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Ringvorlesung der HTWK in der Kritik

Mehr Raum für Diskussion? Ringvorlesung der HTWK in der Kritik

An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig findet in diesem Sommersemester die öffentliche Vorlesungsreihe „Migrationsziel Deutschland – Hoffnung, Furcht, Populismus“ statt. Der Studentenrat der HTWK kritisiert sowohl die Auswahl der Referenten als auch das Format der Reihe.

Die Studenten kritisieren eine Vorlesungsreihe an der HTWK (Symbolfoto).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Migration ist nicht zuletzt durch die Pegida-Demonstrationen zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Diskussion geworden. Auch deswegen widmet sich die Ringvorlesung des Studium Generale an der HTWK Leipzig sowohl den Ursachen von Migration als auch Motiven für Fremdenfeindlichkeit. Die Angebote des Studium Generale sind offen für alle Studierenden. In der Reihe sprechen unter anderem Professor Werner Patzelt von der Technischen Universität Dresden, Frank Richter von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung sowie Paul Voß, Vertreter von Frontex, der Grenzschutzagentur der Europäischen Union.

Der Studentenrat (StuRa) der HTWK Leipzig kritisiert die Veranstaltung heftig. Paul Hösler, Sprecher des Studentenrats, hält die Form des Frontalvortrags angesichts des sensiblen Themas für ungeeignet. Im Gespräch mit dem Leiter der Vorlesung, Dr. Martin Schubert, forderte der StuRa deshalb eine Podiumsdiskussion. Diese wurde abgelehnt, da sie nicht mit den Referenten vereinbart sei. „Wir sehen die Hochschule als einen Ort der Diskussion, nicht der einseitig stattfindenden Argumentation“, macht Hösler deutlich.

Auch in den ausgewählten Referenten sieht der StuRa ein Problem. Insbesondere, dass die HTWK einem Vertreter von Frontex einen Vortrag ermöglicht, findet Hösler besorgniserregend: „Gerade im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse im Mittelmeerraum ist es mehr als verwerflich einem Vertreter von Frontex Platz in der Hochschule einzuräumen.“ Diesen könne Voß nutzen, um den von der Europäischen Union legitimiertem Schutzwall vor Europa – einen 200 Kilometer langen Zaun entlang der türkischen Grenze – zu rechtfertigen. „Der Schutzwall hat unseres Erachtens nach nichts mehr mit Menschenwürde zu tun“, betont Hösler. Die Referenten Patzelt und Richter stünden aufgrund ihrer Haltung zu den Pegida-Bewegungen ebenso in Verruf. So kritisiert Hösler beispielsweise, dass Patzelt die Pegida-Demonstranten als nicht fremdenfeindlich bezeichnete. Für den Studentenrat sei es daher untragbar, diesen Referenten im Rahmen einer Vorlesung unkommentiert das Podium zu überlassen.

Für den Leiter der Veranstaltung, Dr. Schubert, ist die Kritik des StuRa unverständlich. Er erklärt, dass die Vorträge auf jeweils eine Stunde angelegt sind. Danach sei immer auch eine offene Diskussion von einer halben Stunde vorgesehen, bei Bedarf sogar länger. „Das Studium Generale soll gerade einen Raum für kontroverse Diskussionen eröffnen. Mit kritischen Redebeiträgen sind die StuRa-Mitglieder hier bisher leider nicht aufgefallen. Aber sie sind herzlich eingeladen, das nun zu ändern“, erklärt Schubert.
Weiterhin betont der Pressereferent der HTWK Reinhard Franke, dass dem StuRa ohne zwingende Notwendigkeit mehrere Kompromisse angeboten wurden, wie etwa dem Frontex-Vortrag eine kritische Einführung voranzustellen und anschließend die Diskussion maßgeblich zu gestalten. Das Angebot für die Einführung wurde angenommen, einen Beitrag zur Diskussion wollte der StuRa – laut Franke – allerdings nicht zusagen.

Der Studentenrat freut sich über das Angebot eine kritische Einleitung zum Vortrag von Frontex halten zu dürfen. Es sei ein fünfminütiger Input des StuRas vorgesehen. Dennoch könne auf diese Weise keine gleichberechtigte Diskussion stattfinden, so Hösler. Der Studentenrat rät allen Studierenden, trotz gescheiterter Einigung, die Vorträge zu besuchen und kritisch zu hinterfragen.

Francesca Richter

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