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„Beim Sport funktioniert die Kommunikation auch ohne Worte“

Studierende und Flüchtlinge „Beim Sport funktioniert die Kommunikation auch ohne Worte“

Stickige Luft, Feldbetten ohne Trennwände, kaum Privatsphäre: Über einen Monat leben einige Flüchtlinge nun schon dicht an dicht in der Ernst-Grube-Halle. Da sind Sportangebote von Studierenden eine gesunde Abwechslung. Allerdings steht die Zukunft der ehrenamtlichen Sportkurse auf der Kippe.

Flüchtlinge aus der Grube-Halle beim Sport mit Leipziger Studenten.

Quelle: Jonas Schreijäg

Leipzig. Der Fußweg von der Ernst-Grube Halle, auf der Zeppelinbrücke über die Weiße Elster, hinüber in den Palmengarten, läuft noch ziemlich wortkarg ab. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens – drei Leipziger Studierende haben gerade vier Pakistaner und drei Afghanen aus der Notunterkunft für Flüchtlinge zum Fitnesstraining abgeholt. Eine gemeinsame Sprache hat die Gruppe noch nicht so recht gefunden, einzelne Wortfetzen fallen auf Englisch.

Die Sportstudentin Annika Gentz ist dennoch optimistisch: „Beim Sport funktioniert die Kommunikation auch ohne Worte“, sagt die 24-Jährige, die heute das Training leitet. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bildet sie zwei Mannschaften für das Aufwärmspiel: Jedes Team soll versuchen, einen Ball zehn Mal zu passen, ohne dass die Gegner den Ball abfangen. Annika Gentz erklärt das Spiel langsam auf Deutsch, betont jede Silbe überdeutlich, wechselt ab und zu ins Englische. Dann macht sie die Übung mit ihrem Mitbewohner Sebastian Heidel und ihrer Kommilitonin Laura Röhrs einmal vor. Das Spiel klappt sofort.

Viele Freiwillige, aber bürokratische Hürden

Die Studierenden sind drei von rund 20 Freiwilligen, die Sportangebote für Flüchtlinge in der Ernst-Grube-Halle anbieten. Drei Tage nachdem der Freistaat Sachsen die Sporthalle am 15. August spontan zur Notunterkunft für Flüchtlinge umfunktionierte, bildeten sich im Studentenrat der Uni Leipzig verschiedene Arbeitskreise zur Unterstützung der Geflüchteten. In den E-Mail-Verteiler des Arbeitskreises „Sport und Spiel“ haben sich mittlerweile über 70 Personen eingetragen, erzählt Tim Schlimme, der Sportreferent des Studentenrates. Allein in der vergangenen Woche haben die Ehrenamtlichen Kinderspiele, Joggen, Fußball, Walken, Capoeira sowie Musik und Tanz angeboten. „Unser Ziel ist ein langfristiges, regelmäßiges Angebot“, sagt Schlimme.
 
Doch die Zukunft der studentischen Sportangebote ist ungewiss. Bisher konnten die Studierenden auch Sporthallen auf dem Campus Jahnallee nutzen – wenn das Wetter schlechter wird, sind sie auf geschlossene Räume angewiesen. Aber Anfang vergangener Woche hat die Betriebstechnik Campus Jahnallee, welche die universitären Räume verwaltet, die Sportangebote in den Campus-Hallen vorerst untersagt. „Sie haben Sicherheitsbedenken“, erklärt Tim Schlimme nach einem Treffen mit den Verantwortlichen. Etwa, wer bei Verletzungen hafte und, ob genügend Notausgänge vorhanden seien. Bevor weitere Kurse angeboten werden, wolle die Betriebstechnik deshalb Rücksprache mit der Landesdirektion und der Polizei halten.

Sport als „Eisbrecher“ für das Zusammenleben

Derweil im Palmengarten: Die Sportgruppe ist zu Kraftübungen übergegangen: Liegestütze, Kniebeugen, Strecksprünge. Sebastian Heidel, 26, studiert Wirtschaftspädagogik und bietet den Flüchtlingen neben dem Fitnesstraining auch Fußball an. „Beim Sport kann man abschalten“, sagt er. „Ich hoffe, wir können den Flüchtlingen für ein paar Minuten einen Ausgleich zum Alltag in der Grube-Halle bieten.“

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Info: Wenn Sie selbst Sportkurse anbieten möchten, wenden Sie sich gerne – egal ob Student oder nicht – an den Studentenrat.

 Seine Mitbewohnerin Annika Gertz fordert die Pakistaner und Afghanen jetzt auf, ihre Liegestütze zu zählen. „Eins, zwei, drei“, beginnt sie, dann stimmen die Männer ein – zuerst auf Deutsch, später auf Englisch, dann auf Paschtu und Farsi. „Der Sport funktioniert als Eisbrecher für das Miteinander“, kommentiert Annika Gertz später.

Tatsächlich sitzen alle nach dem Fitnesstraining noch gut 20 Minuten zusammen. Die gemeinsame Sprache ist jetzt gefunden: Sam aus Pakistan spricht Englisch und übersetzt für die anderen, der Rest funktioniert mit Händen und Füßen. „Was studiert ihr? Welche Sprachen sprecht ihr?“, wollen die Flüchtlinge wissen. Es geht um Berufe, Alter und die Fluchtrouten der Männer. Sportstudentin Laura Röhrs sagt, sie hoffe, den Geflüchteten durch den Sport und die Gespräche den Einstieg in Deutschland ein klein wenig zu erleichtern. Gleichzeitig erlebt die 25-Jährige das gemeinsame Auspowern für sich selbst als „interkulturelle Bereicherung“: „Wann treffe ich sonst schon mal Menschen aus Pakistan oder Afghanistan?“

Von Jonas Schreijäg

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