbarriere" gewesen, erzählt Roeber. Wenn Kommunikation mit Händen und Füßen nicht mehr hilft, kann Fatima Naseri einspringen. Die 22-jährige Architekturstudentin ist eine von fünf studentischen Hilfskräften des Programms und übersetzt Persisch, da sie afghanische Wurzeln hat. „Ich habe schon vorher in einem Flüchtlingsheim ausgeholfen. Als mich dann aber die AG um Hilfe gebeten hat, habe ich das gerne gemacht. Jetzt kann ich das auch noch besser auf mein Studium abstimmen“, sagt Naseri. Seither übersetzt sie am Hochschulinformationstag und bei Netzwerk-Treffen oder beantwortet Mails von Geflüchteten.

Ein Problem des Programms ist allerdings, dass Geflüchtete und Institutionen häufig nach zusätzlichen Deutschkursen fragen. Zwar bietet das Hochschulsprachenzentrum der HTWK Deutschkurse an. Die richten sich aber eben nur an bereits immatrikulierte Studenten. Am 13. September hat sich die AG Geflüchtete getroffen, um zu beraten, welchen Weg man in Zukunft gehen möchte. „Wir sind gerade dabei zu schauen, was wir noch verbessern können. Leider bekommen wir selten Rückmeldungen von den Buddys und wissen nicht immer, wie aktiv sie wirklich sind“, sagt Katharina Roeber.

Die Idee ist nun, einen „Markt der Möglichkeiten“ zu schaffen. Voraussichtlich Ende Oktober ist ein größer angelegtes offenes Buddy-Treffen geplant. Wer auch Lust hat sich zu engagieren, wird von der AG Geflüchtete noch über hochschulinterne Medien und via Facebook über Zeit und Ort dieses Treffens informiert. 

Natalie Montag

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