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Ball spielen wie Harry Potter

Besonderes Hobby Ball spielen wie Harry Potter

Seit einem Jahr trainieren die Studierenden des traditionsreichsten Quidditch-Vereins Sachsens in Leipzig. Zauberstäbe und Fabelwesen bleiben in Hogwarts. Auf dem Platz zählen Taktik, Leidenschaft und Teamwork.

Quelle: Annika Schulz

Leipzig. Es regnet in Strömen. Im Schutz einer im Wind gepeitschten Weide finden sich nach und nach immer mehr junge Menschen in blau-gelber Kluft auf der angrenzenden Wiese ein. Von allen Seiten tragen sie zunächst merkwürdig anmutende Sportgeräte unter den Armen. Die Studenten wollen Quidditch spielen. Bemerkenswert daran: Quidditch stammt eigentlich aus der Feder von Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling – also aus der Welt der Zauberer – und wird dort auf fliegenden Besen gespielt.

Ohne Besen, dafür in bunten Stollenschuhen trainiert das Leipziger Quidditch Team „Looping Lux“ seit Oktober 2015 wöchentlich am Richard-Wagner-Hain und ist damit der traditionsreichste Verein in ganz Ostdeutschland. Ursprünglich bildete sich das Team aus den Mitgliedern des Leipziger Universitätschors, die eigentlich nur mal eine Runde Quidditch gegen das Universitätsorchester spielen wollten – so der Gründungsmythos.

Quidditch-Team bereitet sich auf Deutsche Quidditch-Winterspiele vor

Ende August errang die Mannschaft den 2. Platz beim Berliner Bluecup und bereitet sich jetzt auf die Deutschen Quidditch-Winterspiele vor, die vom Deutschen Quidditchbund (DQB) veranstaltet werden. Für das Team um Kapitänin Henriette Schreurs alias „Hen“ bleibt da wenig Zeit, sich in der Welt von Harry, Hermine und Ron zu verlieren: „Wir sind keine Harry-Potter-Nerds. Ich glaube, im Herzen sind wir zwar alle Ravenclaws und Gryffindors, aber das ist nie Thema. Uns geht es um den Sport und natürlich um den Spaß“, so die 26-jährige Theaterwissenschaftlerin.

Die taktische Aufstellung, spezielle Aufwärmeinheiten und die Vorbereitung kommender Testspiele bestimmen das Training des Leipziger Quidditch-Teams. „Die meisten Potter-Heads und Cosplayer finden uns natürlich großartig, kommen dann aber leider nur einmal und dann nie wieder“, fügt „Hen“ hinzu.

Aber wie spielen gewöhnliche Studenten den zauberhaften Sport? Jede Mannschaft besteht aus sieben Spielern/Spielerinnen. Die Jäger versuchen den sogenannten Quaffel (Volleyball) durch einen der drei gegnerischen Tor-Ringe zu werfen, während der Hüter dies zu verhindern versucht. Aufgabe der Treiber ist es, die gegnerischen Jäger mit kugelförmigen Klatschern abzuwerfen. Sobald ein Jäger von einem Klatscher getroffen wurde, muss er den Quaffel fallen lassen und zum eigenen Tor-Ring zurückkehren, um wieder in das Spiel einzusteigen. In Hogwarts geschieht dies alles auf fliegenden Besen in halsbrecherischer Geschwindigkeit. In der Muggelwelt, also bei  Menschen ohne magisches Talent, bleibt man auf dem Boden.

Muggel-Quidditch rauer als manch Rugbyspiel

Der Sport hat – abgesehen von der fiktiven Vorlage – wenig Magisches an sich. Beim Muggel-Quidditch geht es rauer zu, als bei manchem Rugbyspiel. Stollenschuhe und Schienbeinschoner sollten bei jeder Partie getragen werden. Wüste Tacklings angreifender Jäger oder waghalsige Ausweichmanöver auf nassem Rasen enden oft mit einer Notlandung am Spielfeldboden. Trotzdem ist die Sportart streng reglementiert. Bei jedem Regelverstoß ertönen die schrillen Pfeifen des Schiedsrichtergespanns. Dann heißt es „Brooms Down“ – Besen runter. Harte Fouls werden mit blauen, gelben und roten Karten geahndet, was für den gemaßregelten Spieler oft einen zeitlich begrenzten Platzverweis bedeutet.

„Wichtigste Voraussetzung, um bei Looping-Lux einzusteigen, ist Freude am Teamsport und die Fähigkeit ein wenig über sich selbst lachen zu können. Immerhin klemmt während der gesamten Spielzeit ein Plastikstab zwischen den Beinen der Spieler“, sagt Kapitänin „Hen“. Trotz Katzenwetter verlassen die Blau-Gelben das Trainingsgelände mit einem Lächeln im Gesicht. Ganz entzaubern lässt sich Muggel-Quidditch eben trotzdem nicht.

Kahwe Mohammady

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