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Im Hörsaal auf Spurensuche: Wer ist Sherlock Holmes?

Kinderuni Im Hörsaal auf Spurensuche: Wer ist Sherlock Holmes?

Hut, Pfeife und Lupe – drei Dinge, die Sherlock Holmes charakterisieren. Doch wieso ist der Detektiv eigentlich - über Jahrhunderte hinweg - so berühmt? Und was können Kinder aus seinen Abenteuern lernen? Das war Thema bei der letzten Veranstaltung der diesjährigen Kinderuni in Leipzig.

Quelle: Friederike Rohmann

Leipzig. Das Audimax der Uni Leipzig – gefüllt bis hoch in die letzte Reihe. Hier sitzt an einem Freitagnachmittag aber nicht etwa die motivierte Studentenschaft der Uni, sondern allenfalls die zukünftige: Kinder zwischen acht und zwölf haben sich es, alleine oder mit ihren Eltern, auf den Klappsitzen gemütlich gemacht. Denn es ist Kinderuni.

Lisa ist zehn Jahre alt und sitzt ganz vorne. „Buntstifte, Handy und der Block“, murmelt sie vor sich hin, während sie alles sorgfältig auf den Tisch vor sich drapiert. Dann nochmal ein Blick in ihr gelbes Stempelheft – den Studierendenausweis für Kinder. Vier Vorlesungen, vier Stempel. Bei drei von vier Stempeln gibt es das Kinder-Diplom. Die Vorlesung „Sherlock Holmes: Der berühmte Meisterdetektiv“ ist die letzte Veranstaltung im Rahmen der Kinderuni in diesem Jahr. Vor allem aber ist sie die Veranstaltung, auf die sich die Kinder am meisten gefreut haben. „Ich spiele selber gerne Detektiv“, erzählt Lisa und auch Hannah, ein paar Sitze weiter, sagt: „Ich finde Detektive interessant und will auch mal einer werden, wenn ich groß bin.“

Lisa und Hannah erhoffen sich hier also nützliche Tipps für die Zukunft. Die hat Maria Fleischhack, ihre heutige Dozentin, auf jeden Fall dabei. Sherlock Holmes zeichne Vieles aus, erklärt Fleischhack. Am Wichtigsten sei seine Beobachtungsgabe. Aber darüber hinaus könne der Detektiv auch chemische Experimente durchführen, Geheimschriften entziffern, sich selbst verteidigen, sich gut verkleiden und schauspielern.
Schritt für Schritt erklärt Fleischhack den Kindern Sherlock Holmes’ Welt. Doch es sind vor allem zwei Dinge, die die Anglistik-Dozentin ihren jungen Zuhörern vermitteln will: „Sherlock Holmes ist eine Figur, die uns sehr viel mitgeben kann“, erklärt Fleischhack. Und weiter: „Freundschaft und Fairness sind die wichtigen Nachrichten dieser Geschichten.“

Die Freundschaft nämlich zum Armeearzt John Watson, Sherlock Holmes Mitbewohner in der 221 Baker Street in London. Es ist nämlich Watson, der Sherlocks Detektivgeschichten schriftlich festhält. „Watson wird in Neuauflagen der Geschichten oder Literaturverfilmungen zwischen 1930 und 2000 oft unterschätzt“, erklärt Maria Fleischhack im Interview nach der Vorlesung. In manchen Ausgaben werde er eher als Idiot und Spielball von Sherlock Holmes dargestellt. „Erst in der Verfilmung von 2009 mit Jude Law hatten wir wieder einen richtigen Watson. Einen, der auch mal widerspricht“, sagt Fleischhack. So, wie die Figur auch von Autor Arthur Conan Doyle erdacht worden sei.

Kinder spielen bei Sherlock Holmes eine bedeutende Rolle

Sherlock Holmes hat nicht nur erwachsene Helfer, auf die er sich verlässt, sondern auch Kinder. Die „Baker Street Spezialeinheit“ besteht aus Straßenkindern, die für Sherlock Holmes immer wieder Aufträge durchführen. Dabei schenkt er ihnen volles Vertrauen und behandelt sie ebenbürtig. „Die tolle Nachricht für die Kinder ist, dass sie selbst so wichtig sind, in einer Literatur, die eigentlich für Erwachsene ist“, betont Maria Fleischhack.

Und dann, nach 45 Minuten Stillsitzen im Hörsaal, ist die Vorlesung vorbei. Am Rednerpult steht jetzt eine lange Schlange wissbegieriger Kinder, die noch ihre dringendsten Fragen loswerden wollen. Eine von ihnen ist die neunjährige Maricel. „Warum hat Sherlock Holmes nie geheiratet?“, fragt sie. Und sogar darauf hat Maria Fleischhack eine Antwort: „Sherlock muss die ganze Zeit nachdenken und er sagt selber in den Geschichten immer wieder, dass er gar keine Zeit für die Liebe hat.“

Und wenn Maria Fleischhack selbst einen Charakter aus den Geschichten für sich auswählen dürfte? Dann wäre sie gerne John Watson, „Sherlock lieber nicht.“ Denn dauernd so viel über alles nachdenken, das sei doch viel zu anstrengend.

Text:Raja Kraus

Video: Friederike Rohmann und David Holland

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