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Umfrage: Geschlecht und Herkunft sind häufigste Gründe für Diskriminierung

Gleichstellung an der Uni Leipzig Umfrage: Geschlecht und Herkunft sind häufigste Gründe für Diskriminierung

Das Gleichstellungsbüro der Universität Leipzig hat eine Umfrage zum Thema Diskriminierung durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden kürzlich beim Donnerstagsdiskurs im Audimax präsentiert. Demnach ist das Geschlecht immer noch einer der häufigsten Gründe für Diskriminierung.

Die Podiumsdiskussion beim Donnerstagsdiskurs im Audimax.

Quelle: Theresa Hellwig

Leipzig. „Nicht besonders verwundert“ sei Georg Teichert darüber gewesen, dass rund ein Drittel aller Teilnehmer in einer Befragung angegeben hat, an der Universität Leipzig bereits selber Diskriminierung erfahren zu haben. Schließlich kennt der Gleichstellungsbeauftragte der Universität Leipzig die Fälle der Personen, die jede Woche zu ihm ins Büro kommen. Überrascht habe ihn dagegen: Viele eben dieser Befragten haben angekreuzt, dass sie nicht glauben, dass es an der Universität ein Diskriminierungsproblem gibt.

Teichert hat unter Studierenden und Mitarbeitern eine Umfrage zum Thema Diskriminierung initiiert. Beteiligt waren Benjamin Bigl vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Daniela Heitzmann von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Dana Frohwieser vom Sächsischen Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulforschung der Technischen Universität Dresden. Etwa 4500 Personen wurden befragt, davon knapp 3000 Studierende. Beim Donnerstagsdiskurs hat Teichert in der vergangenen Woche erste Ergebnisse vorgestellt. Rund ein Drittel der Befragten gibt an, schon einmal diskriminiert worden zu sein.  

Der häufigste Grund für Diskriminierung an der Uni sei das Geschlecht: 43 Prozent der befragten Personen, die Diskriminierung erlebt haben, gaben dies als Diskriminierungsgrund an. „Dieser Teil des Ergebnisses hat mich überrascht. Meines Erachtens unternehmen wir sehr viel gegen diese Form der Diskriminierung. So deutlich habe ich das nicht erwartet“, erklärt Teichert. „Es gilt nun, dieses Ergebnis auf die Fakultäten herunter zu brechen“, kündigt er an. Mit 23,8 Prozent aller Fälle ist der Migrationshintergrund der zweitgrößte Auslöser für Diskriminierung. Der soziale Hintergrund der Befragten war in 12,3 Prozent der Fälle die Ursache für diskriminierende Äußerungen oder Verhalten.

Die gesamte Studie mit weiteren Ergebnissen wird zwar erst im kommenden Herbst veröffentlicht. Dennoch gibt es bereits jetzt erste Ergebnisse für einige Fakultäten. Demnach diskriminierten Menschen am häufigsten an der Juristenfakultät, der Medizinischen und der Theologischen Fakultät. In den verschiedenen Fachbereichen seien unterschiedliche Gründe zur Diskriminierung vorhanden. An der Medizinischen Fakultät überwiegt dabei laut Umfrage der Migrationshintergrund von Studierenden und Mitarbeitern. An der Theologischen Fakultät fühlten sich die Befragten am häufigsten auf Grund ihrer Religion diskriminiert. Unter den Juristen sei die politische Orientierung – und darunter eine eher links ausgerichtete – der häufigste Diskriminierungsgrund.

Im Gesamtbild hingegen fühlten sich Personen, die sich eher im rechten politischen Spektrum verorten, mehr aufgrund ihrer politischen Einstellung diskriminiert als Personen, die sich im linken Spektrum verorten. An der Fakultät für Mathematik und Informatik war die sexuelle Identität laut Umfrage der häufigste Grund für Diskriminierung. An der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie sei der Migrationshintergrund die häufigste Ursache von Diskriminierungsempfinden. Die Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie spiegelte das Gesamtergebnis der Umfrage wider: Hier war das Geschlecht der häufigste Grund.

Um Diskriminierung zu erfassen, wurde im Fragebogen das individuelle Empfinden abgefragt. „Diskriminierung ist immer etwas Subjektives“, begründet das Teichert. Die Studie war eine Idee des Gleichstellungsbüros, um eine Datengrundlage zu schaffen. Auf deren Grundlage soll dann ein Leitfaden entwickelt werden, um Diskriminierung entgegenzuwirken. „Für konkrete Ideen braucht man valide Daten“, erklärt Teichert und betont: „Es gibt klare Defizite. Viele kennen die Angebote der Uni nicht – die gilt es zu bündeln und sichtbar zu machen.“

Beim Donnerstagsdiskurs forderte auch Kerstin Schmitt, ehemals Referentin für Gleichstellung und Lebensweisen im Student_innenRat (Stura), aus den Ergebnissen auch Konsequenzen zu ziehen. Sie sprach sich in Anblick der Ergebnisse der Studie für einen Aktionsplan aus. Dieser solle einheitliche Strukturen beinhalten, wie mit Diskriminierung an der Uni umgegangen werden soll. Einen vergleichbaren Plan gibt es in Form einer Richtlinie bereits an mehreren Universitäten, zum Beispiel in Konstanz.

Von Theresa Hellwig

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