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Leipziger Musik-Professorin bekommt Sächsischen Lehrpreis

Hochschule für Musik und Theater Leipziger Musik-Professorin bekommt Sächsischen Lehrpreis

Martina Sichardt ist Professorin für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater. Nun bekam sie für ihre durch Interdisziplinarität und Dialog geprägte Lehre den Sächsischen Lehrpreis verliehen. Mit ihrem Wissensdurst steckt die Professorin wohl den ein oder anderen mit ihrer Begeisterung für die Musikwissenschaften an.

Musik-Professorin Martina Sichardt hat den Sächsischen Lehrpreis bekommen.

Quelle: Privat

Leipzig. „Ich war total überrascht.“ Martina Sichardt (60) sitzt in einem Arbeitsraum der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Ihre Augen verraten, dass sie stolz ist. Immerhin hat die Professorin für Musikwissenschaft den Sächsischen Lehrpreis 2016 in der Kategorie Musik- und Kunsthochschulen bekommen. Der Preis wird alle zwei Jahre vom Wissenschaftsministerium in vier Kategorien verliehen. Jeder Preisträger bekommt 10.000 Euro und gilt als „Vorbild für exzellente Lehre“ an Sachsens Hochschulen, wie die Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) bei der Preisverleihung am 10. November betonte.

Sichardt, die seit 2008 an der HMT am Institut für Musikwissenschaft arbeitet, bekam den Preis für ihre „durch Interdisziplinarität und Dialog geprägte Lehre“, so die Begründung des Ministeriums.  Eigentlich hätten den Preis viele verdient, nimmt sich die Professorin bescheiden zurück. Was ihre Lehre dennoch so besonders macht? „Ich gehe nach Gefühl auf die Studierenden ein“, sagt sie, zuckt die Schultern und lächelt.

Es ist ihr wichtig, mit den Studierenden zu sprechen, sich auszutauschen. In der ersten Vorlesung fragt sie nach, hört zu. „Danach weiß ich schon viel eher, was die Studierenden wissen, was sie interessiert“, sagt sie. Deswegen sei auch jede Vorlesung ein wenig anders: Sichardt vertieft und kürzt Themen je nach Interesse. Häufig entwickelten sich Schwerpunkte und neue Fragestellungen auch aus Diskussionen heraus. „Wichtig ist mir, dass die Leute etwas mitnehmen.“ Das sei ein immerwährender Prozess:  „Wenn ich denke, das hätte ich anders machen müssen, habe ich schon wieder andere Leute vor mir.“

Sichardt steht auch für Interdisziplinarität. Derzeit gibt die weltoffene Frau gemeinsam mit einer Kunstpädagogin der Uni und einer Musikpädagogin der HMT ein Seminar über Collagen in Musik und Kunst, das sich an Studierende von Universität und Hochschule richtet. „Dabei haben wir uns gefragt: Wie ist das eigentlich rechtlich bei Collagen, wo ich mich ja von fremden Werken bediene? Na, dann haben wir eben einen Juristen eingeladen, der uns das beantworten konnte.“

Und wenn es ihren Wissensdurst stillt, dann kann auch mal ein Symposium über Gestik entstehen, an dem elf Fachrichtungen der Hochschule beteiligt waren. Martina Sichardt hatte dafür den Impuls gegeben, die Idee wurde weitergesponnen. „Das geht nur, wenn man so tolle Kollegen hat“, sagt sie. „Jeder hat sofort tausend Ideen, wenn so ein Vorschlag im Raum steht.“ Das Arbeitsklima an der HMT motiviere und inspiriere sie.

Aber nicht nur in der Lehre ist Sichardt interdisziplinär und flexibel: Die Frau mit den schulterlangen blonden Locken und der runden Brille hatte schon einige berufliche Stationen hinter sich, als sie 2008 nach Leipzig kam. Nachdem die geborene Wiesbadenerin in Mainz und Wien Schulmusik studiert hatte, arbeitete sie als Geigerin am Hessischen Staatstheater. „Gleichzeitig hatte ich die Idee zu promovieren, weil ich mich damals sehr für den Komponisten Arnold Schönberg interessierte.“ Also schrieb sie ihre Doktorarbeit und arbeitete im „wissenschaftlichen Elfenbeinturm“, wie sie sagt, an der Schönberg-Gesamtausgabe mit, ein Langzeitprojekt der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, die eine kritische Edition der Werke des Komponisten erarbeitet. Sichardt rekonstruierte die Gedankengänge des „Erfinders“ der Zwölftonmusik in Berlin. Zwischen 1994 und 2000 pausierte die leidenschaftliche Musikerin und Wissenschaftlerin in der Arbeitswelt, um sich um ihre zwei Söhne zu kümmern.

In der Zeit wurde ihr bewusst, dass ihr bei Lehraufträgen an Universitäten das Unterrichten immer Spaß gemacht hat. Schon in der Schule hatte sie Freude am Lehren: „Da galt ich als Nachhilfelehrerin für Notfälle. Ich hab mir furchtbar gerne überlegt, wie man einen komplexen Sachverhalt so einfach wie möglich erklärt.“ Und dann traf die Musikwissenschaftlerin die Entscheidung, auch noch zu habilitieren. Dabei widmete sie sich nun Beethoven - und bekam 2008 eine Professur an der HMT in Leipzig. Seitdem pendelt sie von Berlin aus zu ihren Kollegen und Studierenden.

Sichardt ist froh, in Leipzig zu sein. „Irgendwie passt das zu mir“, sagt sie und faltet die Hände. An der HMT könne sie ihre musikwissenschaftliche Seite, die musikpädagogischen und die künstlerischen Interessen vereinen. Denn die Kunst darf bei Martina Sichardt nicht zu kurz kommen. Wenn sie zwischen Lehren, Forschen und Pendeln einen ruhigen Moment findet, dann widmet sie sich der Geige, unternimmt etwas mit ihrer Familie oder telefoniert mit einer Freundin. „Viel Freizeit habe ich nicht“, fügt sie nachdenklich hinzu.

Ruhiger wird es im Berufsleben der Professorin nicht werden: Sie hat bereits Ideen für die nächsten interdisziplinären Projekte. Im kommenden Jahr soll ein Orlando di Lasso-Workshop über den Komponisten der Renaissance stattfinden. Ihr Engagement beeinflusste wohl auch die Entscheidung der Jury des Sächsischen Lehrpreises. Was die Professorin nun mit den 10.000 Euro Preisgeld macht, weiß sie noch nicht. „Ich weiß nur, dass ich das erstmal versteuern muss“, sagt Sichardt und lacht herzhaft.

Theresa Held

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