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Initiative zeigt jungen Leipzigern Wege zu Studium und Stipendium

Arbeiterkind.de Initiative zeigt jungen Leipzigern Wege zu Studium und Stipendium

Komme ich für ein Stipendium in Frage? Wie bewerbe ich mich richtig? Muss ich hochbegabt sein? Diese Fragen beantwortete am vergangenen Donnerstag die Initiative „Arbeiterkind.de“ an der HTWK. Sie ermutigt sowohl Arbeiter- als auch Akademikerkinder, sich für ein Studium und ein Stipendium zu bewerben.

Theresa Wege und Maximilian König von der Friedrich-Naumann-Stiftung motivieren die Teilnehmer, sich für ein Stipendium zu bewerben.

Quelle: Nicole Frank

„Vielen ist es zu aufwendig. Sie denken, sie seien nicht hochbegabt oder gehören nicht zur Elite“, erklärt Daniela Keil. Sie ist seit März dieses Jahres Leiterin des „Arbeiterkind“-Büros an der HTWK. „Arbeiterkind.de“ berät und unterstützt als gemeinnützige Initiative in über 70 Anlaufstellen deutschlandweit Schüler und Studierende aus Familien, in denen zuvor noch niemand studiert hat. Um diese Vorurteile zu beseitigen und auf die Initiative in Leipzig aufmerksam zu machen, haben Keil und ihr Kollege Wolf Dermann als ehrenamtliche Mitarbeiter eine Informationsveranstaltung organisiert.

Sechs Referenten, die bereits ein Stipendium erhalten haben, stellten dort fünf von über 2100 Stiftungen in Deutschland vor. Die Auswahl ist groß: Neben politisch orientierten Stiftungen gibt es konfessionell oder gewerkschaftlich geprägte, unternehmerisch denkende sowie politisch unabhängige. Einrichtungen wie die Friedrich-Naumann-Stiftung, das Evangelische Studienwerk Villigst, die Hanns-Seidel-Stiftung und die Studienstiftung des deutschen Volkes zählen zu den 13 Begabtenförderwerken, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit eines Deutschlandstipendiums, das jeweils zur Hälfte staatlich und von privaten Stiftern gefördert wird.

Bei den 13 Förderwerken und dem Deutschlandstipendium wird der Stipendiat mit einer einkommensunabhängigen Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro unterstützt. Andere Stiftungen vergeben unterschiedliche Beträge. Wer Bafög-förderungsfähig ist, hat zudem noch analog zum Bafög-Satz Anspruch auf das Lebenshaltungs-Stipendium, das sich nach dem Einkommen der Eltern richtet. Aber auch ältere Studierende sowie Interessenten, die ihren Abschluss auf dem zweiten Bildungsweg absolviert haben, haben eine Chance auf Förderung, zum Beispiel durch das Aufstiegsstipendium.

Keil ist Koordinatorin der Ostdeutschland-Aktivitäten und selbst Arbeiterkind. Sie glaubt, dass es häufig an Informationen im eigenen Umfeld mangelt. Arbeiterkinder könnten in ihren Familien oft nicht nachfragen und kämen deshalb gar nicht auf die Idee, finanzielle Unterstützung zu beantragen, die man nicht zurückzahlen muss. In Ostdeutschland sei die Stipendienkultur auch noch nicht so lang verankert, bemerkt sie.

Mit einem weiteren Klischee über die Förderung räumt Theresa Wege, Stipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung, auf: „Am besten muss man Jura oder Wirtschaft studieren und Eltern haben, die einem Managerjob nachgehen – das ist natürlich völliger Quatsch“, versichert die Psychologiestudentin. Sie studiert als erste in ihrer Familie, ihre Mutter ist Sekretärin, ihr Vater Drucker.

Viel wichtiger als die soziale Herkunft, ist für ein Stipendium ein guter Notendurchschnitt. „Je schlechter die Note, desto schwieriger wird es, ein Stipendium zu erhalten“, betont Keil. Aber dies sei nicht alles. „Es gibt auch Stipendiaten, die einen schlechteren Notendurchschnitt haben, sich aber aufgrund ihres sozialen Engagements ausgezeichnet und deshalb genau zur Stiftung gepasst haben.“ Deshalb rät die Initiative Bewerbern, sich mit den Werten und Projekten einer Stiftung vorab genau auseinanderzusetzen und diese vertreten zu können.

In einem Auswahlgespräch muss der Studierende zum Beispiel gut begründen können, warum er sich für diese Stiftung und seinen Studiengang entschieden hat. „Es geht auch um Wendepunkte im eigenen Leben; was einen antreibt, was einem wichtig ist“, erklärt Theresa Wege . Auch „Ecken und Kanten“ seien kein Problem. Maximilian König, ebenfalls Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung, weist darauf hin, dass es auf einen überzeugenden Lebenslauf ankomme: „Man muss eine Persönlichkeit sein, nicht jemand, der wie alle anderen ist.“ König ist Ansprechpartner seiner Stiftung in Leipzig und hat schon vielen Kommilitonen geholfen, sich für ein Stipendium zu bewerben.

An jeder Hochschule gibt es Vertrauensdozenten unterschiedlicher Stiftungen, die unter anderem Empfehlungsschreiben anfertigen. „Die Dozenten zu kennen und ein persönliches Verhältnis zu ihnen zu haben, ist von Vorteil“, betont König. Er selbst ist Akademikerkind, studiert Mathematik und wird finanziell sowie ideell von seiner politisch orientierten Stiftung gefördert.

Kriterien und Bewerbungsfristen unterscheiden sich allerdings je nach Stiftung. Daniela Keil von „Arbeiterkind.de“ rät Bewerbern deshalb, sich mindestens ein halbes Jahr vorher zu informieren. Das Netzwerk ist dazu entweder über das Infotelefon oder die Webseite erreichbar.

Weitere Informationen dazu auf arbeiterkind.de und netzwerk.arbeiterkind.de
 
Nicole Frank

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