Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Campus Online
Google+ Instagram YouTube
Neuer Master Museumspädagogik: Mit Leidenschaft und unter Schmerzen

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig Neuer Master Museumspädagogik: Mit Leidenschaft und unter Schmerzen

Stellen im Bereich der Museumspädagogik sind rar und schlecht bezahlt. Dennoch drängen viele junge Leute in diesen Beruf. An der HTWK gibt es bald einen neuen Masterstudiengang „Museumspädagogik“. Was dafür spricht – und was dagegen.

An der HTWK gibt es bald einen neuen Masterstudiengang „Museumspädagogik“

Quelle: Lauren Ramoser

Leipzig. Wenige Stellen und ein niedriges Einstiegsgehalt nach mindestens fünf Jahren Studium und  einigen Praktika: Obwohl die Perspektiven nicht die besten sind, ist das Berufsfeld der Museumspädagogik für viele junge Leute attraktiv. Studiengänge, die auf diese Branche vorbereiten, sind beliebt. Im Sommersemester 2017 startet an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig ein Master der Museumspädagogik, dessen Konzept bisher in Deutschland einzigartig ist.

Gisela Weiß, Professorin für Vermittlung in Museen an der HTWK, hat den Master mitentwickelt. „Er wird seit Jahren gewünscht“, sagt sie, „vor allem vom Bundesverband Museumspädagogik, ich dem ich selbst auch Mitglied bin.“

Die Besonderheiten des Masters? Man kann ihn auch berufsbegleitend studieren. Die Präsenzzeiten beschränken sich auf ein Blockseminar pro Monat, meist in Leipzig, aber auch in Berlin, in München oder Wolfenbüttel. Einmalig am Studiengang ist laut Weiß zudem ein anderer Punkt: Er vermittelt museumspädagogische Inhalte akademisch. Sonst erlerne man diese Kompetenzen erst in der Praxis und sei vom akademischen Werdegang her zum Beispiel Historiker oder Archäologe. Konkret lernen die Studierenden zum Beispiel, wie man digitale Medien im Museum sinnvoll einsetzt oder was einen guten Ausstellungstext ausmacht. Zudem beschäftigen sie sich mit Methoden der Besucherforschung und Grundlagen von Projekt- und Personalmanagement.

Hermann Leistner ist Sprecher der Arbeitsagentur in Leipzig und kennt sich aus mit der Überakademisierung des Arbeitsmarkts. Sein Tipp: „Die bestmögliche Qualifizierung schützt am besten vor Arbeitslosigkeit.“ Im Falle des Museumspädagogik-Masters an der HTWK ist diese Qualifizierung teuer: 9900 Euro kosten die zwei Jahre insgesamt, das sind 2400 Euro pro Semester.

Mindestens 150 Bewerber auf jede Stelle

Das ist viel Geld in einem Land, in dem die Kosten für ein Studium sonst viel niedriger sind. Weiß versteht, dass die Summe auf manche abschreckend wirkt. Sie sagt aber auch: „Deutschland muss sich daran gewöhnen, dass Bildung etwas kostet. Ein Blick in die Nachbarländer zeigt, dass es andernorts selbstverständlich ist, für ein Studium Geld zu bezahlen.“

Ihrer Ansicht nach sind die knapp 10.000 Euro gut investiert: Der Master wolle auch den Sprung in die Leitungsebenen ermöglichen. Platz gibt es für maximal 20 Studierende, „um die Qualität zu wahren“, sagt Weiß. Von den Studiengebühren könne man herausragende Lehrbeauftragte einkaufen, wie zum Beispiel Annette Noschka-Roos, Leiterin der Abteilung Bildung am Deutschen Museum in München. Hält Weiß Absolventen des Masters also für qualifizierter als andere? „Auf jeden Fall denken wir das für den Bereich des Museums. Im Bereich der Vermittlungsarbeit gibt es diesen Master noch nicht.“

Hermann Leistner rät jedem, sich zu überlegen, wie der Arbeitsmarkt fünf Jahre nach dem eigenen Abschluss aussieht. Im Falle der Museumspädagogik ist das ein sehr kleiner Markt: „Wir haben bei jeder Stelle, die wir ausschreiben, einen Bewerbungsfaktor von 1 zu 150, sagt Volker Rodekamp, Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig. Es mache ihn traurig zu sehen, wie viele persönliche Schicksale mit den Bewerbungen und Absagen verbunden seien. „Erst werden Versprechungen gemacht, erst werden Qualifikationen angeeignet. Man bringt die jungen Menschen in ein Studium, man macht es attraktiv, man fordert Leistung, die dann auch gebracht wird, und am Ende läuft das alles auf ein Nadelöhr zu“, sagt er. Er vermisse zurzeit vor allem fachlich sehr gut ausgebildete Bewerber. Den Museumspädagogik-Master hält er „grundsätzlich für positiv“.

Leistner: Ein Master, der so viel kostet, müsse auch besondere Qualitäten haben

Antje Bredemann hat Museologie im Bachelor an der HTWK studiert und ihre Bachelorarbeit über den Arbeitsmarkt in der Museumsbranche geschrieben. „Ich wollte wissen, ob der Trend in Richtung höhere Qualifikation und die Zunahme überfachlicher Kompetenzen wie Flexibilität und Belastbarkeit geht“, sagt die 33-Jährige. Dafür hat Bredemann Stellenanzeigen aus einem Zeitraum von zehn Jahren analysiert. Für eine Stelle in der Museumspädagogik sollte ein Bewerber laut Bredemann einen akademischen Hintergrund mitbringen, vor allem aber Berufserfahrung. „Man sollte grob gesagt die Fachrichtung des Museums beherrschen und geübt sein, diese einem Laienpublikum zu vermitteln“, erzählt sie.

Arbeitsagentur-Sprecher Leistner betont, dass neben praktischer Erfahrung ein persönliches Netzwerk für Geisteswissenschaftler besonders wichtig sei. Den Aufbau solcher Netzwerke will der Museumspädagogik-Master auch ermöglichen, vor allem durch Kooperationen mit namhaften Museen wie dem Hygienemuseum in Dresden.

Trotzdem sagt Leistner klar: „Eine befristete, niedrig bezahlte Tätigkeit ist erst mal das, was Geisteswissenschaftler erwartet.“ Ein Master, für den man bezahle, müsse auch ganz besondere Qualitäten haben. Museumsleiter Rodekamp steht spezialisierten Mastern generell kritisch gegenüber: „Für mich ist es oft sehr schwer zu erkennen, um welche Qualifikation es sich im Einzelfall dann wirklich handelt.“ Teilweise seien hinter den Begrifflichkeiten ganz andere Inhalte verborgen.

Vor allem aber rät er davon ab, sich unbedacht für den Arbeitsmarkt Museum zu entscheiden: „Ich kann nur raten, dass man sich sehr genau fragen sollte, ob man den Weg wirklich mit Leidenschaft und unter Schmerzen gehen kann.“ Auch Gisela Weiß ist bewusst, dass die Museumsbranche schwierig ist. „Wir können nicht die ‚Carte Blanche‘ geben: Du wirst nachher unterkommen.“

Info zum Master unter: http://www.htwk-leipzig.de/de/studieninteressierte/studienangebot/master/museumspaedagogik-bildung-und-vermittlung-im-museum/

Die Bewerbung ist noch bis zum 15. Februar 2017 möglich.

Sophie Aschenbrenner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lehre & Forschung
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Zeitungsküken 2017 gekürt

    Zum elften Mal suchte die Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung das Zeitungsküken. Mit der Aktion steht der Nachwuchs der Region im Fokus. Sehen Sie h... mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr