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Zwischen Whatze und Zeitungsbericht: Studentische Ausstellung mit Politik und Popart

Hochschule für Grafik und Buchkunst Zwischen Whatze und Zeitungsbericht: Studentische Ausstellung mit Politik und Popart

Eine Ausstellung, die den Betrachter direkt bei sich selbst abholt und kritisches Denken provoziert: Die Hochschule für Grafik und Buchkunst zeigt die Werke der Nominierten des Studienpreises. Die Campus-Redaktion hat sich die Werke angeschaut.

Fotografie-Student Eric Meier beschäftigt sich in seinem Werk audiovisuell mit gescheiterten Existenzen.

Quelle: Theresa Hellwig

Leipzig. Die Jugend sei unpolitisch, heißt es heutzutage immer wieder. Sie ist es nicht, zeigt die Ausstellung der Werke zum Studienpreis des Freundeskreises der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Es ist eine reichhaltige Ausstellung, die die Studierenden der HGB da zusammengestellt haben. Vielleicht ein bisschen überladen, aber auf jeden Fall abwechslungsreich: von Videos über die Präsentation einer neuen Schriftart hin zu ästhetischen, politischen und gesellschaftskritischen Werken.

Um die Studierenden zu fördern, vergibt der Freundeskreis der HGB regelmäßig den Studienpreis. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert, der zweite und dritte mit 2500 Euro. Bewerben können sich diejenigen, die sich noch nicht zum Diplom angemeldet haben und keine Meisterschüler sind. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus dem Vorstand des Freundeskreises und Studierenden.

Die Nominierten des Studienpreises stellen ihre Werke aus und zeigen, wie die Disziplinen in der Kunst verschwimmen. Eine Fotografie-Studentin präsentiert ein gemaltes Werk im Comic- und Popart-Stil, ein Student der Bildenden Kunst hat mit der Fotokamera gearbeitet. Ob die Werke im universitären Rahmen oder im Privaten entstanden seien? – Sie verstehe die Frage nicht, erklärt Kuratorin Olga Vostretsova. Seien die Grenzen da nicht fließend?

Video: Angela Kreß und Elena Boshkovska

Politisch ist in diesem Jahr vor allem ein Bild der Fotografie-Studentin Rebecca Korb. Sie hat den Studienpreis gewonnen. In ihrem Werk „Plot, Protagonist & 11 Möglichkeiten“ hat die Künstlerin mit Blei- und Buntstiften, Filzstiften und pastösen Farben gearbeitet. Auf einem Tisch unter einer Glasplatte befinden sich elf Bilder, die aber neben ihrer größten Installation etwas untergehen. Wie auf einem Wimmelbild hat sie auf diesem Hauptelement des Werkes die Fragmente der Berichterstattung über den Flächenbrand in Südkalifornien im Sommer 2016 eingearbeitet. Den Begriff Flächenbrand analysiert sie und entdeckt Parallelen zur Berichterstattung über andere Themen wie Migration und Klimawandel. Dem Betrachter sticht auf dem größten Bild des Werkes eine Flamme ins Auge.

Mit wild eingefügten Aussagen, die erst bei längerem Betrachten wirklich auffallen, provoziert die Künstlerin kritisches Denken. „Do not panic. The authorities are in complete control“, heißt es da und: „80 percent of humankind can’t see the milkyway anymore“ oder „Why do some animals seem to evolve in reverse?“ (Auf Deutsch: „Keine Panik. Die Obrigkeit ist unter Kontrolle“, „80 Prozent der Menschheit können die Milchstraße nicht mehr sehen“, und „Warum scheinen sich einige Tiere rückwärts zu entwickeln?“)

Immer wieder sind Journalismus, Kommunikation und Politik Thema der Ausstellung. Im Hauptraum hängen vier riesige Zeitungsseiten, der FAZ entnommen. Der erste Text ist betitelt mit „BKA: Zustrom von Flüchtlingen führt bisher nicht zu mehr Kriminalität“. Mit diesem Werk spricht Christian Hofer, der in der Klasse System-Design studiert, nicht nur die Betrachter an, sondern führt ihn auch vor. Alle Texte der Zeitungsseite sind gekennzeichnet durch ständige Unterbrechungen. Da sind Eilmeldungen, Tweets und WhatsApp-Nachrichten eingebaut. Sie verdeutlichen, wie abgelenkt nicht nur Zeitungsleser, sondern Menschen im Allgemeinen heutzutage sind. Der Künstler macht sich nicht die Mühe, die Aussage seines Bildes zu verstecken – und genau das trifft den Betrachter.

Gesellschaftskritisch sind viele Werke der Ausstellung, etwa das von Fotografie-Student Eric Meier. Er hat Steinplatten gestapelt, Stoffe mit braun-gelben Mustern, die für die DDR-Zeit so typisch waren, scheinbar zufällig und doch sehr geplant drapiert. Der Betrachter kann sich dazu Audio-Dateien anhören. „Sieht doch kacke aus“, sagt eine Stimme. Etwas funktioniert nicht, das wird deutlich. Meier schreibt, dass der Protagonist in seinem Werk ein Fliegenleger ist, der sich ab und zu eine „ballert“ – also Alkohol trinkt oder Drogen nimmt – und „Whatzes“, Whatsapp-Nachrichten, schreibt.

Der Student erklärt in dem Text zu seinem Werk, dass die Landschaft früher blühend gewesen sei, heute eher schwarz. Mit diesem Wissen im Hintergrund denkt man sofort an gescheiterte Existenzen und an Leben, die ihre beste Zeit hinter sich haben. Im Hintergrund von Meiers Installation hängen 44 Fotografien in schwarz-weiß. Das Motiv ist immer gleich und doch immer etwas anders. Ein Zaunelement. Mal heil, mal verformt, mal durch Gebüsch verborgen. Die Zeit hat einige von ihnen irgendwo verloren auf ihrer Reise, im Stich gelassen.

Einen roten Faden gibt es nicht in der Ausstellung. Es gibt Werke, die ansprechender sind und andere, die auf Grund der Masse der Werke etwas untergehen. Doch gerade diese Vielseitigkeit ist es, die den Betrachter in seinen Gedanken beflügelt.

Noch bis zum 3. 12. können Interessierte die Ausstellung des HGB-Studienpreises besuchen. Geöffnet ist die Galerie der HGB, Wächterstraße 11, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr.

Von Theresa Hellwig

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